DSD: REMONDIS in der Zielgeraden

DSD: REMONDIS in der Zielgeraden

DSD: REMONDIS in der Zielgeraden 150 150 Klaus Henning Glitza

Vorsichtige Formulierung:  Konzern will dem Kauf „nähertreten“

 

„Remondis biegt bei DSD-Übernahme auf Zielgerade ein“. Dies meldet aktuell der Branchendienst EUWID. „Vorige Woche fiel beim Unternehmen der Rethmann-Gruppe die Entscheidung, dem Kauf von DSD näherzutreten“, schreibt die Publikation unter Berufung auf Branchenkreise. Wer die zurückhaltende Sprache im Entsorgungssektor kennt, weiß, die Übernahme ist wahrlich nicht mehr fern.

Nach Information von EM. DAS ENTSORGUNGSMAGAZIN sind die derzeitigen Hauptgesellschafter des Dualen Systems Deutschland (DSD) entschlossen, sehr kurzfristig zu verkaufen. „Lieber heute als morgen, die Füllfederhalter liegen schon bereit“, wie es ein Insider formuliert.

Ein Spezialist für Firmenverkäufe bilanziert: „Je länger ein Unternehmen als Kaufobjekt auf dem Markt ist, desto mehr sinkt der Preis“, bilanziert ein Spezialist für Firmenverkäufe. Gleichzeitig wachse die Unruhe bei den Beschäftigten- bekanntermaßen ein Gift für Arbeitsmoral und Produktivität. Im vergangenen Jahr wurde wegen des „quälenden Schwebezustandes“ sogar die Weihnachtsfeier abgesagt. Deutlicher kann ein Dilemma nicht zum Ausdruck kommen.  Offenbar war niemandem zum Feiern zumute. Vor allem den Menschen auf der Arbeitsebene nicht.

Dass es nicht schon längst zum großen Deal kam, liegt -wie so vieles- am lieben Geld. Die in den USA und England ansässigen Mehrheitsgesellschafter H.I.G. Capital und Bluebay haben beim Kaufpreis offenbar hoch gepokert, während es REMONDIS weniger um die finanziellen Mittel (daran hat der Konzern nun wirklich keinen Mangel) ging, sondern darum, „das letzte Wort am Verhandlungstisch zu haben und als Alphatier aus dem Rennen zu gehen“. „Die Macher aus dem westfälischen Lünen sind es gewohnt, dass alle ehrfürchtig vor ihnen zusammenknicken. Aber da sind sie bei den beinharten Briten und Amerikanern an die Falschen geraten. Selten genug, aber von denen konnten selbst die REMONDIS-Mächtigen noch etwas lernen“, sagt ein Insider.

Das Ergebnis der Diskrepanzen, wie bereits berichtet: Man blieb im Kontakt, aber vorerst dem Verhandlungstisch fern. Briten und US-Amerikaner waren verschnupft über die „Grandezza“ der Lünener, die Konzernvertreter mussten sich erst einmal daran gewöhnen, „dass man ausnahmsweise nicht vor ihnen kuschte“.  An Tempo nahmen nach EM-Informationen die Verkaufsverhandlungen erst wieder zu, als der größte Kunde von DSD, die Discounterkette LIDL, dem Grünen Punkt den Rücken kehrte und sich dem Wettbewerber Interseroh zuwandte. 140.000 bis 150.000 Tonnen Leichtverpackungen (LVL) brachen auf einen Schlag weg- und damit ein erheblicher Teil des Gesamtumsatzes. Die vorher überaus selbstbewusst auftretenden Verhandlungsführer der Mehrheitsgesellschafter HIG Capital und Bluebay (beide Private-Equity-Fonds = Beteiligungsgesellschaften an Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind) wurden deutlich bescheidener. Der Hintergrund: Fonds, die ihre Beteiligungsgesellschaften nicht mit Gewinn oder hilfsweise zumindest ohne Verluste verkaufen können, erleiden herbe Imageschäden auf dem Markt der Anleger. Aber auch diejenigen, die ein Unternehmen partout nicht an den Mann bringen können oder schon zu lange laborieren.

Die Zeichen stehen auf Verkauf, doch weder beim Bundeskartellamt noch bei der Europäischen Wettbewerbsbehörde liegen bisher Übernahmeanzeigen vor. Vom gewaltigen finanziellen Umfang eines Zusammenschlusses des größten deutschen Entsorgers und des größten deutschen Rücknahmesystems her betrachtet, dürfte eher die ECN genannte Europa-Behörde am Zuge sein. ECN kann das Kartellverfahren nach Deutschland zurückdelegieren, wenn Käufer und Verkäufer damit einverstanden ist., Wie es letztlich kommt, bleibt abzuwarten.

Ein duales System ist im Übrigen für REMONDIS keineswegs etwas Neues. Bis zum 31. Dezember 2014 betrieb der Konzern mit der EKO-PUNKT GmbH ein eigenes System dieser Art.  Diese Gesellschaft, die es als Beratungs- und Maklerfirma für alle Rücknahmesysteme noch gibt, stellte ihre Tätigkeit als duales System Ende 2014 ein. Der Grund waren „jüngste Marktentwicklungen“, wie es in einer Pressemitteilung von REMONDIS heißt.  Damit sind im Klartext „Schummeleien“ bei einigen der damals insgesamt neun dualen Systemen (DSD und acht Mitbewerber) gemeint. Dazu unter dem Stichwort Schummeleien mehr.

Solche Probleme wird es künftig nicht mehr geben- das weiß REMONDIS selbstverständlich sehr genau. Das neue Verpackungsgesetz wird dem dualen Meldesystem der dualen Systeme ein Ende bereiten. Ab 2019 soll es nur noch eine Meldestelle geben, die Zentrale Stelle Verpackungsregister vor. „Tricksereien“, die erst durch das doppelte Meldewesen möglich wurden, wären dann Schnee von gestern.

Günstige Voraussetzungen in dem Wiedereinstieg in die Welt der dualen Systeme. Diesmal um ein Vielfaches größer und umsatzstärker als beim vorigen Mal. Ganz so, wie es dem Größten der deutschen Entsorger geziemt.

TM/khg

 

 

Stichwort Schummeleien

 

Unregelmäßigkeiten und Differenzen nennen es die einen, „Schummeleien und Tricksereien“ die anderen. Für die dualen Systeme in Deutschland gilt bislang das System der dualen Meldestellen. Erstens das Zentrale Register beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und zweitens

Der gelbe Sack und die gelbe Tonne symbolisieren das Hauptgeschäft des Dualen Systems Deutschland, besser als Der Grüne Punkt bekannt. Foto: Thomas Max Müller

eine „Clearingstelle duale Systeme“. Beim DIHK wird gemeldet, wie viele Verkaufsverpackungen lizensiert sind, bei der Clearingstelle, wie groß der Anteil des jeweiligen dualen Systems an den gesammelten Verpackungen ist. Die Meldung an die Clearingstelle ist entscheidend für die Ermittlung des Marktanteils, aus dem sich die Kostenverteilung ergibt.

Zwei Zahlen- zwei Welten.  Denn die Zahlen stimmten in den zurückliegenden nie überein. Sie klafften vielmehr um riesige Berge von Leichtverpackungen und Verbundstoffen auseinander. Wenn es um die Kostenverteilung ging, wurde von einigen dualen Systemen immer weniger gemeldet als beim Zentralen Register. 2016 wichen die unterschiedlichen Anzeigen um sage und schreibe 150.000 Tonnen voneinander ab. Damit könnte man ganze Städte zuschütten.

Diese Mega- Differenzen können ab 2019 nicht mehr auftreten, weil dann -so ist es jedenfalls geplant- die Daten in einem zentralen Register zusammengeführt werden. Abweichungen fallen dann auf der Stelle auf und können zu Sanktionen führen, die von Bußgeldern bis hin zu Vertriebsverboten reichen.

-khg

 

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