GreenCycle ist auf Einkaufstour

GreenCycle ist auf Einkaufstour

GreenCycle ist auf Einkaufstour 150 150 Klaus Henning Glitza

Rummler wechselt/ Personalrecruiting ist in vollem Gange / Weitere Zukäufe sind geplant

GreenCycle, die neue Solostimme im Konzert der dualen Systeme, ist auf Einkaufstour. Personell gesehen, aber auch in Bezug auf Zukäufe von Unternehmen.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, wurde der Syndikusanwalt Mirko Rummler, der lange Jahre als Leiter Recht der Kölner Reclay-Gruppe fungierte, als Neuzugang gewonnen. Laut der renommierten Tageszeitung  ist er „der Sohn von Thomas Rummler, der im Bundesumweltministerium viele Jahre federführend die Verpackungsgesetzgebung bearbeitet hat und seit seiner Pensionierung im Januar als Berater für die neue Zentrale Stelle arbeitet, die vom kommenden Jahr an die Verpackungsentsorgung kontrolliert“.  Von Branchenkennern wird sein Wechsel „als nicht überraschend“ angesehen.

Die derzeitigen Personalgewinnungsmaßnahmen der zur Schwarz-Gruppe gehörenden GreenCycle GmbH werden von Leo Maiello koordiniert. Der Leiter des Aufbaustabes und Bereichsleiter bei der GreenCycle GmbH war vor seiner jetzigen Funktion seit 2015 als Senior Zentraleinkäufer Non Food International bei der ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehörenden Kaufland Warenhandel aktiv. Bereits von 2008 bis 2012 hatte der Manager mit den italienischen Wurzeln als Teamleiter Logistik International/ Bereichsleiter Logistik Italien von Lidl Italia gearbeitet. Ein Mann mit Insiderkenntnissen der Automobilindustrie. Von 2006 bis 2006 war er für die General Motors Acceptance Corporation und 2012 bis 2015 für die Porsche Consulting tätig, in beiden Fällen als Berater.

Nach EM-Informationen ist GreenCycle derzeit sehr intensiv auf der Suche nach weiterem Managern der gehobenen und mittleren Ebene. Experten auf diesem Gebiet berichten davon, sie wären kontaktiert worden. Zum Teil geschah dies durch Headhunter, aber aller Wahrscheinlichkeit habe GreenCycle im Hintergrund gestanden.

Doch nicht nur personell ist das Unternehmen aus Neckarsulm auf Expansionskurs. Nach EM-Informationen ist GreenCycle in starkem Maße an Zukäufen interessiert und hat augenscheinlich bereits seine Fühler ausgestreckt. Offenbar ist von den verbliebenen neun Systemen mindestens eines „verkaufsbereit“. Auch andere Systeme könnten über eine Veräußerung nachdenken, bewerben dies aber nicht offensiv. Ein Insider bilanziert: „Bis auf wenige Ausnahmen ist der Gedanke an einen Verkauf vielen Systemen durchaus nicht fremd“.  Zu diesen Ausnahmen gehören dem Vernehmen nach BellandVision und die ALBA-Tochter Interseroh, wo gerade erst ein chinesischer Investor in den Systembetrieb eingestiegen ist.

Die FAZ nennt Namen: „Zum Verkauf steht neben DSD nun auch die Kölner Noventiz. Das Unternehmen gehört einer Private-Equity-Gesellschaft aus Hamburg, die nach mehreren Jahren wieder aussteigen möchte. Auch die ebenfalls in Köln ansässige RKD wird hier und da mit den Ambitionen der Schwarz-Gruppe in Verbindung gebracht, was Geschäftsführer Florian Dühr auf Anfrage unkommentiert ließ. Ein Eigentümerwechsel steht ebenfalls beim dualen System Reclay an: Dort sucht der Finanzinvestor Monitor Clipper Partners nach einem Käufer für seinen Minderheitsanteil von 27,5 Prozent, wie Reclay-Mitgesellschafter Raffael Fruscio bestätigte. Er schloss nicht aus, auch einen größeren Unternehmensanteil abzugeben, wenn der neue Eigner zu Wachstumsinvestitionen bereit sei.“

Ohne auf die laut FAZ zum Verkauf stehenden Unternehmen zu zielen, muss gesagt werden, dass eine der Motivationshilfen für einen möglichen Verkauf die neue Verpackungsverordnung ab 1. Januar 2019 ist. Anders als vorher wird mit der neuen Vorgabe den bisherigen „Tricksereien“ ein Riegel vorgeschoben wird.  Wie bereits berichtet, hatten einige duale Systeme ihre Mengenströme, vorsichtig ausgedrückt, heruntergerechnet, um so weniger anteilige Kosten am Gesamtsystem zu bezahlen. Branchenterminologie „Mengenbetrug“.  Das Ergebnis: Eine Finanzierungslücke, die vor allem zu Lasten der redlich arbeitenden Systeme ging.

Kosten sparen und Geld verdienen ist die Zielsetzung von GreenCycle. Durch ein eigenes Rücknahmesystem für Verpackungsabfälle fallen die bisher beim derzeitigen Dienstleister, der ALBA-Tochter Interseroh, anfallenden Unternehmensgewinne direkt in den Schoß der mächtigen Schwarz-Gruppe. Allerdings ist die Vertragslaufzeit zu beachten. Darüber hinaus will GreenCycle internen Informationen zufolge „den Markt aufmischen“ und mit seinen Sammel- und Recyclingsystemen auch andere Kunden ansprechen. „Mit dualen Systemen kann wieder richtig Geld verdient werden, wenn man die finanzielle Power für die Startinvestitionen hat“, ist zu hören. Unter anderem soll die Automobilindustrie im Fokus stehen.  Eine Welt, in der Topmanager Leo Maiello zu Hause war.

Nicht auszuschließen ist, dass Aldi, der schärfste Konkurrenz der Schwarz-Gruppe und seiner Verkaufsschienen Lidl und Kaufland, jetzt nachzieht. Die Kosten der dualen Systeme schlagen sich für die Verbraucher zwar nur mit Centbeträgen nieder, aber genau um diese Cents geht es im Preiskampf der beiden mächtigsten Rivalen. Nach EM-Informationen haben ALDI Nord und Süd bereits Gespräche aufgenommen. Das muss aber nicht unbedingt in einem neuen dualen System münden, sondern könnte auch mit „optimierten Vertragsbedingungen“ geregelt werden.  Derzeitiger Dienstleister für ALDI ist das Duale System Deutschland.

Wie die FAZ berichtete, hat sich der Konkurrenzkampf der beiden großen Discounter ALDI und Lidl/Kaufland auch beim Bieterwettbewerb um das Duale System Deutschland (DSD), den Grünen Punkt, eine große Rolle gespielt. Wie die renommierte Zeitung schreibt, war auch die Schwarz-Gruppe an Deutschlands größten Rücknahmesystem interessiert. Doch hier sei ALDI den Neckarsulmern kräftig in die Parade gefahren und soll gedroht haben, die Verträge zu kündigen, wenn die Schwarz-Gruppe den Grünen Punkt übernimmt. Keine gute Grundlage für eine Übernahme, denn ALDI ist der wichtigste Kunde des DSD. Beim Ausstieg des Discounters wäre der Marktwert des Dualen Systems Deutschland um einen Schlag gesunken- und das konnte weder im Sinne der Verkäufer noch der Käufer sein.

Wie Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, deutlich macht, dokumentieren die Aktivitäten von GreenCycle und möglicherweise weiteren Handelsketten einen Paradigmenwechsel. “Industrie und Handel erkennen allmählich, dass es nicht in erster Linie um Abfälle geht, sondern um Rohstoffgewinnung und entdecken zunehmend den strategischen Wert der Branche. Wir sehen heute Investoren im Markt, die vor wenigen Jahren nicht im Entferntesten daran dachten sich mit Millionenbeträgen zu engagieren.”

Die große Frage ist, was plant REMONDIS in dieser Situation? Fest steht, wenn jemand gegenwärtig DSD kaufen könne, dann wäre es das größte deutsche Entsorgungsunternehmen aus dem westfälischen Lünen. Die zweite Frage ist allerdings, ob REMONDIS dies wegen der kartellrechtlichen Risiken überhaupt will. Beziehungsweise ob die Mehrheitsgesellschafter die angloamerikanischen Investmentfonds H.I.G Capital und Bluebay nach langen ermüdenden Verhandlungen noch an einen aktuellen Verkauf an die Rethmänner denken. Hauptargument für eine Übernahme könnte momentan nur sein, DSD nicht in die Hände eines Mitbewerbers fallen zu lassen.

Mit dem Erwerb eines kleineren dualen Systems würde REMONDIS auf jeden Fall einer ganzen Reihe von Problemen aus dem Wege gehen. Der Grüne Punkt könnte dann durch gewohnt aggressiven Wettbewerb geschwächt werden. Allerdings ist fraglich, ob dies der „Großmachtpolitik“ und dem Anspruch der Unternehmensspitze genügen kann.

Wie auch immer: Das Fachpersonal für ein neues duales System sitzt bei REMONDIS „kampfbereit“ auf der Reservebank. Bekanntermaßen hatte die RETHMANN-Tochter Eko-Punkt zum Ende des Jahres 2014 den Systembetrieb eingestellt. „Als ehrlicher Systembetreiber können und wollen wir die gegenwärtige Situation nicht länger hinnehmen”, begründete seinerzeit REMONDIS-Topmanager Herwart Wilms diesen Schritt. Worauf er abzielte, waren die bereits genannten „Tricksereien“ nicht wenigen dualen Systemen.  Statt einer „hohe Bereitschaft zur Pflichterfüllung und Solidarität aller Beteiligten voraus“ herrsche innerhalb der dualen Systeme ein Verhältnis vor, das “von gegenseitigem Misstrauen und Zerwürfnissen“ geprägt sei, hieß es in einer seinerzeitigen Pressemeldung von Eko-Punkt. Und eine Änderung zeichne sich nicht ab,

Doch Eko-Punkt ist nicht in der Versenkung verschwunden. Das Unternehmen existiert noch, allerdings als Beratungs- und Vermittlungsfirma. Das frühere Personal wurde nicht entlassen, sondern ist bei REMONDIS nach wie vor in anderen Bereichen beschäftigt. Von heute auf morgen ließe sich also eine Stammmnnschaft aktivieren. Ein mühsames Recruiting wie bei GreenCycle wäre also unnötig.

Zudem stößt die damalige, von höchster Stelle verfügte Ordre, aus dem Systembetrieb auszusteigen, REMONDIS-intern zunehmend auf nachträgliche Kritik. „Das hätte nie passieren dürfe“, heißt es intern. Umso stärker wird unternehmensintern gefordert, wieder in diesen immer wichtiger werdenden Markt einzusteigen.

Ohne Zweifel: der Markt der dualen Systeme war schon immer in Bewegung. Aber so intensiv wie in diesen Tagen war er es noch nie.

khg

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