Ein weiterer Schritt zu „Zero Waste“

Ein weiterer Schritt zu „Zero Waste“

836 1024 Klaus Henning Glitza

Getrenntsammlung von Hartkunststoffen / Wie es dem AWM in München gelingt,  einen Stoffkreislauf zu schließen

 

Wenn an den  zwölf Wertstoffhöfen des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) in der bayerischen Landeshauptstadt  Hartkunststoffe getrennt gesammelt werden, dann hat das seinen guten Grund. Der KS-Abfall kann so sortenrein  einer optimalen stofflichen Wiederverwertung zugeführt werden.

Basis des Recyclingprogramms ist die Zusammenarbeit zwischen AWM und Schenker Recycling. „Zirkuläre Kreisläufe sind essenziell für wenig oder bestenfalls gar keinen Müll“, erläutert Kristina Frank, Kommunalreferentin und 1. Werkleiterin des AWM. Deshalb setze sie sich mit aller Kraft dafür ein, „Stoffkreisläufe in München zu schließen, wo immer dies möglich ist“ . Dass dies nun bei Hartkunststoffen so gut gelinge,  sei ein  wichtiger weiterer Schritt hin zu „Zero Waste“.

Enorme Mengen

Dabei geht um enorme Mengen. Pro Monat sammeln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AWM auf den Wertstoffhöfen an weggeworfenen Gegenständen aus Hartkunststoffen,  beispielsweise Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE),  zirka zehn bis 15 große Container (35 Kubikmeter). Das entspricht der Ladung derselben Anzahl an großen Umzugs-Lkw- Tendenz steigend. „Wir sortieren die Hartkunststoffe an den Wertstoffhöfen vor, denn je sortenreiner die Fraktion, umso besser gelingt das Recycling,“ geht Sabine Schulz-Hammerl, 2. Werkleiterin und operative Chefin des AWM,  auf die praktischen Abläufe ein. Diese Qualität zahle sich aus. „Der Störstoffanteil ist sehr gering,“ bestätigt Thomas Schenker, Geschäftsführer der Firma Schenker Industrie- und Städtereinigung GmbH, die die Hartkunststoff-Fraktion des AWM regelmäßig abholt und recycelt.

“Zukunftsweisendes Leuchtturmprojekt”

Angenommen werden beispielsweise Gartenmöbel und Komposter aus Kunststoff, Wäschekörbe und Transportkisten oder auch Bobby-Cars. Diese Gegenstände sowie vor  allem ausgemusterte Wäschekörbe und Putzeimer, alte Regentonnen und entsorgte Gartenmöbel aus PP und PE kommen so nicht in die Verbrennung, sondern werden zu neuen Werkstoffen verarbeitet. Thomas Schenker: „Wir, die Firma Schenker, haben viel Mühe und finanzielle Mittel in die Grundlagenforschung und Entwicklung für ein nachhaltiges und innovatives Recycling von Kunststoffen investiert. 2019 wurde dieses Vorhaben mit dem bayerischen Umweltpreis ausgezeichnet. Wir sind sehr erfreut, mit dem AWM einen zuverlässigen Partner zur Umsetzung dieses zukunftsweisenden Leuchtturmprojektes an der Seite zu haben. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals recht herzlich bei den Werkleiterinnen Frau Kristina Frank und Frau Sabine Schulz-Hammerl für die tatkräftige Unterstützung nach einer erfolgreichen Pilottestphase bedanken, welche danach schnell auf alle Wertstoffhöfe ausgeweitet werden konnte.“

Die nach seinen Worten hervorragende Zusammenarbeit mit dem AWM sei ein großer Schritt in Richtung regionalem Umwelt- und Ressourcenschutz, so Schenker weiter . Gleichzeitig würden „durch die Rückgewinnung hochwertiger Sekundärrohstoffe (Stoffgruppen), diese der heimischen Industrie als Rohstoffe zur Produktion neuer Güter bereitgestellt.“

Der Recyclingprozess

Und so funktioniert der Recyclingprozess. Zunächst sortiert Schenker die Gegenstände nach Stoffgruppen und zerkleinert sie grob. Metallabscheider entfernen anhaftende Metallteile wie Griffe, Bügel und so weiter. In weiteren Schritten wird zerkleinert, nach Materialdichte elektronisch getrennt, mehrstufig gewaschen, vermahlen, getrocknet und abschließend qualitätsüberwacht nachvermahlen, bis ein rieselfähiges Granulat entsteht. Dieses Granulat (kundenspezifischer Werkstoff) wird für neue Produkte wie zum Beispiel Automobilfahrzeugtechnik, Transportkisten, Eimer, Rohr[1]Regenwasserspeicherungssystem und viele weitere hochwertige Produkte verwendet

Ressourcen sparen

„Wir freuen uns“, sagt Schulz-Hammerl, „wenn wir so Ressourcen sparen und die Umwelt schonen können.“ Denn verwenden die Hersteller das so erhaltene Mahlgut anstelle des üblichen Primär-Rohstoffes, werden pro eingesetzter Tonne drei Tonnen CO2 eingespart. Besonders nachhaltig wirken sich auch die kurzen Transportwege aus: Die in München gesammelten Hartkunststoffe (Stühle, Eimer, Wäschekörbe und anderes) werden in Hohenkammer im Landkreis Freising recycelt und nur an Hauptabnehmer in Bayern wieder abgegeben. „Ich nenne das ‚Bayern hoch 3‘“, sagt Thomas Schenker, „aus Bayern, in Bayern, für Bayern!“

Der Erfolg beflügelt zu neuen Projekten. So ist der AWM dabei, im Rahmen eines Pilotversuches, das Prinzip des regionalen und vollständigen Recyclings auf andere Materialien wie klarsichtige Folien und Styropor auszudehnen.

Zum AWM

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) ist mit über 1.600 Beschäftigten einer der größten kommunalen Entsorgungsbetriebe in Deutschland. Er leert pro Tag in München mit 155 Müllfahrzeugen rund 60.000 Mülltonnen (Restmüll, Papier, Bioabfälle), besitzt eine Müllverbrennungsanlage und betreibt im Stadtgebiet zwölf Wertstoffhöfe, eine Biogasanlage und das Gebrauchtwarenkaufhaus Halle 2.

EvT

Oberes Bild: Sabine Schulz-Hammerl (links) und Kristina Frank (Archivaufnahme). Foto: AWM 

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