Fast schon tieftraurige Gewissheit

Fast schon tieftraurige Gewissheit

150 150 Klaus Henning Glitza

Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Todesopfer von Leverkusen  noch steigen wird

 

Es ist fast schon eine tieftraurige Gewissheit, dass sich  die Anzahl der Todesopfer des verheerenden Explosionsunglückes im Chempark Leverkusen noch erhöhen wird. Für die fünf als vermisst gemeldeten Menschen (vier Currenta-Mitarbeiter, ein Angehöriger einer externen Firma) gibt es offensichtlich kaum noch Hoffnung.

„Wir müssen leider davon ausgehen, dass wir die fünf Vermissten nicht mehr lebend finden”, sagte der CEO der Chempark- und Entsorgungszentrum- Betreiberfirma Currenta GmbH & Co. KG, Frank Hyldmar. Trotzdem ging die Suche nach diesen Menschen unvermindert weiter und wurde auch in der gestrigen Nacht und in den heutigen Morgenstunden mit höchster Intensität fortgesetzt. Lebenszeichen wurden aber offenbar nicht wahrgenommen. „Die Hoffnung auf ein Finden der noch vermissten Personen schwindet bei mir persönlich”, erklärte auch Chempark-Leiter Lars Friedrich in einem auf Twitter veröffentlichten Video.

Blick auf den Unglücksort. Foto: Chempark Leverkusen

Da der Suche nach Überlebenden höchste Priorität eingeräumt wurde, war der Ereignisort bislang für Brandursachenermittlungen nur eingeschränkt begehbar. Bisher waren vor allem Drohnen für die Sachverhaltsklärung eingesetzt worden  Zusammen mit Sachverständigen und Verantwortlichen des Chemparks und  Currenta werden Brandermittler der Polizei den Unglücksort am heutigen Donnerstag  in Augenschein nehmen und Proben nehmen. Ausschließlich für das Explosionsunglück ist bei der Kölner Polizei eine Ermittlungsgruppe gebildet worden.

Zur menschlichen Tragik tritt eine mögliche Gefahrenlage für die Bevölkerung im Umkreis des Unglücksortes. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)  hat das Unglück als Ereignis von  „extremer Gefahr“  eingestuft.

Eine gewaltige Rauchwolke zog über die angrenzenden Wohngebiete. Foto; Stadt Leverkusen

Aufgrund dessen, dass sich in den vom Brand betroffenen Tanks auch chlorierte  Lösungsmitte befanden, geht das NRW-Landesumweltamt  LANUV davon aus, dass „Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen“ freigesetzt wurden. Die Behörde vermutet,  dass diese in höherer Konzentration krebserregenden Stoffe über die gewaltige Rauchwolke und den damit einhergehenden Rußniederschlag in die umliegenden Wohngebiete getragen werden. Mit ersten Ergebnissen der eingeleiteten Analyse werde am morgigen Freitag gerechnet, Bisher mit Messwagen (auch des Chemparks) durchgeführte Untersuchungen sollen aber keine erhöhten Werte ergeben haben. Die Messwerte seien im „grünen Bereich“, teilte die Stadt Leverkusen mit. Die LANUV-Untersuchungen gehen aber über Messungen von Schadstoffkonzentrationen in der Umgebungsluft hinaus,

Unabhängig davon werden die Warnhinweise aufrechterhalten. Die Bürger sollen in Gebieten mit Rußniederschlägen vorsorglich kein selbst angebautes  Obst oder Gemüse verzehren.  Auch mit Ruß bedeckte Gegenstände, beispielsweise Gartenmöbel, sollen nicht gereinigt und schon gar nicht benutzt werden, um einen Hautkontakt zu vermeiden. Bei dringenden Gartenarbeiten sollen Handschuhe getragen werden.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion gegen Unbekannt eingeleitet. Dies ist allerdings bei Schadenslagen dieser Dimension Routine und besagt noch nichts über konkrete Verdachtsmomente. Ziel der Verfahren ist es, ein potenzielles menschliches Fehlversagen zu erhärten oder auszuschließen.

Wie jetzt bekannt wurde konnten die Löscharbeiten nicht unmittelbar nach dem Eintreffen der Feuerwehren aufgenommen werden, Die Brandschützer musste erst abwarten, bis eine Stromleitung, dem Vernehmen nach mit Hochspannung,  vom Netz genommen werden konnte,

Über das Unglück im Tanklager der Sondermüllverbrennungsanlage des Currenta-Entsorgungszentrums hatte EM bereits gestern berichtet.

khg

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