Gelangten Plastikpartikel auch auf die Äcker?

Gelangten Plastikpartikel auch auf die Äcker?

150 150 Klaus Henning Glitza

Geschönte Daten: Hohe Plastikanteile im Gärsubstrat gibt es offenbar bereits seit 2015

 

 „Der Lebensmittelreste-Zulieferer Refood hat in seinen Lieferscheinen an die Stadtwerke offenbar nicht alle Fremdstoffe ausgewiesen“, schreiben übereinstimmend mit den jüngsten Berichten des NDR und EM die Schleswiger Nachrichten in ihrer aktuellen Internet Ausgabe. In der Lokalzeitung ist nicht nur nicht nur von Plastikpartikeln die Rede, die über das das Klärwerk in die Schlei gelangt sind, sondern auch vom Klarschlamm aus dem Faulturm, der offenbar als Dünger auf Äckern in der Region gelandet ist. Örtliche Umweltschützer hatten das schon lange angenommen.

Das Schleswiger Klärwerk. Gelangten von dort aus Plastikpartikel auch auf Ackerböden? Foto: Hans Gerdes

Eine neue beunruhigende Entwicklung im Umweltskandal von der Schlei. Geht es nicht nur um eine Gewässerverunreinigung, was schlimm genug ist, sondern auch um reine Kontaminierung von Ackerböden? Und wenn das so ist, wie sieht es in anderen Niederlassungen von ReFood und anderen ähnlich arbeitenden Betrieben aus. Die von EM in anderen Bundesländern kontaktierten Umweltbehörden vermeldeten, es lägen ihnen keine Hinweise auf Kontaminationen vor. Aber auch: Aktiv untersucht wurde bisher nichts. Das Bundesumweltamt verwies darauf, dass Umweltschutz in den Regionen in erster Linie Ländersache sei.

Wie bereits berichtet, weichen die auf den ReFood-Lieferscheinen angegeben Fremdstoffanteile erheblich von den realen Zusammensetzungen ab. Folgt man den von ReFood deklarierten Mengenangaben, dürfte das sogenannte Gärsubstrat seit 2016 nur insgesamt 488 Kilogramm Kunststoffpartikel enthalten haben. Da aber die Werte geschönt sind, um es zurückhaltend zu formulieren, sollen es in Wahrheit mehrere Tonnen gewesen sein.  Seit 2015 waren sich nach Angaben des Leiters der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, Thomas Roos, „in der Trockensubstanz der Lebensmittelreste (…) durchschnittlich 0,77 Prozent Fremdstoffe enthalten (…) – überwiegend Plastik, aber auch Glas und Metall. Materialien also, aus denen Lebensmittelverpackungen üblicherweise bestehen“, meldeten die Schleswiger Nachrichten.

„Bemerkenswert daran: Den höchsten Plastikanteil hat das Labor mit 2,51 Prozent in einer Probe vom 3. Dezember 2015 festgestellt. Die Lieferscheine von Refood weisen einen nennenswerten Plastikanteil erst seit Ende 2017 auf. Vor diesem Hintergrund bekommt der Bericht einer Anwohnerin aus Winningmay neues Gewicht, die bereits Anfang 2016 Plastik nahe der Mündung der Füsinger Au entdeckt hatte“, ist der Schleswiger Lokalzeitung zu entnehmen.

Die Naturschutzbehörde des Kreises war den damaligen Hinweisen aber nicht nachgegangen, weil sie den Fund als singuläres Ereignis betrachtete- und muss sich deshalb heute Kritik gefallen lassen. Genau wie das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), das stets die Prüfberichte des von ReFood selbst beauftragten Fachlabors erhielt, in denen die wahren Fremdstoffanteile benannt worden waren. Im LLUR wurden die Berichte mit den brisanten (echten) Zahlen aber offenbar nur abgeheftet. Die erhöhten Fremdstoffanteile beunruhigten offenbar niemanden.

Dass die bisher angenommenen Plastikanteile nach oben korrigiert werden müssen, ist der Unteren Naturschutzbehörde bereits seit dem 26. April 2018 bekannt. „Durch eigene Auswertungen konnte festgestellt werden, dass die bisher vermutet Menge an Fremdstoffen (Glas, Kunststoff, Metall) in den angelieferten Speiseresten einen deutlich höheren Anteil hatten und über einen längeren Zeitraum in der Kläranlage verarbeitet wurden“, heißt in einer Mitteilung des Kreises Schleswig-Flensburg. (https://www.schleswig-flensburg.de/Aktuelles-Service/Pressedienst/Infos-Plastik-in-der-Schlei).

Die Firma ReFood wurde von EM um ein Statement gebeten, hat aber bis dato nicht reagiert.

ema/khg

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