„Die Zeit drängt“

„Die Zeit drängt“

150 150 Klaus Henning Glitza

Jahrestagung des VOEB: Forderungen zur Verwirklichung des “Green Deals”

 

Nachdem die EU mit ihrem Green Deal die nationalen Regierungen unter Zugzwang gebracht hat,  müssten diese endlich die dringend notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Dafür plädierte  Präsidentin  Gabriele Jüly  während der  Jahrestagung des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) im steirischen Schladming.

„Die Zeit drängt. Wir müssen rasch handeln, damit das Auslaufmodell lineare Wirtschaft durch eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ersetzt wird“, rief die VOEB-Chefin vor  österreichischen und internationalen Experten der Abfall- und Ressourcenwirtschaft aus. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass die  Recyclingbranche das wichtigste Bindeglied der Circular Economy ist“

“Wir müssen rasch handeln, damit das Auslaufmodell lineare Wirtschaft durch eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ersetzt wird“: Präsidentin des VOEB: Gabriele Jüly. Foto: Harald Steiner

Auf nationaler Ebene drängt der VOEB nach Angaben von Geschäftsführerin Magister Daisy Kroker  auf eine Aufklärung und Sensibilisierung von jüngeren Bevölkerungsschichten, die Einführung neuer Recycling-Lehrberufe sowie die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Zudem forderten die versammelten  Abfallexperten die Europäische Kommission auf, die Recyclingquoten von Lithiumbatterien zu erhöhen, beziehungsweise dies mit der europaweiten Einführung eines Batteriepfandes zu unterstützen. Auch soll die Energiegewinnung durch Verbrennung nicht recycelbarer Abfälle in der Europäischen Union als umweltverträgliche Tätigkeit rechtlich abgesichert werden.

Zur Erreichung der europäischen Sammel- und Recyclingquoten fordert der VOEB des Weiteren die Vereinheitlichung der österreichischen Sammelsysteme im Bereich der Leicht- und Metallverpackungen. „Bei Metallen, Papier und Glas haben wir in Österreich hohe Recyclingquoten zu verzeichnen und damit die EU-Ziele bis 2030 bereits erreicht beziehungsweise überschritten. Bei den PET-Flaschen sowie beim Kunststoff gibt es aber noch Aufholbedarf“, so Gabriele Jüly

Forderung nach Batteriepfand

Auf dem, Podium (von links): Alex Bernhuber, Christian Holzer, _Elke Rock (Moderation)_Carmen Jeitler-Cincelli, Peter Kurth_ und Gaby Jüly, Foto: Harald Steiner

Des Weiteren fordert die Präsidentin eine Erhöhung der Recyclingquoten von Lithiumbatterien von derzeit 45 auf 65 Prozent bis 2025. In der gesamten EU landeten jährlich knapp 225 Millionen Stück im Restmüll, allein in Österreich sind es 1,4 Millionen. Entstehe beim Entsorgungsprozess Reibung oder Hitze, können sich diese entzünden und Brände verursachen. Dies berge hohe Risiken und bringe enorme Kosten mit sich: „Alleine in der Steiermark verursachten durch Batterien ausgelöste Brände in den letzten fünf Jahren einen Schaden von 30 Millionen Euro. Wir können den Zusammenhang zwischen der steigenden Anzahl von Lithiumbatterien im Restmüll und den Bränden bei Entsorgungsbetrieben eindeutig belegen.“ Für die Abfall- und Ressourcenwirtschaft sei diese Entwicklung existenzbedrohend. „Nun sind Politik und Verwaltung gefordert, Verantwortung zu übernehmen und entsprechende Rahmenbedingungen für mehr Sicherheit zu fixieren.“

Aufholbedarf bei unter 30-jährigen

Alexander Bernhuber (Abgeordneter EU-Parlament, ÖVP und Mitglied EU-Umweltausschuss) bezeichnete die Forderung nach einem Batteriepfand als spannenden Ansatz, um höhere Recyclingquoten zu erreichen und Brände in Entsorgungsbetrieben zu unterbinden. Gleichzeitig müsse dieses Thema breit und mit allen relevanten Stellen europaweit diskutiert werden. Er sprach sich  generell für mehr Aufklärung und Sensibilisierung von jüngeren Bevölkerungsschichten: „Die Zukunft der Kreislaufwirtschaft ist untrennbar mit den Konsum- und Lebensweisen der Bevölkerung verbunden. Wir wissen aus aktuellen Studien, dass vor allem bei den unter 30-Jährigen das Bewusstsein hinsichtlich der richtigen Mülltrennung eher schwach ausgeprägt ist – hier müssen wir besser informieren, wie wichtig Mülltrennung ist“, so Bernhuber.

Produkthersteller in die Pflicht nehmen

“Produkthersteller stärker in die Pflicht zu nehmen”: Peter Kurth, FEAD- und BDE-Präsident. Foto: Harald Steiner

Peter Kurth (FEAD- und BDE-Präsident) verwies auf die Notwendigkeit, Produkthersteller stärker in die Pflicht zu nehmen: „Die Vorgaben von Quoten richten sich zumeist nur an Entsorger. In Zeiten, in denen Kreislaufwirtschaft mehr und mehr Produktpolitik sein muss, ist es unabdingbar, auch Mindesteinsatzquoten von Rezyklaten festzulegen.“ Kurth strich die Bedeutung starker nationaler Verbände wie der BDE und der VOEB sowie die Tätigkeiten des europäischen Verbands FEAD auf internationaler Basis heraus. „Unsere Branche wandelt sich: Früher haben wir Abfälle gesammelt, heute sind wir darüber hinaus auch Rohstofflieferant.“ In diesem Zusammenhang forderte Kurth aber auch, die Energiegewinnung aus der Verbrennung von nicht recycelbaren Abfällen rechtlich anzuerkennen und beispielsweise in der Taxonomie zu berücksichtigen. Außerdem plädierte er für einen „Schengen-Raum“ für die Abfallwirtschaft, da die grenzüberschreitende Abfallverbringung derzeit bürokratisch sehr aufwändig ist und Abläufe bis zu zwölf Monate dauern können.

Sammelsysteme vereinheitlichen:

 Aus 13 mach 1: Carmen Jeitler-Cincelli (Abgeordnete NR, ÖVP und Mitglied Umweltausschuss) sprach sich für die Einführung einheitlicher Abfall-Sammelsysteme in ganz Österreich aus, um etwaige Hürden zu reduzieren und somit Sammel- und Recyclingmengen zu erhöhen. „In Österreich gibt es derzeit 13 verschiedene Systeme, um Plastikflaschen, Leichtverpackungen oder Dosen zu sammeln. Das ist angesichts innovativer technologischer Trennverfahren nicht mehr zeitgemäß. Denn aus der Praxis ist längst bekannt: je einfacher und einheitlicher die Ausgestaltung von Sammelsystemen, desto besser das Sammelverhalten und desto höher die Mengen.“

Über den VOEB

Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) ist mit derzeit über 250  Mitgliedsunternehmen die freiwillige Interessensvertretung der kommerziell geführten Entsorgungsunternehmen in Österreich. Er repräsentiert  – gemessen am Umsatz beziehungsweise an den Beschäftigten – zwei Drittel der privaten österreichischen Entsorgungsbetriebe.

DK/rd

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