DUH übt Kritik: Wertstoffhöfe mit Defiziten?

DUH übt Kritik: Wertstoffhöfe mit Defiziten?

150 150 Klaus Henning Glitza

Umweltschutzorganisation überprüfte 70 Anlagen in mehreren Bundesländern

 

 

Kritik hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nach Testbesuchen von 70 kommunalen Wertstoffhöfen geübt, Hinsichtlich Öffnungszeiten, Erreichbarkeit, Information, Schadstofferfassung und Wiederverwendung herrschten gravierende Defizite. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ist den DUH-Darstellungen entgegengetreten.

Überprüft wurden nach Angaben der Umweltschutzorganisation Wertstoffhöfe in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Bremen und Hamburg. Das Ergebnis, so die DUH: „In vielen Kommunen und Städten wird es Verbrauchern erschwert, Wertstoffe ordnungsgemäß zu entsorgen.“

Als Hauptprobleme wurden dabei

  • unregelmäßige und arbeitnehmerunfreundliche Öffnungszeiten,
  • eine eingeschränkte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln,
  • fehlende oder kaum erkennbare Informationsschilder,
  • eingeschränkte Abgabemöglichkeiten für gefährliche Abfälle (zum Beispiel schadstoffhaltige Bauschaumdosen
  • sowie fehlende Möglichkeiten, funktionstaugliche Produkte einer Wiederverwendung zuzuführen

identifiziert.

Da Verbraucher zur ordnungsgemäßen Entsorgung von Elektroaltgeräten, Schadstoffen, Sperrmüll, Altholz oder Altfarben zumeist keine andere Möglichkeit hätten, als den kommunalen Wertstoffhof aufzusuchen, seien arbeitnehmerfreundliche Öffnungszeiten und eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein Muss, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Wenn Bürger „mehr als einen halben Kilometer zu Fuß zum Wertstoffhof laufen müssen, dann fangen diese an ‚kreativ‘ zu entsorgen“, Wertstoffhöfe sollten samstags und unter der Woche mindestens einmal ab acht Uhr und an einem weiteren Tag bis achtzehn Uhr abends geöffnet haben, fordert die DUH.

Auf die nicht immer eindeutigen Kennzeichnungen von Sammelbehältern geht Thomas Fischer, DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, ein, „Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Wertstoffhöfe fehlten ein Lageplan im Eingangsbereich oder Hinweisschilder an Sammelbehältern. Insbesondere die Kennzeichnung von Schadstoffannahmestellen oder einem Wiederverwendungsbereich sind sehr verbesserungswürdig“, sagt er.

Für wegweisend hält die DUH das neu entwickelte RAL-Gütezeichen 950, das in erster Linie die Qualität von Rücknahmezentren für Altprodukte und Wertstoffe auszeichnet. Mit dem Gütezeichen sollen durch Bürgernähe und eine saubere Abwicklung, die spiegelbildlich dem Verkauf von Neuprodukten angelegt ist, neue Impulse in den wichtigen Bereich der kommunalen Rückführung von Ressourcen gebracht werden. Neben einer besonders bürgerfreundlichen Erfassung von Altprodukten, spielt auch die Abfallvermeidungsberatung eine zentrale Rolle.

Auf die DUH-Darstellungen hat der Verband kommunaler Unternehmen auf EM-Anfrage reagiert: „Wir sind der Überzeugung, dass wir in Deutschland einen sehr hohen Standard bei der Sammlung von schadstoffhaltigen Abfälle haben“, heißt es aus der Zentrale des Interessenverbandes der kommunalen Wirtschaft in Berlin. Das Netz von Recyclinghöfen werde fortlaufend weiter ausgebaut, viele Kommunen investierten derzeit in moderne und verbrauchergerechte Höfe. Die generelle Kritik an schlechten Öffnungszeiten werde nicht geteilt. „Viele öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger führen eigene Umfragen durch, welche Öffnungszeiten in ihrem jeweiligen Einzugsbereich angebracht sind, und richten sich danach. Gerade in ländlichen Gebieten werden verlängerte Öffnungszeiten abends oder Samstag nachmittags in der Praxis nicht angenommen und bringen somit keinen Mehrwert. Die Öffnungszeiten müssen daher lokal an die Wünsche und Gewohnheiten der Bevölkerung angepasst werden“, so das Statement des VKU.

Zur Kritik, die Wertstoffhöfe seien oft nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, erklärt der Verband: „Wertstoffhöfe müssen etwa in Städten oft schon aus Immissionsschutzgründen zwingend im Außenbereich oder in Industriegebieten liegen, die oftmals nicht besonders gut an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen sind. Zudem nutzt nur ein verschwindend geringer Teil der Kunden öffentliche Verkehrsmitteln, um zum Wertstoffhof zu kommen. Es werden ja überwiegend sperrige Abfälle (z.B. Grünabfälle, Metallschrott, Sperrmüll, große E-Geräte, etc.) abgegeben, die sich nicht einfach in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren lassen. Viele Kommunen bieten für die Erfassung von Schadstoffen eine mobile Schadstoffsammlung an.“

Das bedeute aber natürlich nicht, dass es nichts zu verbessern gäbe. „Zu kurz greift es allerdings, wenn die DUH den Eindruck vermittelt, illegale Abfallablagerungen würden durch einen mangelnden Service bei der kommunalen Schadstoffsammlung verursacht“, so der Verband.  Nach den Erfahrungen der Kommunen komme es vielfach zu illegalen Praktiken, „obwohl eigentlich leistungsfähige kommunale Sammelstrukturen zu Verfügung standen, dieser aber leider nicht genutzt wurden. Die Aufklärung der Bürger und auch die wirksame Sanktionierung illegaler Entsorgungspraktiken müssten daher das kommunale Sammelangebot ergänzen, um zu guten Ergebnissen für den Umweltschutz zu kommen.

an/khg

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