Energieinfo aktuell 01-09/2020

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150 150 Klaus Henning Glitza

Studie weist aus: 23 Prozent der deutschen Windkraftanlagen droht bis 2025 die Stilllegung

 

Bis zum Jahr 2025 benötigen 23 Prozent aller deutschen Windenergieanlagen eine neue Vermarktungsform für den erzeugten Strom, anderenfalls müssen sie stillgelegt werden. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die das Analyseunternehmen Nefino im Auftrag der Schweizer Stromproduzentin und Energiedienstleisterin Alpiq erstellt hat.

Hintergrund ist, dass für diese Altanlagen die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausläuft. Gleichzeitig verhindern nach Alpiq-Angaben regionale Abstandsregelungen, dass sie durch leistungsfähigere, aber auch höhere Turbinen ersetzt werden.

Die Studie legt offen, dass die Folgen der Abstandsregelungen von Region zu Region sehr unterschiedlich sind.  „Nördliche Bundesländer, in denen die Windenergie frühzeitig ausgebaut wurde, sind stärker vom Ende der EEG-Förderung betroffen als der Süden Deutschlands“, sagte Nefino-Mitgründer und Prokurist Jan-Hendrik Pie heute vor Journalisten.

Laut der neuen Studie sind mehr als 8700 Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt rund 10400 Megawatt von der EEG-Befristung sowie Abstandsregelungen betroffen. Ihre Standorte sind höchst unterschiedlich verteilt: Insgesamt 52 Prozent befinden sich allein in den vier nördlichen Bundesländern Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Im Süden und Südwesten Deutschlands sind im Vergleich zum Norden weniger Anlagen vom Ende der EEG-Förderung betroffen. Hingegen greifen die Abstandsregelungen in diesen Regionen stärker: In Baden-Württemberg können nur 16 Prozent der Standorte modernisiert werden, in Bayern noch weniger, so das Studienergebnis. Da gerade diese Bundesländer eine hohe Industriedichte und damit einen hohen Stromverbrauch verzeichnen, wäre eine Abschaltung klimaneutraler Stromquellen energie- und klimapolitisch besonders schädlich.

Andererseits haben Betreiber aus diesen Regionen gute Chancen, mit Hilfe neuer Vertragskonstruktionen private Abnehmer für ihren Strom zu finden. Denn eine Alternative zur Abschaltung von Altanlagen bieten aus Sicht von Alpiq langfristige Stromlieferverträge zwischen Anlagenbetreibern und Unternehmen, wie sie bereits in anderen Ländern realisiert werden. Mit ihrer Hilfe könnten bedrohte Windenergieanlagen in vielen Fällen förderfrei und wirtschaftlich weiter betrieben werden. Gleichzeitig werde es möglich, dass stromverbrauchende Unternehmen mit Hilfe derartiger Power Purchase Agreements (PPAs) ihre Stromkosten stabil halten oder senken und den Ausbau Erneuerbarer Energien unterstützen.

„In anderen europäischen Ländern realisieren wir bereits PPAs für Altanlagen, die keine Förderung mehr erhalten. Unserer Erfahrung nach ist dabei die Flexibilität der Verträge für den Erfolg entscheidend. Nur so können die Vereinbarungen an die individuellen Bedürfnisse der Betreiber und Abnehmer angepasst werden“, erklärte Christian Wengert, Originator bei Alpiq, bei einer heutigen Pressekonferenz.

Für die Studie hat das Analyseunternehmen Nefino, eine  Ausgründung ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Energieforschungszentrums der Leibniz Universität Hannover, mit Hilfe eines auf Geoinformationen basierenden Analysesystems die Abstände aller betroffenen Windenergie-Standorte zum nächstgelegenen Siedlungs-, Gewerbe- oder Naturschutzgebiet sowie anderen relevanten Bauwerken ermittelt. Berücksichtigt wurden mehr als 12000 Altanlagen, für die bis Ende 2025 die EEG-Förderung entfällt. Für die weiteren Berechnungen legte Nefino eine moderne Turbine mit einer Nabenhöhe von 120 Metern zugrunde. Anschließend wurde für jede Anlage anhand der regionalen Abstandsregelungen ermittelt, ob ein Repowering möglich ist.

Die  Schweizer Stromproduzentin und Energiedienstleisterin Alpiq, die ihre deutschlandweiten Aktivitäten von Berlin aus steuert, berät erneuerbare Energie-Anlagenbetreiber bei der optimalen Vermarktung ihres Stroms. Das Unternehmen ist neben der klassischen Direktvermarktung auf den Weiterbetrieb von Altanlagen und Power-Purchase-Agreements (PPAs) spezialisiert, bei denen der Windstrom direkt an Abnehmer verkauft wird. Dabei entfällt eine zusätzliche Förderung, wie sie bisher das EEG bietet. Die Alpiq Gruppe beschäftigt rund 1300 Mitarbeitende und hat ihren Hauptsitz in Lausanne in der Schweiz. Die deutsche Niederlassung befindet sich in Berlin.

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