“Hochzeit” steht offenbar kurz bevor

“Hochzeit” steht offenbar kurz bevor

150 150 Klaus Henning Glitza

Handelsblatt meldet: Schon in der nächsten Woche könnte REMONDIS  den Grünen Punkt teilweise übernehmen

 

Aus dem einstigen „Marktgerücht“ wird allmählich eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit: Das Duale System Deutschland, besser als der „Grüne Punkt“ bekannt, könnte zumindest zu großen Teilen künftig REMONDIS heißen- und das schon sehr bald.

Seit langem pfiffen es, salopp formuliert, die Spatzen von den Dächern, dass sich REMONDIS, der Marktführer der deutschen Entsorgungsbranche das „Duale System Deutschland“ einverleiben will. „Schon nächste Woche wird Deutschlands größter Abfallentsorger, Remondis, voraussichtlich einen Kaufvertrag unterzeichnen, der ihm das Verpackungsrücknahmesystem des Grünen Punkts einbringt“. So schreibt es das gewöhnlich bestens informierte Handelsblatt, das sich dabei auf Insiderkreise beruft. Der Verfasser des Artikels hat vielfältige Kontakte in die Entsorgungsbranche.

Kommt es bereits in der nächsten Woche zum “Elefanten-Vertrag”? Alle Zeichen sprechen dafür. Foto: Petra Bork/pixelio.de

Nach Informationen von EM. DAS ENTSORGUNGSMAGAZIN wird die teilweise Übernahme des Dualen Systems Deutschland (DSD) nach einem Modus erfolgen, der im Dezember vergangenen Jahres im Bundeskartellamt ausgelotet wurde. Die Wettbewerbsbehörde hatte dabei nach Insiderberichten signalisiert, dass sie bei der Komplettübernahme kartellrechtliche „Bauchschmerzen“ verspüre. Folglich wird, wie auch das „Handelsblatt“ meldet, der Konzern aus dem westfälischen Lünen nicht die komplette Firma Duales System Deutschland (DSD) übernehmen“. Einen Teil wolle REMONDIS „Wettbewerbern überlassen – und zwar einer DSD-Tochter, die seit 2010 Kunststoffabfälle aus dem gelben Sack und der gelben Tonne zu Regranulaten recycelt“, so das Handelsblatt.

Das ist ein bekanntes Muster.  Auch bei der letzten spektakulären Megafusion von REMONDIS und RWE-Umwelt im Jahr 2005 gab es beträchtliche Auflagen des Bundeskartellamtes. So musste sich REMONDIS auf Geheiß der Wettbewerbsbehörde von damaligen Beteiligungen trennen. Trotzdem überwogen die Vorteile für REMONDIS deutlich. Es soll das Wort von Petitessen gefallen sein, die das Unternehmen geopfert habe, um ein ungleich höherwertiges Ziel zu erreichen.

Die auch diesmal zu erwartenden Auflagen werden von REMONDIS offenbar im Voraus erfüllt. Kein Wunder, denn bei dem erwähnten Sondierungsgespräch im Bundeskartellamt war neben dem Topmanager Wilms auch ein externer Rechtsanwalt und führender Kartellrechtler dabei.  Der Jurist hat offensichtlich die Zeit zwischen Dezember 2017 und heute optimal genutzt,  um die grundsätzliche Haltung des Bundeskartellamtes mit den REMONDIS-Unternehmenszielen kompatibel zu machen.

Die in der Branche so gefürchtete „Elefantenhochzeit“, sie steht offenbar unmittelbar bevor. Es derzeit kalt in Deutschland. Aber unabhängig von den Außentemperaturen müssen sich die kleinen und mittelständischen Unternehmen sehr viel wärmer anziehen, wenn es zum großen Deal kommen sollte. Insider bezweifeln nicht, dass die Megafusion real wird. „Die Frage ist nicht ob, sondern wann“, so ein Branchenkenner.

  • Chs/khg

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