Great Britain, little VEOLIA

Great Britain, little VEOLIA

150 150 Klaus Henning Glitza

Kartellbehörde: Konzern muss sich von weitaus mehr trennen

 

Great Britain little VEOLIA. Im Vereinigten Königreich bleibt dem Konzern nicht viel mehr  als die Brosamen, die vom Tisch der Wettbewerbswächter fallen.

Dass die dortige Kartellbehörde Competition and Markets  Authority (CMA) der Elefantenhochzeit VEOLIA-SUEZ überaus kritisch gegenüberstehen würde, hatte sich überdeutlich anhand bisheriger Statements und Zwischenergebnisse abgezeichnet. Mit seinem gestern verkündeten Beschluss legt die CMA aber noch einmal nach. Der von VEOLIA selbst eingeleitete Schritt den SUEZ-Entsorgungsbereich für 2,4 Milliarden an die australische Investmentbank Macquarie zu veräußern, wird als nicht ausreichend angesehen.

Wesentliche Teile müssen verkauft werden

Konkret ist die CMA zu dem Schluss gekommen, dass VEOLIA „wesentliche Teile des fusionierten Geschäfts verkaufen muss“. Das umfasst laut einer Mitteilung „Suez’ britische Entsorgungsunternehmen, Suez’ Geschäft mit industriellen Wasserbetriebs- und Wartungsdienstleistungen in Großbritannien und Veolias europäisches Geschäft mit mobilen Wasserdienstleistungen“. Laut CMA machten „diese Geschäfte machen fast die gesamte Überschneidung zwischen den konkurrierenden Aktivitäten von Veolia und Suez in Großbritannien aus“.

Enttäuschte Hoffnung

Dabei hatte der Konzern mit Hauptsitz  an  der Rue Madeleine Vionnet  in Aubervilliers (Normandie)  die Hoffnung gehegt, mit dem „Notverkauf“  die kritische Wettbewerbsbehörde Großbritanniens  beschwichtigen zu können. Das wäre von immenser Bedeutung gewesen. Letztlich geht es ja nicht nur um die Geschäfte in dem Inselreich, sondern um die Fusion an sich, deren Abschluss  (Closing) letztlich auch von einem Yes aus London abhängt.

„Angesichts unserer Bedenken hinsichtlich der Fusion sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Veolia die meisten der Operationen, die es bei der Übernahme von Suez in Großbritannien übernommen hat, verkaufen muss“, erklärte CMA-Untersuchungsleiter Stuart McIntosh. „ Wir werden nun mit Veolia zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass geeignete Käufer gefunden werden, damit Unternehmen, Räte – und letztendlich Steuerzahler – nicht verlieren“.

Die Argusaugen der CMA

Die Pressemitteilung der britischen Kartellbehörde CMA. Übersetzt bedeutet die Überschrift “CMA wickelt die Fusion VEOLIA/SUEZ” ab. Repro: EM

Die britischen Wettbewerbswächter werden auch die jetzt erforderlichen Folgeschritte mit Argusaugen begleiten.  „Die CMA muss die Käufer jedes Unternehmens vor Abschluss jedes Verkaufs genehmigen“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung. Damit ist auch der geplante Verkauf an Macquarie noch nicht in trockenen Tüchern. Denn es mehren sich die Hinweise, dass die Investmentbanker aus Sydney weiterverkaufen wollen.  Immer öfter kommt der Name SUEZ ins Spiel.

Wie bereits berichtet, hatten die britischen Wettbewerbswächter bereits in Phase I konstatiert, dass der Zusammenschluss zu deutlichen Wettbewerbseinschränkungen auf fünf Abfallmärkten und  zwei  Wasseraufbereitungsmärkten führen würde. Denn in jedem  dieser Märkte standen die Global Player  SUEZ und VEOLIA  in engem Wettbewerb. Die CMA-Bewertung: Ein Wegfall dieser Konkurrenzsituation würde wahrscheinlich zu höheren Kosten oder qualitativ minderwertigen Dienstleistungen für die Kommunen führen würde-  mit anzusehenden Folgewirkungen für die Steuerzahler sowie für Unternehmen in ganz Großbritannien. Eine fatale Konsequenz, denn die Haushalte der kommunalen Behörden und der Bürger  seien ohnehin schon massiv belastet.

An warnenden Hinweisen herrschte kein Mangel. „Während der gesamten Untersuchung hörte die CMA von einer Reihe von Kommunen und Kunden, die über die möglichen Auswirkungen der Fusion auf die Kosten und die Qualität der Dienstleistungen, die sie erhalten, besorgt waren“, macht Untersuchungsleiter McIntosh deutlich.

Mit ihrer kritischen Haltung stehen die Briten im Übrigen nicht allein, Auch  Wettbewerbsbehörden der Europäischen Union und Australiens haben  im Zusammenhang mit dem geplanten Zusammenschluss von beiden Gruppen Zugeständnisse und Verkaufstransaktionen verlangt. Das wurde aber an wesentlich kleinere Glocken gehängt, .

Ein herber Rückschlag

In Großbritannien soll es keine Wettbewerbseinschränkungen geben, Aus zwei wird eines- das wurde nichts. Foto; CMA

Ein herber Rückschlag ist es für den nach höheren Weihen (“Weltmeister der ökologischen Transformation“) strebenden französischen Konzern dennoch. Denn im Vereinigten Königreich geht es nicht um Peanuts, wie der Großbanker sagt. Veolia erwirtschaftete im Jahr 2020 in Großbritannien rund zwei Milliarden britische Pfund (GBP) und damit etwa zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. SUEZ fuhr in diesem Jahr rund eine Milliarde ein, was sieben Prozent des Weltumsatzes entsprach.

Für die Anleger war es dennoch eine gute Nachricht. Nach den very british news verzeichnete die Veolia-Aktie am Donnerstagmorgen an der Pariser Börse einen Gewinn von 0,2 Prozent, Immerhin eine kleine Umkehr des Nagativtrends, in dessen Folge die VEOLIA-Aktie seit Jahresbeginn um mehr als 29  Prozent gefallen ist.

Einiges erinnert an das Jahr 2012, als VEOLIAs Versuch Nummer 1, den Mitbewerber SUEZ zu übernehmen, wegen kartellrechtlicher Bedenken scheiterte. Auch zehn Jahre später ist es abermals das Wettbewerbsrecht, das VEOLIAs Pläne durchkreuzt. Jedenfalls auf den britischen Inseln.

Nicht gut genug für eine Pressemitteilung?

VEOLIA, sonst relativ schnell mit seinen Pressemitteilungen, ist von der CMA-Schlussbericht offenbar so überrascht, dass bislang auf allen seinen Kanälen Funkstille herrscht. „Was soll man auch sagen?“, fragt ein Journalistenkollege. Faktum ist: Die sonst so die siegreiche Übernahmeschlacht- im United Kingdom erlebte sie ein Waterloo. Bad News- und wohl nicht gut genug für ein „Communiqué de presse“?

khg

 

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