„Falsch, unvollständig und kontraproduktiv“

„Falsch, unvollständig und kontraproduktiv“

150 150 Klaus Henning Glitza

 BDE übt herbe Kritik an der gestrigen ARD-Doku „Die Recycling-Lüge“

 

Als „falsch, unvollständig und kontraproduktiv“ hat der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft eine gestern ausgestrahlte ARD-Dokumentation bezeichnet. Intern hieß es, es sei ein „ziemlicher Blödsinn“ gewesen.

Der Titel „Die Recycling-Lüge“,  ließ bereits erahnen, in welche Richtung der TV-Beitrag gegen würde. Freundlichkeiten waren da nicht unbedingt zu erwarten. Dennoch herrschte  beim BDE nach Eigenangaben „Überraschung darüber, dass im Jahre 2022 noch eine derart verfälschende Darstellung der Kreislaufwirtschaft  erfolgen kann“. Es kam aus Sicht der Verbandes offenbar schlimmer als eh schon erwartet.

„Die Zusammenhänge, die der Film konstruiert, sind unzutreffend und lenken von den eigentlichen Problemen ab“, erklärte BDE-Präsident Peter Kurth am heutigen Dienstag in Berlin.  Die Erfolge des Recycling hätten die  Filmemacher unter den Tisch fallen lassen. „Fortschritte werden negiert und der Bevölkerung wird eingeredet, Getrenntsammlung sei bei Kunststoffen weitgehend sinnlos, weil eh kaum recycelt werde. Mit solcher Medienarbeit erweist man Umwelt- und Klimaschutz leider einen Bärendienst, so der Präsident.

Peter Kurth (unser Foto): „Die ARD-Dokumentation  hat bei unseren Mitgliedsunternehmen viel Kritik hervorgerufen.  Grundsätzlich gilt: Recycling, ist bei vielen Stoffströmen wie Metalle, Glas und Papier erwiesenermaßen ausgezeichnet und schon heute der wichtigste Rohstofflieferant. Es ist richtig, dass im Bereich Kunststoffrecycling noch Hausaufgaben zu tun sind. Dies gilt insbesondere für das Design der Produkte und für den Ausbau des Rezyklateinsatzes in neuen Produkten. Die in der Fernseh-Doku hergestellte Verbindung der Plastikvermüllung der Meere mit einem unzureichenden Plastikrecycling in Deutschland grenzt – freundlich ausgedrückt- an Täuschung. Eine solche Darstellung leugnet nämlich die tatsächlichen Ursachen, denn es ist bekannt, dass 90 Prozent des weltweit in die Weltmeere eingetragenen Plastikabfalls aus zehn Flüssen stammen, von denen acht in Asien und zwei in Afrika sind. Ursache ist, dass es dort Kunststoffverbrauch fast wie bei uns gibt, aber eben keine Kreislaufwirtschaft, die Verpackungsabfälle aus der Natur heraushält.“

Für „mehr und besseres Kunststoffrecycling kämpfen wir als Verband zusammen mit unseren Mitgliedsunternehmen und weiteren Partnern seit Jahren, macht Kurth deutlich. Die Instrumente dafür lägen auf dem Tisch und benötigten zum Teil die Unterstützung aus der Politik für die Umsetzung. Insgesamt diskreditiere diese Dokumentation jedoch „die bewährte Arbeit der allermeisten Unternehmen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und verunsichert zudem  sämtliche Akteure“.

Der BDE-Präsident: „Unsachliche Medienarbeit darf nicht dazu führen, dass die Menschen bessere Getrenntsammlung nicht mehr für wichtig halten. Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine Kreislaufwirtschaft, die diesen Namen auch verdient und erwiesenermaßen der Schlüssel ist für Ressourcenschonung, Energieeinsparung und Klimaschutz. Nur mit dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft können wir Klimaziele erreichen und  gleichzeitig Wirtschaftsstandort bleiben. Der EU-Kommission ist das klar, die ARD braucht noch etwas.“

Im ARD-Dokumentarfilm “Die Recycling-Lüge” von Tom Costello und Benedikt Wermter war das weltweit immer größer werdende Problem Plastikmüll aufgegriffen worden. Im Ankündigungstext hieß es: „Plastikverpackungen gehören in die Gelbe Tonne. Wunderbar: Deckel zu, gutes Gewissen. Aber was passiert wirklich mit unserem Plastikmüll, wenn wir ihn in die Recycling-Tonne geworfen haben? Die Antwort auf diese Frage tut weh. Längst nicht alles, was recycelt werden könnte, wird auch recycelt.“

Die Doku ist bis Juli 2023 in der ARD-Mediathek zu finden.

BSch/EM

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