“Es brodelt wie in einem aktiven Vulkan“

“Es brodelt wie in einem aktiven Vulkan“

150 150 Klaus Henning Glitza

Entsorgung Dortmund: Ein seit Jahren schwelender  Konflikt eskaliert

 

Innerhalb der Entsorgung Dortmund brodelt es wie in einem aktiven Vulkan“. Mit diesen Worten bringt Felix Guth, Redakteur der Ruhr Nachrichten auf den Punkt, was derzeit in dem kurz EDG genannten Unternehmen abgeht, das zu 51 Prozent der Stadt Dortmund und zu 49 Prozent den Dortmunder Stadtwerken (DSW21) gehört.

Zwischen der Geschäftsführung und Teilen der fast 1000-köpfigen Mitarbeiterschaft  schwelt schon seit gut dreieinhalb Jahren ein Konflikt, der jetzt mit der Verteilung eines Flyers auf dem EDG-Betriebsgelände seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. In der Flugschrift werden ernst zu nehmende Vorwürfe erhoben. Das Betriebsklima in den Entsorgungsunternehmen habe sich dramatisch verschlechtert. Schon kleinere Vorfälle zögen massive arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich.  Bereits ein Kaffee zu viel in einer Pause oder das nicht ordnungsgemäße Tragen einer Warnweste, führe zu Abmahnungen, berichten die Flyer-Verfasser in einem vertraulichen Gespräch mit Redakteur Guth. Die Chefetage, die nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden des  inzwischen verstorbenen einstigen Hauptgeschäftsführers nur noch aus zwei Personen besteht, baue regelmäßig eine Drohkulisse auf. Des Öfteren falle der Satz „Wenn Ihr so weitermacht, werdet Ihr an REMONDIS verkauft“.

REMONDIS ante portas?

Das bezieht sich auf eine  Nachricht,  die bereits vor einiger Zeit die Runde machte. Danach sollte nicht als REMONDIS-fern geltende DSW21-Chef Guntram Pehlke eine Erhöhung  des Gesellschaftsanteils planen, um dem privaten Entsorger aus Lünen eine Beteiligung zu ermöglichen. Es war ausgerechnet die ver.di,  die diese Info als „Zeitungsente“ der Ruhr Nachrichten brandmarkte. „Es gab und gibt im politischen Raum keine Debatte um die Beteiligung (privater) Dritter an der EDG oder anderer kommunaler Tochterunternehmen“, heißt es in einer Erklärung der Dienstleistungsgewerkschaft. Doch gedroht wird und wurde  mit dieser Teilprivatisierung offenbar dennoch. Das zumindest scheint keine „Ente“ zu sein.

Überraschende Abberufung

Der stetig eskalierende Konflikt nahm seinen Anfang vor gut dreieinhalb Jahren. Damals wurde Arbeitsdirektor Wolfgang Birk überraschend abberufen. Ein Mann, der nach internen Angaben stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Arbeitsnehmer gehabt haben soll. Ausgerechnet dieser Führungskraft erklärte die seinerzeit neue Betriebsratsvorsitzende Bianca Herrmann, dass aus Sicht der  Arbeitnehmer  keine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mehr gegeben sei. Deshalb wolle sie  in der nächsten Aufsichtsratssitzung seine sofortige Abberufung beantragen. Das Gremium folgte dem Antrag, da ein Arbeitsdirektor ja vor allem das Vertrauen der Beschäftigten brauche.

Aufstieg eines ver.di-Sekretärs

Nachfolger von Birk  wurde  Bastian  Prange. Bis dahin ver.di-Sekretär und seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrates. Und schon von daher der Betriebsratschefin gut bekannt.  Er soll schon länger Ambitionen gehabt haben, Birk zu beerben, was er allerdings vehement bestreitet. Im Posten des Arbeitsdirektors sah der Ex-Gewerkschaftsfunktionär laut Ruhr Nachrichten eine  „gute Möglichkeit, die Arbeitswelt im Sinne der Beschäftigten mitzugestalten“.

Die Arbeitswelt des Bastian Prange

Dabei ließ Prange aber seine höchstpersönliche Arbeitswelt nicht außer Acht. Er avancierte, dem Vernehmen nach nicht ohne eigenes Zutun, n zum Geschäftsführer des Unternehmens. Arbeitsdirektor blieb er außerdem. Eine solche Höherstellung blieb seinem Vorgänger verwehrt.  Nicht nur einmal wurde der Name Prange im Zusammenhang mit der  Neubesetzung des Hauptgeschäftsführerpostens genannt. Die Stelle ist allerdings bis dato unbesetzt geblieben.

Mit seinem Chefetagenkollegen, dem kaufmännischen Geschäftsführer Frank Hengstenberg, soll sich Prange laut Ruhr Nachrichten alles andere als „grün“ sein. Bei seinen Ambitionen  kann Hengstenberg seinem „Kollegen“ Prange aber nicht in die Quere kommen. Der kaufmännische Geschäftsführer gilt  als angezählt, sprich ohne Chance auf eine Vertragsverlängerung.

Massive Dissonanzen

Massive Dissonanzen an der Spitze der EDG, die natürlich auch der Mitarbeiterschaft nicht verborgen bleiben. Durch die Vakanz der Hauptgeschäftsführerstelle sei „ein Vakuum entstanden, das Raum für Intrigen und Seilschaften bildet“,  kommentiert der Redakteur der Ruhr Nachrichten. Gregor  Beushausen. Dabei sei die EDG ein kerngesundes Unternehmen und wichtig für Dortmund.

Beschwerden häufen sich

Unbekannt sind die Interna der EDG keinesfalls. Seit etwa zweieinhalb Jahren häufen sich anonyme Beschwerdeschreiben, die an die Ratsfraktionen und Medien geschickt werden. Viele davon müssen als Hilferufe interpretiert werden.,  Auch der jüngste Flyer wurde an die SPD-Fraktion geschickt. Während die Ruhr Nachrichten fleißig berichteten, sind maßgebliche Reaktionen der angeschriebenen Parteien bisher nicht öffentlich bekanntgeworden.  Es seien Unwahrheiten, so äußert sich Geschäftsführer/Arbeitsdirektor Prange.,

Nicht mit Ruhm bekleckert

Die ver.di hat sich in der  Causa EDG wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Sonderlich gutgetan hat ihr das augenscheinlich nicht. Besonders schlecht kommt offenbar an, dass der von der Dienstleistungsgewerkschaft dominierte Betriebsrat  die Entscheidung der Unternehmensleitung goutiert  hat,  durch Auswertung der  Videoüberwachungsaufnahmen die Verteiler des genannten Flyers zu entlarven. Dabei sind die Kameras explizit zu dem Zweck installiert worden, Diebstähle oder Beschädigungen von Fahrzeugen zu verhindern.

Furcht vor Konkurrenz?

Spielt am Ende auch die Furcht vor einer unliebsamen „Mitbewerbern“ eine Rolle? Glaubt man Insidern, werden die Flyer-Verfasser offenbar als Konkurrenten angesehen. Menschen, die bei der nächsten Betriebswahl kandidieren könnten und dies wohl auch schon angekündigt haben.

Konkurrenz  gibt es aber auch aus einer anderen Richtung. Die Kommunalgewerkschaft für Beamte und Arbeitnehmer (KOMBA), eine Alternative zur ver.di,  habe in den Reihen der EDG bereits neue Mitglieder gewinnen können, ist zu hören. Die KOMBA hatte in einem Offenen Brief die Zustimmung des Betriebsrates zur Auswertung der Überwachungsaufnahmen verurteilt, was in Teilen der Belegschaft positiv vermerkt wurde.  ver.di ist dagegen mit Austritten konfrontiert, bestätigt sogar Ex-Sekretär Prange.

Aus Sicht der  sogenannten Aufständischen, mit denen Redakteur Guth sprach, hat die heutige EDG nicht mehr viel mit dem Unternehmen zu tun, in das sie einst eingetreten waren. „Ich möchte nicht jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen“, so formuliert es einer der Gesprächspartner. Ein anderer sagt “Wir möchten unsere Familie zurück”. Er meint die Familie EDG.

So sehen es Männer, die mit Stolz die Berufsbezeichnung Müllmann tragen-  und sicher wissen,  wovon sie sprechen..

khg

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