Entsorgung ja- aber nicht vor der Haustür

Entsorgung ja- aber nicht vor der Haustür

1024 706 Klaus Henning Glitza

 Deponie in Tarzow: Kommunen und Ausschuss sind dagegen

 

Es ist ein altes Lied. Eine fachgerechte Entsorgung wollen alle. Rückt der Standort der dafür erforderlichen Anlagen aber in die Nähe der eigenen Haustür, werden die Ja-Stimmen deutlich weniger. Teils zu Recht, weil gravierende  Beeinträchtigungen der Lebensqualität drohen, zum anderen Teil aber auch aus zuweilen diffusen Ängsten heraus.

Eine solche Situation scheint herrscht in Tarzow (Landkreis  Nordwestmecklenburg) vorzuliegen.  Zwei Gemeinden , Lübow und  Jesendorf, haben sich gegen die geplante Deponie für Bau- und Abbruchmaterialien votiert und sich stattdessen für eine zeitnahe Renaturierung des Standortes, dem ehemaligen Tagebau Tarzow I, ausgesprochen. Hauptsächliches Gegenargument ist der von Anwohnern angenommene stärkere Lkw-Verkehr von durchschnittlich 40 schweren Fahrzeugen pro Tag.

Abfall statt Sand und Kies

Diese Anzahl relativiert das Unternehmen Otto Dörner in deutlichem Maße. „Eine zusätzliche Verkehrsbelastung in der Ortslage Jesendorf ist nicht zu befürchten. Es komme dadurch auch zu keiner zusätzlichen Verkehrsbelastung, da anstelle  Sand und Kies  zukünftig Abfälle transportiert werden. Für die Deponie Tarzow ergeben sich im Durchschnitt rund zehn LKWs am Tag“, heißt es in einer Mitteilung.

Eine dritte Gemeinde, Ventschow, hat sich zwar einer Arbeitsgruppe angeschlossen, deren Ziel es ist, das Deponie-Projekt zu stoppen,  aber ein politischer Beschluss liegt noch nicht vor.  Ventschow , dessen Wohnbebauung  rund 480 Meter von der Deponie entfernt ist, liegt am dichtesten am geplanten Standort.

In einem jüngsten Beschluss hat sich auch der Umweltausschuss des Kreistages  Nordwestmecklenburg gegen das Vorhaben ausgesprochen.

Die Planung im Detail

Es ist nicht gerade ein Naturidyll, das in Tarzow tangiert würde: Blick auf das ehemalige Tagebau-Areal, auf dem die Deponie entstehen soll. Foto: Otto Dörner

Was bewegt die Kommunalpolitiker? Und was ist in Tarzow im Detail geplant? Wie Alexander Schwertner von dem mit Otto Dörner zusammenarbeitenden Beratungsunternehmen  ifok GmbH mitteilt, hat  die  Kies und Umwelt-Sparte des Hamburger Entsorgungsunternehmens  im Mai 2021 bei der zuständigen Genehmigungsbehörde – dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und  Umwelt Westmecklenburg (StALU)- eine Plangenehmigung für  eine Bauschuttdeponie mit einer Basisfläche von zirka zwölf Hektar beantragt.  Nach Unternehmensangaben handelt es sich um eine Deponie der Deponieklasse  (DK) 0. Das bedeute, „dass dort ausschließlich mineralische Abfälle mit einem geringem bis gar keinem Schadstoffgehalt eingelagert werden“. Dazu zählten zum Beispiel unbelasteter Bodenaushub oder Baumaterialien wie Beton oder Ziegel sowie deren Gemische.

Wie Lisa Bock, Consultant der ifok GmbH, ergänzend mitteilt, liegt das geplante Einlagerungsvolumen  bei 1,5 Millionen Kubikmetern, entsprechend 2,3 Mio. Tonnen, die prognostizierte Annahmemenge beläuft sich auf bis zu 50.000 Tonnen pro Jahr.

Nach Unternehmensangaben wird die Ablagerungsstätte keine Dauererscheinung sein. Nach dem Abschluss der Einlagerungsphase, rund 45 Jahre, werde die Deponie Zug um Zug stillgelegt. Anschließend erfolge die vollständige Renaturierung der Fläche.

Land habe Notwendigkeit bejaht

Wie von  der Otto Dörner Gruppe mitteilt wird.  hat das Land Mecklenburg-Vorpommern die Notwendigkeit einer solchen Deponie eindeutig bejaht.  Laut Unternehmen  dient  sie dazu, die Entsorgungssicherheit für gering belastete mineralische Abfälle in der Region zu gewährleisten. Sie decke den Bedarf an Entsorgungsmöglichkeiten für die regionale Bauwirtschaft ab. Aktuell fehle eine solche Deponie für Bodenaushub, Bauschutt und deren Gemische aus der Region.

Verhindern können die oben genannten Voten das Projekt aber nicht. „ Auch wenn die Lübower und die Jesendorfer sich in ihren Kommunalparlamenten gegen die Deponie entschieden haben, bedeutet das nicht das Aus für das Projekt. Übergeordnete Behörden, wie das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt, sind für die Genehmigung zuständig. Sie müssen die Stellungnahmen der Gemeinden lediglich in ihre Überlegungen ‚einbeziehen‘”, meldet der NDR auf seiner Nachrichtenseite.

EM

Oberstes Bild: Die geplante Deponiefläche in der visuellen Darstellung. Foto: Otto Dörner

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