Einer fehlt beim Pariser Konzert

Einer fehlt beim Pariser Konzert

150 150 Klaus Henning Glitza

VEOLIA und SUEZ im Einklang: Beide Verwaltungsräte ließen Ludger Rethmanns Offerte unberücksichtigt

 

Einer fehlt beim Pariser Konzert:  Das neue SUEZ, sprich die Reste von SUEZ, die VEOLIA aus kartellrechtlichen Gründen nicht übernehmen konnte, startet ohne REMONDIS in eine neue Zukunft.

Wie von EM bereits im Vorfeld angekündigt, haben die Verwaltungsräte beider französischen Konzerne für das Kaufangebot des Investorenkonsortiums um Meridiam, GIP und CDC/CNP Assurances votiert. Vom REMONDIS-Konzern, der aller Wahrscheinlichkeit nach anstelle des US-Infrastrukturfonds „Global Infrastruture Partners“ (GIP) in das Konsortium eintreten wollte, ist demnach keine Rede mehr.

Der oberste REMONDIS-Chef Ludger Rethmann (Foto links/Transdev/Rethmann Gruppe)  hatte sich weit aus dem Fenster gelehnt, als er  persönlich ein Angebot unterbreitete. Dabei erschien die Offerte auf den ersten Blick nicht schlecht. Ludger Rethmann hatte eine Beteiligung von 20 Prozent vorgeschlagen, die auf bis zu 40 Prozent werden könne. Als „Morgengabe“ sollten das internationale Wassergeschäft und die Abfallentsorgungsaktivitäten in Frankreich auf „new SUEZ“ übergehen.  Auch für Bereich F & E (Forschung und Entwicklung) bot Rethmann eine Bündelung an.

Der Konzern- Boss empfahl sich dabei durch die Blume als europäische Alternative zum US-Fonds GIP. Remondis verpflichte sich, die Integrität der Gruppenaktivitäten von New Suez zu wahren und jeden Versuch zu verhindern, strategische und langfristige Vermögenswerte im Ganzen oder in Teilen zu zerschlagen,  heißt es sinngemäß in der Offerte, die an die SUEZ-Spitzen  Philippe Varin und Bertrand Camus gerichtet war Ebenso sollte die internationale Expansion von SUEZ kräftigen  Rückenwind aus Lünen erfahren.  Auch  der Grundsatz, dass das neue SUEZ mehrheitlich in französischer Hand bleibt, werde von REMONDIS unterstützt und akzeptiert,  bot Rethmann an.

Der “weiße Ritter”

Doch die Taktik des als „weißer Ritter“ auftretenden REMONDIS-Bosses ging nicht auf. „Das klang zu schön, um wahr zu sein“, so formuliert es ein Insider mit Frankreich-Einblicken. Dass REMONDIS bei seinen Minderheitsbeteiligungen „niemals lammfromm die Füße stilgehalten hat“, sondern vielmehr „dominierend und machtergreifend in Erscheinung tritt“,   habe sich international herumgesprochen. Das beste Beispiel sei der französische Verkehrskonzern Transdev (vormals VEOLIA Transdev) der in Deutschland nach der Deutschen Bahn das zweitgrößte Schienennetz unterhält.  Nach dem Einstieg der RETHMANN Gruppe seien maßgebliche Spitzenpositionen „mit genehmen Topmanagern“ neu besetzt, heißt es.

Die “kalte Dusche aus Paris”

Mit der „kalten Dische aus Paris, so ein REMONDIANER.   ist ein  „Einkauf“ erst einmal zu den Akten gelegt, der strategisch mehr als wichtig gewesen wäre.  Denn „nouvelle SUEZ“ ist, obwohl kräftig geschrumpft, ist  immer noch eine international bedeutsame Größe.   Der französische  Konzern wird mit einem Unternehmenswert von 10,4 Milliarden Euro und einem potenziellen Ertragspotenzial von 300 Millionen Euro am Ende des Geschäftsjahres 2021 taxiert, Einbezogen sind dabei die  SUEZ Wasser-, Recycling und Recovery- Aktivitäten in Frankreich, internationale Vermögenswerte in Italien, Zentraleuropa, Afrika (einschließlich Marokko), Zentralasien, Indien, China und Australien sowie globale digitale und Umweltaktivitäten.

Sieben Milliarden Umsatz

Der Umsatz des „neuen SUEZ“ wird mit sieben Milliarden Euro eingeschätzt. Das ist gegenüber den Umsatzerwartungen des in der Übernahmeschlacht siegreichen Erzrivalen VEOLIA mit 37 Milliarden Euro relativ wenig. Aber gegenüber dem in 2019 von REMONDIS erzielten Umsatz von 7,9 Milliarden Euro zumindest vergleichbar.

In Lünen werden bedeutenden Expansionsmöglichkeiten vor allem im Ausland gesehen, Der deutsche Markt ist, auf Entsorgungsunternehmen  bezogen,  weitestgehend abgegrast. Größere Übernahmen könnten kartellrechtlich abermals kritisch werden.  Der Vergleich hinkt zwar, aber irgendwie ist die “kalte Dusche aus Paris” auch ein “Waterloo”.

khg

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