Ein „Aufgebot“ mit Stolpersteinen

Ein „Aufgebot“ mit Stolpersteinen

150 150 Klaus Henning Glitza

Eko-Punkt: Die Verhandlungen mit Aldi laufen schwieriger als erwartet

 

Es ist ein „Aufgebot“ mit Stolpersteinen. Bei der geplanten geschäftlichen Kooperation von REMONDIS und Aldi in einem gemeinsam betriebenen Dualen System,  der EKO-Punkt GmbH, sind sich die Megakonzerne bis heute nicht einig geworden. Ein Schulterschluss scheint noch lange nicht in Sicht.

Wann wagt sich endlich Aldi aus der Deckung? Diese Frage bewegt die Branche, seit EKO-PUNKT nach sechsjähriger Pause wieder in den Kreis der Dualen Systeme zurückgekehrt ist.  Nach EM-Information wollen sich die Nord- und Südketten des Discounters mit 49 Prozent an der REMONDIS-Tochter  beteiligen. Doch beim Wollen ist es bislang geblieben.

Es knirsche gewaltig im Getriebe, so weiß es ein Insider. Die Verhandlungen laufen weitaus schwieriger als erwartet. Und dass trotz der angeblich so innigen Freundschaft, die die Familien Albrecht und Rethmann  pflegen sollen. Im rauen und  harten Geschäftsleben ist das offenbar kein Pfund, mit dem man wirklich wuchern kann.

Eigentlich eine Win-Win-Situation

Dabei war alles so smart ersonnen. REMONDIS plus Aldi- eine Win-Win-Option reinsten Wassers.  Der Riesenvorteil für REMONDIS:  Der wanderfreudige Discounter, der erst seinem langjährigen Lizenzpartner, dem Grünen Punkt, und dann INTERSEROH nach noch nicht einmal zwölf Monaten den Rücken kehrte, könnte dieses Bäumchen-wechsel-dich-Spiel schlecht mit einem Unternehmen veranstalten, an dem er selbst beteiligt ist. Er säße quasi fest und könnte schwerlich von dannen ziehen. Aldi, dessen Nord- und Südketten für rund ein Achtel der deutschen Lizenzmengen stehen, würde so zur sicheren Bank für die Lünener.

Aldi hat Eko-Punkt bereits als Lizenzpartner ausgewählt, doch bei   der geplanten Beteiligung wird derzeit noch Zurückhaltung geübt, Unser Bild zeigt die Aldi-Filiale in-Filiale in Thannhausen (Bayerisch-Schwaben). Foto: Riquix / Wikipedia, CC BY-SA 4.0.

Ähnlich attraktiv wäre der Pakt mit den REMONDIANERN für den Discounter:  Dem  Erzrivalen LIDL und dem gleichfalls zur Schwarz-Gruppe gehörenden Rücknahmesystem PreZero dual könnte auf der LVP-Seite Paroli geboten werden. Und das, ohne selbst ein eigenes duales System aus dem Boden  stampfen zu müssen. Ein Königsweg für den Discounter, der allzu lange unentschlossen war und sich in einem endlosen internen Diskurs um die optimale Lösung verhedderte. Jetzt noch ein eigenes duales System zu etablieren, wie es die Schwarz Gruppe mit Tönsmeier-Rückenwind  tat, dafür ist es entschieden zu spät. In der Welt der Dualen werden gegenwärtig die Karten neu gemischt- und für Player, die zu spät kommen, bleibt noch nicht einmal der ungedeckte Katzentisch.

Die Kardinalfrage ist: Wenn die Vorteile geradezu aufdringlich auf der Hand liegen, weshalb steht dann Aldi nicht schon längst auf der Gesellschafterliste? Die schlichte Wahrheit ist, dass beide Konzerne -salopp formuliert- die Bedeutung des Wortes „Nachgeben“ erst im Großen Brockhaus nachschlagen müssten. Nachgeben, das ist ein Sport für Unterlegene, für Loser, so sieht man es bei Aldi und REMONDIS. Mit dem Discounter wähnen sich die Lünener dagegen auf Augenhöhe. Auch privat, denn beide Inhaberfamilien zählen zu den mit Abstand reichsten Deutschen.

Ungewohnt für die REMONDIANER

Eine ungewohnte Konstellation für die REMONDIANER, die es sonst zumeist mit wirtschaftlich schwächeren Verhandlungspartnern zu tun haben- und diesen Trumpf auch in massivst möglicher Manier auszuspielen wissen. Ein  Machtspiel, das mit Aldi so nicht funktioniert.

Shake hands wie bei Transdev, das ist REMONDIS-Boss Ludger Rethmann bei Aldi noch nicht geglückt. Foto: Transdev/Rethmann Gruppe

Eher läuft es diesmal umgekehrt. Ein Insider berichtet, dass Aldi ein knochenharter Verhandlungspartner sei,  wie ihn der oberste REMONDIS-Chef Ludger Rethmann und seine Getreuen in dieser Form noch nicht oder nur selten erlebt haben. Man fühle sich fast wie ein Milchbauer, ist intern zu hören, und sei tief enttäuscht.  Der schlimme Vorwurf: Aldi halte sich nicht an seine Zusagen. „Das sind wohl heute keine ehrbaren Kaufleute mehr“, heißt es bitterböse aus internen Kreisen.

Einer der Knackpunkte könnten die Kosten sein. Dabei wusste Aldi von vornherein, dass es mit einem Beteiligungssystem auf keinen Fall billiger wird. Hätten die Discounter die Leistung ausgeschrieben, wären sie mit Sicherheit kostengünstiger davongekommen. Einziger Vorteil: Als Gesellschafter würde Aldi an seinem eigenen Auftrag verdienen. Vorausgesetzt, es werden nicht mit anderen Geschäften Verluste eingefahren.  Ob bei Eko-Punkt alles profitabel läuft, ist alles andere sicher. Der PPK-Auftrag, den das REMONDIS-System bei AMAZON, an Land gezogen hat,  dürfte allenfalls mit plus minus null, wahrscheinlich sogar jenseits aller schwarzen Zahlen zu bewerten sein. Und momentan dürfte auch noch Aldi, auch im Außenverhältnis zu seinen Vertragspartnern ein Discounter auf die Preisbremse treten.

Doch Aldi pokert hoch, ohne einen Royal Flush auf der Hand zu haben. Die Discounter hätten ja keine anderen Alternativen und würden schlussendlich schon „einknicken“, so formuliert es ein Insider aus dem Münsterland.  Seine Prognose; „An Remondis kommt am Ende keiner vorbei“.

Klar ist: Beide Seiten, müssten empfindliche Zugeständnisse machen, wenn sie künftig unter einem gemeinsamen Dach wirken wollen.  Doch die Bereitschaft, Positionen aufzugeben, ist derzeit allenfalls rudimentär vorhanden.

Es sieht nicht danach aus, als würde aus den Verhandlungspartnern, falls sie sich denn zusammenraufen,  jemals  Freunde. Noch das nicht einmal in abgeschwächter Form als Geschäftsfreunde. Die Kooperation ALDI-REMONDIS, sie wäre eine Zwangsheirat mit einem Ehevertrag, bei dem beide Partner kräftig Kompromisse machen müssten.

Ob das auf Dauer eine tragfähige Basis ist, sei dahingestellt. Man darf gespannt auf die weitere Entwicklung sein. EM bleibt dran.

K H Glitza

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