Expansionswille von REMONDIS ist ungebrochen

Expansionswille von REMONDIS ist ungebrochen

150 150 Klaus Henning Glitza

Trotz der herben Niederlage beim Bundeskartellamt gibt sich der Konzern noch lange nicht geschlagen

REMONDIS hat im Kampf um DSD eine Niederlage hinnehmen müssen, doch die Schlacht geht weiter.

Die einen reden von den Grenzen des Wachstums, die anderen sprechen von einem kurzen Tritt auf die Bremse. Bei den Folgen der Untersagung der Elefantenhochzeit DSD-REMONDIS liegt die Wahrheit wohl eher nicht in der der Mitte, sondern geht tendenziell in Richtung Bremse. Zwar sind dem milliardenschweren Konzern von den Wettbewerbshütern klare Grenzen aufgezeigt worden, doch der Expansionswille der REMONDIANDER ist ungebrochen.

Gut informierte Kreise berichten, dass Deutschlands größter Entsorgungskonzern mit Hauptsitz im westfälischen Lünen jetzt wieder stärker auf die Übernahme von kleineren Unternehmen setzen könnte, die unterhalb des „Radars“ der Kartellbehörde liegen. Diese Transaktionen waren in diesem Jahr zurückgestellt worden, weil sich alle Aktivität auf den Grünen Punkt richtete und weitere Übernahmen im laufenden Fusionskontrollverfahren als kontraproduktiv angesehen wurden.

Nach wie vor ist auch die „Akte STEAG“ nicht vom Tisch, die vielleicht für den nächsten Coup steht. Denn beim Verkauf der Stadtwerke-Anteile des Energiekonzerns soll nach EM-Informationen nach wie vor der Lünener Konzern zum Kreis der ernsthaften Interessentern gehören.

Ein Insider mutmaßt, dass der „Rummel um den grünen Punkt“ eventuell nur dem Zweck diente, an der „zweiten Front, der „STEAG-Front“, Ruhe zu haben. Die Taktik, eine Nachricht durch eine andere aus den Schlagzeilen zu bekommen, ist durchaus nicht neu. Weitere Bestätigungen für diese kühne These haben sich aber nicht finden lassen.

Noch aber ist nicht aller Tage Abend. REMONDIS, so ist aus gutinformierten Kreisen zu hören, gibt sich noch lange nicht geschlagen. Der Konzern hat quasi ein Ass im Ärmel- und das heißt Oberlandesgericht Düsseldorf. Fachjuristen, halten das OLG für ein überaus „wirtschaftsfreundliches“ Gericht. Wer einen Konzern vertrete, habe dort beste Karten.

REMONDIS wäre nicht REMONDIS, wenn die Klageschrift nicht schon längst vorbereitet wäre. Während nach außen noch Hoffnungsstrahlen ausgesendet wurden, wurde intern und in Kartellrechts-Kanzleien bereits emsig am „Plan B“ gestrickt.  Stoßrichtung:  Die Elefantenhochzeit wird vom Bundeskartellamt abgesagt, wie kriegen wir jetzt die Braut, die das Jawort ja schon gegeben hat, dennoch vor den Altar.

Allerdings bleiben brennende Fragen, die sich auf das eigenwillige Verhalten von REMONDIS im Fusionskontrollverfahren DSD beziehen. Dass der Zusammenschluss untersagt würde, war für die Lünener Konzernherren alles andere als überraschend.  Denn REMONDIS hielt mit dem Bundeskartellamt ständigen telefonischen und auch persönlichen Kontakt. Der Konzern war nicht auf die Post angewiesen, um sich über den aktuellen Stand zu informieren. Was in Bonn entschieden und beratschlagt wurde, war Minuten später in Lünen bekannt.

Auch in jenen Zeiten, in denen REMONDIS vor Optimismus und Vertrauen nur so strotzte, war längst klar, dass bei der Bonner Kartellbehörde die sinnbildliche Ampel auf gelb-rot geschaltet war und nicht durch ein paar, zudem zeitlich befristete Zugeständnisse, auf grün umspringen würde. Auch der Besuch von REMONDIS-Grande Max-Arnold Köttgen und einem auf Wettbewerbsrecht spezialisierten Fachanwalt beim Bundeskartellamts-Chef war kaum mehr als bloßer Aktionismus- vielleicht auch ein Verzweiflungsakt. Niemand konnte damit rechnen, dass Präsident Andreas Mundt seine Leute zurückpfeifen würde, zumal er selbst nimmermüde klargemacht hat, dass er die Vorbehalte vollinhaltlich teilt.

Dennoch wurde insbesondere im Hause REMONDIS bis zuletzt maximalster Optimismus verströmt, während bei DSD bereits eine Art vorsichtiger Zurückhaltung Einzug gehalten hatte.

Bei der Propagierung dieser satten Zuversicht erwies sich REMONDIS-Topmanager Herwart Wilms abermals als eine Art Chef-Öffentlichkeitsarbeiter. Wie bereits berichtet, war Wilms -Stichwort Chef-Kommunikator- der Mann, der „gute Nachrichten“ zu verkünden hatte, aber nicht deren Urheber war. Als „Macher“, der die Übernahme des Dualen Systems Deutschland managen wollte und dabei voller Selbstvertrauen alle Bedenken beiseiteschob, hatte sich Max-Arnold Köttgen in Szene gesetzt.   Beispielsweise wurden die Bedenken von Manager Thomas Conzendorf, der nahezu originalgetreu die nunmehr eingetretene Situation vorausgesehen hatte, abgetan. Der Karriere von Conzendorf sei seine Haltung als Bedenkenträgen nicht förderlich gewesen, heißt es.

Der ranghöhere Köttgen setzte sich durch. Von dieser Zuversicht, Insider sprechen allerdings von Überschätzung der tatsächlichen Möglichkeiten, ließ sich auch der oberste Chef des Konzerns, Ludger Rethmann, anstecken. Der Träger eines großen Namens hatte sich zunächst eher neutral zur „Operation Grüner Punkt“ positioniert.  Das heißt, er war weder übermäßig überzeugt von der Operation Grüner Punkt, noch stand er ihr völlig negativ gegenüber. Auch Herwart Wilms, der als guter Freund des DSD-CEO Wiener immer wusste, was beim Grünen Punkt so vor sich geht, gehörte zumindest anfangs nicht zu den Leuten, die sich vor Siegesgewissheit kaum noch bremsen konnten.

Für die Verhaltensweise „Maximaler Optimismus trotz absehbarer Niederlage“ gibt es drei mögliche Gründe:

  1. Die Zugeständnisse dienten nur dem Zweck, „Munition“ für das OLG-Verfahren zu sammeln. Nach der Devise: „Wir haben uns auf das Bundeskartellamt zubewegt, aber die haben ihre unverständliche starre Haltung nicht aufgegeben“.
  2. Die propagierte Zuversicht war weniger für die Öffentlichkeit als für die Ohren von anderen Prozessbeteiligten bestimmt. Denkbar wäre: Ruhigstellung der Mitarbeiter des Grünen Punktes, die aus mehrfachen Gründen höchst nervös sind. Nebenziel: Den Exodus von Führungskräften zeitweilig zu verhindern, denn REMONDIS geht es bei der Übernahme auch um Fachleute. Es ist bekannt, dass bei EKO-Punkt, dem früheren dualen System des Konzerns, eher Entsorgungsspezialisten am Werk und weniger LVP- und Altglasexperten.  Denkbarer Grund Nummer 2: Die Beschwichtigung der DSD-Verkäufer, den britisch-amerikanischen Investmentfonds H.I.G. Capital und Bluebay. Auch die müssen jetzt stillhalten, denn für die Dauer einer OLG-Klage können getrost anderthalb Jahre gerechnet werden.
  3. Ruhe an der STEAG-Front, wie bereits erwähnt. Auch der Erwerb dieses Energieriesen würde sich massiv auf den Entsorgungsmarkt auswirken. Mit der Kohlekompensation könnten die Lünener „einen großen Reibach machen“, wie es ein Insider formuliert, „und sich zwischenzeitlich noch die beiden Müllverbrennungsanlagen in Ostdeutschland einverleiben“. REMONDIS hätte die Möglichkeit, das Unternehmen günstig zu kaufen, denn fünf der sechs derzeitigen Eigentümer,  die Stadtwerke“ DuisburgOberhausenDinslakenEssen und Bochum, wollen STEAG SREAG unbedingt, man könnte auch sagen um jeden Preis,  loswerden.   Eine aktuelle Meldung, dass J.P. Morgan Interesse an dem Energiekonzern habe, wird als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden, um die Interessenten unter Zugzwang zu setzen.

Ein wahrer Krimi sei der Kampf um den Grünen Punkt, so urteilte eine EM-Leserin. Ein Krimi, dessen Schlusskapitel noch lange nicht geschrieben ist- und der deshalb spannend bleibt. Erst mit der letzten Zeile wird das Ende deutlich werden. Zumal der Hauptakteur REMONDIS für jede Überraschung gut ist- wie man weiß.

khg

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