Great Britain und sein „own way”

Great Britain und sein „own way”

150 150 Klaus Henning Glitza

Das Scheitern von VEOLIA im Vereinigten Königreich  / Kommt SUEZ jetzt zu einem späten Sieg?

 

Fortuna hatte den Strategen des  VEOLIA-Konzerns bislang ihre lächelnde Seite gezeigt . Für die Elefantenhochzeit á la francaise standen alle Ampeln  auf Grün, nur eine- die im Vereinigten Königreich- leuchtet seit geraumer Zeit in Dauerrot. Führt der anhaltende Widerstand der Briten gegen die  Mega-Fusion  jetzt zu einem späten Etappensieg von SUEZ, des in der beispiellosen Übernahmeschlacht Unterlegenen?

Ausgeschlossen ist das nicht. Denn VEOLIA, sonst für seinen langen Atem bekannt, hat im Inselreich  entnervt das Handtuch geworfen. Während die Europäische Kommission und 17 Kartellbehörden den Zusammenschluss VEOLIA-SUEZ Ende des  vergangenen Jahres vorbehaltlich eines „Verpflichtungspakets“ eilfertig   durchgewunken haben, gehen die Briten bis dato  ihren „own way“.

Untersuchung bis September verlängert

Wie berichtet,  haben die Gentlemen und Ladys der britischen Kartellbehörde mit „hurry hurry, “„schnell schnell“, nichts im Sinn.  Bereits seit 2021 prüft die Competition and Markets Authority (CMA) den Zusammenschluss und hat erst kürzlich jüngst eine Verlängerung der Untersuchung bis zum 11. September bekannt gegeben, Die bisherigen Verlautbarungen der Wettbewerbswächter , in Groß Britannien „watch dogs“ genannt, lassen aus Veolia-Sicht wenig Gutes erwarten.    Der Zusammenschluss würde den  Wettbewerb im, Bereich der Abfall- und Wassermanagements erheblich einschränken und zu teureren, qualitativ minderwertigen Dienstleistungen und außerdem zu höheren Kosten für die Kommunen  führen. Das wiederum können einen Dominoeffekt für den Steuerzahler sich ziehen.  Laut CMA fatal in einer Zeit der galoppierenden Inflation, die Bürgerinnen und Bürger nicht nur im Brexit-Reich zunehmend belastet.

Closing in Gefahr

Bereits seit Anfang 2021 prüft die CMA den auf Großbritannien bezogenen Zusammenschluss SUEZ-VEOLIA, Repro; EM

Das „United Kingdom“ , kurz UK genannt, hin und her, Für VEOLIA geht es um weit mehr als um den Markteinfluss in Groß Britannien- Denn die Akte „Mega-Fusion“ kann  nicht im Sinne eines Closings geschlossen werden, solange im Inselreich Sperrfeuer geschossen wird. Von der Horror-Vorstellung getrieben, dass das gesamte Übernahmeprojekt am Ende sinnbildlich an den weißen Kreidefelsen von Dover zerschellt, hatten die VEOLIA-Oberen, wie gemeldet,  den Verkauf des britischen Abfallgeschäfts von SUEZ vorgeschlagen. Ein  laut VEOLIA “drastischer” Schritt als  Reaktion auf “die Unnachgiebigkeit der CMA” und das bedauerliche „mangelnde gemeinsame Verständnis für die Probleme im Zusammenhang mit unseren Tätigkeitsbereichen“.

Die Urheberrechte an dieser  Variante hat VEOLIA allerdings nicht. Denn zuvor hatte zuvor die CMA  keinen Zweifel daran gelassen, dass  die vollständige Veräußerung des gesamten britischen Abfallgeschäfts von Suez alternativlos sei und  die „einzige wirksame Abhilfemaßnahme“ darstelle, um nachteiligen Auswirkungen entgegenzutreten. Ein teilweiser Verkauf war ausdrücklich als unzureichend bezeichnet worden.

Signale, wie sie deutlicher nicht sein können,  und deshalb auch sogleich in der Zentrale des neuen SUEZ vernommen wurde. Wie unterschiedliche Medien in Frankreich und Großbritannien berichten, ist das nach der Fusion wesentlich geschrumpfte „nouveau SUEZ“  einem Rückkauf seiner groß-britischen durchaus nicht abgeneigt.

Glänzende Geschäfte

Das wäre auch verwunderlich, denn SUEZ machte und macht glänzende Geschäfte im UK. Die britischen Kommunen geben Jahr für Jahr mehrere 100 Millionen für abfallwirtschaftliche Leistungen aus. Zuletzt erwirtschaftete SUEZ in Great Britain einen Umsatz von zirka 900 Millionen.  Allerdings wäre  die Rückübertragung nicht für einen „Sixpence“ zu haben.  Wie aus Finanzkreisen verlautet, soll VEOLIA ein Verkaufspreis von zwei Milliarden vorschweben. Das ist natürlich auch für den SUEZ-Konzern ein „anständiger Schluck aus der Pulle“, wie es ein Insider formuliert.

Nach EM-Informationen stehen bereits US-Investmentfonds, für die der UK-Markt offenbar attraktiv erscheint, in der Warteschlange. Für diese Finanzriesen  unter den Unternehmen wären Milliarden nicht das Thema, während sie für SUEZ gelinde gesagt- eine Herausforderung wären. Allerdings richten sich derzeit alle Augen der Interessenten  aus den USA und Paris auf die bevorstehende CMA-Entscheidung. Bevor diese nicht gefallen ist. werde „niemand das Verkaufsthema ernsthaft  anfassen“, so ein Banker.

Ein „letztes Gefecht“?

Ein möglicher Verkauf könnte zum „letzten Gefecht“ zwischen einem „Goliath“ und einem immer noch großen „David“ werden. Überträgt VEOLIA die britischen Geschäfte an SUEZ zurück, stärkt der Konzern die Marktmacht des Rivalen seit Alters her. Zugleich schwächt er die Finanzkraft des Konkurrenten. Bei SUEZ liefe es dagegen im umgekehrten Sinne. Der Konzern würde dem Marktbegleiter  zwar einen Umsatzbringer  abjagen, verliehe ihm aber hinsichtlich der Finanzpower  Flügel.  Denn VEOLIA hat bereits genüsslich verlauten lassen,  dass ein Zwangsverkauf , “auch den Schuldenabbau des Unternehmens beschleunigen“ und den Konzern  „agiler denn je“  machen werde.

Es gibt somit keinen Vorteil, der nicht auch irgendwo ein Nachteil wäre. Das gälte für beide Unternehmen, wenn es zur gänzlichen oder teilweisen Rückübertragung an SUEZ kommt.

EM/khg

Oberstes Bild: Rivalen seit Alters her: VEOLIA und SUEZ. Repro: EM

Eine Neuauflage des „perfiden Albion“?

Französische Dichter des 19. Jahrhunderts schufen die Wendung vom „perfiden Albion“. Hätten sie die bitterbösen Schmähworte für die britischen Inseln nicht schon geprägt, es wäre vielleicht eine Wortschöpfung der Neuzeit geworden. Denn in der Zentrale des Veolia-Konzerns sind derzeit Begriffe zu hören, die dem vom „perfiden Albion“ zumindest ähneln.

Um bei historischen Bildern zu bleiben: Es sind die für ihren Eigensinn bekannten Briten, die den sieggewohnten Veolia-Chefstrategen eine Art Waterloo bescherten, Und diese herbe Niederlage könnte ausgerechnet dem Erzrivalen SUEZ eine Renaissance im United Kingdom ermöglichen.

Dabei war bis zum Waterloo für VEOLIA alles  bestens gelaufen. Die Konzernherren profitierten vom Rückenwind der „grande nation“, deren Lenker von der Vorstellung eines „Weltmeister der ökologischen Transformation“ regelrecht  entzückt waren, Auch der zähe Widerstand des alten Rivalen war letzten Endes nach einer öffentlichen Schlammschlacht  ohnegleichen erfolgreich gebrochen worden. Selbst die in Frankreich besonders kampfeslustigen Gewerkschaften  waren beschwichtigt worden. Alles schien im grünen Bereich,  bis die Wettbewerbswächter des Vereinigte Königreich die rote Karte zeigten..

Auszug aus dem Schreiben der “National Association of Waste Disposal Officers” an die CMA. Quelle: CMA, Repro: EM

Die Bedenken der Briten kommen nicht von ungefähr. Der Wettbewerb im kommunalen Bereich war vor der Fusion überwiegend zwischen SUEZ und VEOLIA ausgetragen worden.  Diese Unternehmen hatten im Gegensatz zu anderen sämtliche Dienstleistungen der Abfallwirtschaftskette im Portfolio. Kleinere Unternehmen konnten lediglich Nischen bedienen und bangen-  wie beispielsweise das United Resource Operators Consortium gegenüber der CMA deutlich machte- um ihre Existenz. Wenn es statt zweier, im Wettbewerb stehender Großer nur noch einen geben sollte, wäre das Schicksal mehrerer kleiner und mittelständischer Unternehmen besiegelt, so sieht es auch die CMA.

VEOLIA bleibt kaum etwas anderes übrig, als die Notbremse zu ziehen. Branchenkenner vergleichen diesen Schritt  mit einer Fingerkuppe, die geopfert wird, um die komplette Hand zu retten.

K H Glitza

Hinterlasse eine Antwort