Ein Update in Sachen Umweltskandal Schlei

Ein Update in Sachen Umweltskandal Schlei

Ein Update in Sachen Umweltskandal Schlei 150 150 Klaus Henning Glitza

Rückblende: Von den Anfängen bis zur Jetztzeit / Zwei schwebende Verfahren- und kein Ende in Sicht

 

 

Im Naturidyll Füsing-Reesholm: Bei den weißfarbenen Partikeln handelt es sich nicht etwa um organische Stoffe, sondern um geschreddertes Plastik. Foto: Wolfgang Behrendt

Für alle Leser, die die die Vorgeschichte des Umweltskandals nicht kennen oder ein aktuelles Update. möchten: Ursächlich für die Umweltkatastrophe ist Plastikpartikel enthaltendes Gärsubstrat, das von dem Tochterunternehmen des Müllriesen REMONDIS, der ReFood GmbH & Co. KG, an die Biogasanlage in Schleswig geliefert wurde.

Diese unappetitlich aussehende und übelriechende Substanz besteht aus abgelaufenen Lebensmitteln, die mitsamt Verpackung geschreddert wurden. Beim Gärprozess entsteht bekanntlich Methangas, das als Energiequelle genutzt werden kann. Die praktisch übrig gebliebenen Anteile des Gärsubstrats wurden anschließend in die Kläranlage geleitet. Dabei konnten aber die Plastikteilchen nicht komplett zurückgehalten werden. Statt geklärtem floss plastikdurchsetztes Abwasser in die Schlei.

Der damalige schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck, ein vormaliger Literat, kritisierte 2018 heftig das Unternehmen ReFood, weil dieses aus Gründen der Produktionskosten Gammelwurst und -fleisch samt Verpackung schreddert, um dann hinterher die Plastikpartikel maschinell zu entfernen. Ein umstrittenes Verfahren, das nach Expertenmeinung nur einen Teil der Kunststoffpartikel herausfiltern kann. Als Habeck als einer der Sprecher der Grünen in die Bundespolitik ging, überließ er das Thema seinem baden-württembergischen Ministerkollegen, Franz Untersteller (Grüne), der trotz unzweifelhafter Fähigkeiten und großem Engagement in der Bundespolitik keine allzu große Rolle spielt.

Welche Rolle spielen Aufsichtsbehörden?

Jürgen Lorenzen, Schleswiger Ratsherr der SPD, sieht sogar eine Art von Mitschuld, die zwischen den Zeilen und somit indirekt auch auf den damaligen Landesumweltminister zielt. Die Fehler, die zur Umweltkatastrophe führten, lägen „eher bei den Aufsichtsbehörden des Kreises und des Grünen-geführten Umweltministeriums“, sagte er  laut Schleswiger Nachrichten, Offenbar zielt dieses Aussage auf das Faktum, dass die Fremdstoff-Mengenangaben  auf den ReFood-Lieferscheinen erheblich von den Analysen  eines unabhängigen Labors  (ebenfalls von ReFood beauftragt) abwichen. Im LLUR, der Landesoberbehörde für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, fiel das niemandem auf.

Eine der Listen des Wolfgang Behrendt. Mit der Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit eines Ingenieurs führt er über jedes einzelne Fundstück Buch. Nach “kaum noch Plastik in der Schlei”, wie es zuweilen propagiert wird, sieht das nicht gerade aus. Vorlage: Wolfgang Behrendt, Repro: EM

„Es wurde noch nicht einmal oberflächlich geprüft, es wurde einfach nur abgestempelt und weggeheftet“, so ein Insider. Macht dieses Faktum das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren so komplex, das es bis heute nicht abgeschlossen wurde? Ein Ende des Verfahrens ist derzeit nicht in Sicht. Wenn überhaupt, sei erst gegen Jahresende mit einem Abschluss zu rechnen, prophezeit ein Insider.   Die polizeilichen Ermittlungen werden vom Landeskriminalamt geführt, das ebenso wie die Landesregierung seinen Sitz in Kiel hat.

Auch der Rechtsstreit, den die Schleswiger Stadtwerke und ReFood führen, dauert -wie es in Zivilverfahren nicht unüblich ist- bis heute an.  ReFood nimmt die Position ein, die Stadtwerke hätten von dem Plastikanteilen in Gärsubstrat gewusst und es wäre die Sache des Kommunalunternehmens gewesen, diese Fremdstoffe zu entfernen. Die Stadtwerke machen dagegen geltend, ihnen sei „gewohnte Qualität“ zugesichert worden- und das heißt, Gärsubstrat ohne Plastik. Der Vorgänger von ReFood hatte die Plastikverpackungen vor dem Schreddern noch entfernen lassen, aber das erschien der strikt auf günstige Produktionskosten achtenden ReFood als zu aufwändig.

 

Es geht um viel Geld

Es geht um viel Geld. Allein „die Kosten für die Beseitigung der Schäden durch die Einleitung von Plastik in die Schlei“ werden laut Schleswiger Nachrichten auf 1,82 Millionen Euro taxiert. Dies geht aus den Stadtwerke- Jahresabschlüssen 2017 bis 2019 hervor. „Die Kosten für die Umwelt seien dagegen „noch nicht mal ansatzweise kalkuliert“, zitieren die Schleswiger Nachrichten den Grünen-Ratsherrn Johannes Thaysen.

Zwei schwebende Verfahren, ein Ostsee-Fjord, der immer noch belastet ist, und ein Mann, der ohne großes Aufhebens Plastikpartikel sammelt, das ist der derzeitige Status quo. Der Status Quo eines Naturparadieses, das seinen Sündenfall erleben musste.

K H Glitza

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