Entsorgungsunternehmen gefällig?

Entsorgungsunternehmen gefällig?

150 150 Klaus Henning Glitza

Die Glitzner Entsorgung GmbH im Vogtlandkreis steht zum Verkauf

 

Ein Entsorgungsunternehmen gefällig? Kein Problem, gerade wurde eines  im sächsischen Vogtland zum Verkauf freigegeben. Per europaweiter Ausschreibung soll jetzt ein Käufer gesucht werden.

Kein  alltäglicher Vorgang, denn meist werden Transaktionen dieser Art geräuschlos  abgewickelt. Irgendwann, nach diskreten Verhandlungen,  taucht eine Vollzugsmeldung in den Fachmedien auf. Wenn vorher etwas durchdrang, wird dies gern als Marktgerücht heruntergespielt, zu dem man sich nicht äußern wolle. Ist es denn so weit, wird die Übernahme gern als gute Tat gepriesen. Man wollte ja nur helfen. weil die Nachfolgefrage ungeklärt war oder sich die eingekaufte Firma in einer größeren Organisation entfalten  wolle. Tue etwas Gutes und rede viel  darüber…

Im Südwesten des Freistaates Sachsen läuft das anders. Denn der Vogtlandkreis, bislang Alleingesellschafter des 1990 als Familienbetrieb gegründeten Glitzner Entsorgungs GmbH, will sich ohne Geheimverhandlungen von diesem Unternehmen trennen. Nach dem Willen des Landrates und unter Zustimmung des Kreistages soll die 1990 als Familienbetrieb gegründete Unternehmung reprivatisiert werden. „Bei uns ist Ihr Abfall in guten Händen“, so wirbt die Glitzner Entsorgungs GmbH. Jetzt kommt es darauf an, dass  der „Dienstleister entlang der Wertschöpfungskette Abfall“  (Eigenangabe) selbst auch in gute Hände kommt.

Flurbereinigung im Vogtland

Hintergrund des Verkaufs ist eine Art Flurbereinigung. Denn anders als in anderen Gebietskörperschaften gab es im Vogtlandkreis zeitweise nicht nur ein Kommunalunternehmen, das mit Abfallwirtschaft befasst war, sondern deren drei. Neben dem Kommunalunternehmen Glitzner ist derzeit die Kreisentsorgungs GmbH Vogtland (KEV) aktiv. Zusätzlich gab es noch die  Betreibergesellschaft Deponie Schneidenbach GmbH (DSG) und die Entsorgungsdienstleistungs-GmbH Vogtland, die inzwischen mit der KEV verschmolzen sind.

Das will die Kreisverwaltung jetzt ändern. Bis spätestens zum 1. Januar.2025 solle „eine Zentralisierung der kommunalen Aufgaben am Standort in Oelsnitz/V „ abgeschlossen werden, teilt die Pressestelle des Vogtlandkreis auf EM-Anfrage mit. Damit werde „der Standort in Schneidenbach spätestens zu diesem Zeitpunkt für die Erbringung der kommunalen Leistungen nicht mehr benötigt“. Die kreiseigene KEV könne  sich als Alleingesellschafter „sodann neben dem Standort auch von der (dann nur noch mit gewerblichen Aufgaben betrauten) Tochter Glitzner trennen“, so die Pressestelle weiter.

Das “heiße Eisen”

Mit dem beschlossenen Verkauf  fasse der Landrat Rolf Keil „kurz vor Ende seiner Amtszeit ein heißes Eisen an“, schreibt Ulrich Riedel, Journalist der „Freien Presse“.  Denn die Zusammenfassung mehrerer Unternehmen, die im Grunde einem Zweck dienen, stand nach seinen Angaben schon länger auf der kommunalpolitischen Agenda, wurde von der Kreispolitik stets nur „mit spitzen Fingern“ behandelt.

Der “Problem-Standort”

Doch die Reprivatisierung einer Kreis-Firma wirft aus Sicht von Reporter Riedel viele Fragen auf. Denn mit dem Verkauf soll voraussichtlich auch der von ihm so benannte „Problem-Standort Schneidenbach“ in andere Hände kommen.   Dabei handelt es sich nicht nur um eine Betriebs- und Umschlagstätte, sondern um ein Sondermüll-Zwischenlager, das auf  300 Tonnen ausgelegt ist. „Ob es nach  Oelsnitz verlagert oder von einem Käufer betrieben wird, ist offen“, so Ulrich Riedel. Verschwinden solle „der Problem-Standort des Kreises“ jedoch nicht, er solle „weiterhin betrieben werden für Kunden aus Industrie und Gewerbe“.

Erkrankungen und Todesfälle?

Die Bürgerinitiative  Schneidenbach „Für eine Saubere Umwelt in und um Schneidenbach“,   inzwischen in die Regionalgruppe Vogtland des BUND aufgegangen, sprach von einer „außergewöhnlich hohe Rate von Krebserkrankungen und Todesfällen im Ort“ und „toten Tieren“  auf der ehemaligen  Mülldeponie. Die Folge: Sorge um die Gesundheit, ein schlechtes Image des Ortes und Wertverluste der Grundstücke.

In der Tat stellt sich die Frage: Was sollte ein neuer Eigentümer mit dem Unternehmen anfangen. Mit der KEV gibt einen potenten Abfallwirtschaftsbetrieb vor Ort, für zwei Unternehmen dürfte der Markt nicht groß genug sein, Hinzu kommt, dass die Glitzner Entsorgung GmbH aus Analystensicht lediglich ein „mittelprächtiges Unternehmen“ ist. Der Bonitätsindex hat sich laut den jüngsten Finanzzahlen verschlechtert, die  Kreditgrenze des Unternehmens ist ebenso wie das  Reinvermögen gefallen und das sogenannte Working Capital ging um, mehr als 50 Prozent zurück.  Dieter Kießling,,  Fraktionsvorsitzender der CDU, spricht gegenüber der “Freien Presse” von roten Zahlen und  erheblichen Defiziten, Und auch nach dem augenscheinlich belasteten Grundstück, wenn auch in Toplage an der A 72,  dürfte sich niemand die Finger schlecken.

Kreisrat Thomas Höllrich, der dem Aufsichtsrat der Glitzner GmbH angehört, denkt in einen andere Richtung. “Für Konzerne ist das doch ein attraktiver Standort”, sagte er zur Freien Presse.  Für Schneidenbach lägen „eine Reihe von Zulassungen vor, für die ein Käufer langwierige Antragsverfahren sparen könnte“.

Also geht es  am Ende nur um das Grundstück? Weil nur das Areal einen Wert darstellt? Man wird sehen…

khg

Oberes Bild: Werden offenbar mitverkauft: Die Fahrzeuge der Glitzner Entsorgung GmbH. Foto: Glitzner/KEV

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