DUH: Nach einjähriger Amtszeit immer noch keine Förderung von Mehrwegflaschen

DUH: Nach einjähriger Amtszeit immer noch keine Förderung von Mehrwegflaschen

1024 341 Klaus Henning Glitza

Umweltorganisation übt Kritik an Bundesministerin Steffi Lemke, Abfüllern und Händlern

 

Auch nach einjähriger Amtszeit habe Umweltministerin Steffi Lemke „noch immer keine Maßnahmen zur Förderung von Mehrwegflaschen ergriffen“. Dies kritisiert die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH),Barbara Metz, und spricht von einem „anhaltenden Boykott wiederverwendbarer Flaschen von großen Abfüllern und Händlern,

Die DUH-Chefin beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA), Demnach wurden 2020 lediglich 43,1 Prozent aller pfandpflichtigen Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt. Zwar stieg der Mehrweganteil im Vergleich zum Vorjahr minimal um 1,8 Prozent, allerdings komme der Mehrweganteil „nicht vom Fleck“ und bleibe „Lichtjahre von der 70-Prozentquote im Verpackungsgesetz entfernt“, so Barbara Metz, “Anlass zur Sorge bereiten die hohen Zuwachsraten umweltschädlicher Getränkedosen mit 6,7 Prozent und Getränkekartons mit 11,3 Prozent“, heißt es in einer Erklärung der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation.

Kein Mehrweg bei Discountern

DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Foto: DUH,

„Wie kann es sein, dass Discounter wie Aldi und Lidl noch immer kein Mehrweg anbieten?“, fragt Barbara Metz. Selbst im Bereich der Takeaway-Verpackungen seit man inzwischen weiter. Ab dem 1. Januar müsse die Gastronomie verpflichtend Getränke und Speisen für den Außer-Haus-Verzehr in Mehrwegbechern und -boxen anbieten. Bei Getränkeverpackungen wird die Einweg-Müllflut und das teilweise völlige Fehlen von Mehrwegalternativen hingegen ohne Konsequenzen toleriert.

Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation fordert  deshalb von Umweltministerin Lemke, „das dauerhafte Unterschreiten der Mehrwegquote von 70 Prozent im Verpackungsgesetz durch eine Lenkungsabgabe auf Einweg-Plastikflaschen und Dosen von mindestens 20 Cent zusätzlich zum Pfand zu sanktionieren.

Immer mehr umweltschädliche Getränkedosen, das  seit aus Umweltsicht ein großes Problem, erklärt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.  Das Schmelzen von Metall verbrauche nach seinen Worten viel Energie und belaste das Klima. „Da Getränkedosen ein verhältnismäßig kleines Füllvolumen aufweisen, müssen von ihnen besonders viele hergestellt werden. Dosen werden nur in wenigen Anlagen abgefüllt, aber bundesweit über lange Transportstrecken vertrieben. Und auch bei jedem Recyclingprozess geht Material verloren. Umweltbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher sollten auf regionale Mehrwegflaschen setzen“, rät der  DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft.

Getränkekartons im Voremarsch

Auch die hohen Zuwachsraten von Getränkekartons machen der DUH Sorgen. „Der Getränkekarton ist eine schlecht zu recycelnde Verbundverpackung und besteht immer aus Neufasern. Mit einer wirklichen Recyclingquote von nur 30 Prozent, immer höherem Gewicht und einem Plastikanteil von durchschnittlich mehr als 25 Prozent wird die Ökobilanz immer schlechter. Damit Getränkekartons seltener als bisher achtlos in der Natur landen, sollte wie bei Einweg-Plastikflaschen und Dosen Pfand erhoben werden“, .so die DUH. .

Positiver Effekt auf Umwelt

Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft; Thomas Fischer. Foto: DUH

Eine Abgabe auf Wegwerfprodukte mache nicht nur Umweltbelastungen im Preis sichtbar, sondern führe auch dazu, dass Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich öfter zu Mehrwegflaschen greifen, argumentiert die DUH.  Das ausschließliche Anbieten von Einweg-Plastikflaschen und Dosen bei Discountern wie Aldi und Lidl würde damit zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil, der nur durch die Einführung von Mehrweg behoben werden kann. Die Einnahmen aus der Einweg-Abgabe könnten zudem gezielt zur Mehrwegförderung eingesetzt werden. Für die Umwelt wäre laut DUH der positive Effekt beachtlich. „Würden alle alkoholfreien Getränke ausschließlich in Mehrwegflaschen abgefüllt, ließen sich pro Jahr bis zu 1,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von 900.000 Mittelklassewagen, die im Durchschnitt 13.000 km pro Jahr fahren“ . so die Rechnung der Deutschen Umwelthilfe.

DH/rd

Oberstes Bild: Einwegprodukte überwiegen nach wie vor bei der Getränkeflaschenproduktion. Foto: DUH

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