Die Möglichkeiten einer Branche im unübersehbaren Umbruch beleuchtet

Die Möglichkeiten einer Branche im unübersehbaren Umbruch beleuchtet

Die Möglichkeiten einer Branche im unübersehbaren Umbruch beleuchtet 150 150 Klaus Henning Glitza

Zentrale Frage: “Wo steht die deutsche Abfallwirtschaft?“ 

 

„Wo steht die deutsche Abfallwirtschaft?“- das war die zentrale Frage beim zweiten „empto talk“ in Köln. Acht Referenten beleuchteten .vor  Fachleuten aus Entsorgungswirtschaft, Lebensmitteleinzelhandel und weiteren Branchen die Entwicklungsmöglichkeiten einer Branche, die sich unübersehbar im Umbruch befindet. „empto talk“ ist eine Veranstaltungsreihe, mit der die veranstaltende Zentek-Gruppe den Austausch zwischen  Entsorgungswirtschaft, Startups und Hochschulen und Universitäten fördern will.

 Bessere Zukunftsaussichten für die europäische Wirtschaft, nachhaltiges Wachstum und Jahr für Jahr 640 Milliarden Euro gesparter Materialkosten: Eine echte Kreislaufwirtschaft berge ein enormes Potenzial und der Wandel zu einem zirkulären Wirtschaftsmodell rechne sich. Davon zeigte sich Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Institut beim zweiten „empto talk“ in Köln überzeugt.

„Maue Umsetzungsquoten“

Allerdings seien die Umsetzungsquoten, der für den angesprochenen Wandel  notwendigen Maßnahmen, noch ziemlich mau, gab Wilts zu bedenken. Zwar habe Deutschland den Ressourcenverbrauch vom Wirtschaftswachstum entkoppelt – nennenswerte Reduzierungen seien jedoch bisher nicht erreicht worden. Insbesondere der Anteil der Sekundärrohstoffe an der Kunststoffproduktion sei mit rund sieben Prozent deutlich zu niedrig.

Das zu ändern hat sich unter anderem REWE mit seiner Verpackungsstrategie auf die Fahnen geschrieben. Nach Aussage der Funktionsbereichsleiterin Nachhaltigkeit, Maria Schäfer, will der Kölner Handelskonzern bei den Eigenmarken bis Ende 2025 nur noch recyclingfähige Kunststoffverpackungen einsetzen. Im selben Zeitraum solle zudem in den REWE- und Penny-Märkten der Einsatz von Kunststoffen um 20 Prozent reduziert werden, erläuterte die Managerin.

Mangelnde Honorierung durch Verbraucher

Allerdings, so machte Maria Schäfer deutlich, hätten es Neuerungen nicht immer leicht. Und das liege nicht nur an Wirtschaft und Politik. Als Beispiel, dass sich , dass sich sinnvolle Lösungen nur zögernd durchsetzen, nannte die Funktionsbereichsleiterin die von REWE eröffnete Option, an der Wurst- und Fleischtheke auf Wunsch Waren wie Schinken oder Mortadella auch unverpackt zu erstehen und in selbst mitgebrachten Behältern nach Hause zu tragen. Trotz völlig unterschiedlicher Hygienevorschriften in den einzelnen deutschen Bundesländern habe REWE diesen umweltfreundlichen Service, mit dem man den Kreislaufgedanken vorantreiben wollte,  ermöglicht. Die Gegenliebe aber blieb weitestgehend aus, Kunden mit Tupperdose stellten die Ausnahme dar.  Da habe man sich durch die Widrigkeiten einer fragmentierten Regelungslandschaft gekämpft und dann honorierten die Käufer die Anstrengungen nicht, so der schmunzelnd vorgebrachte Kommentar von Maria Schäfer.

 Klimaschonungstechniken brauchen Metalle

Zu den Höhepunkten des Tages zählten sicherlich die „politischen Gedanken zur Ressourceneffizienz“, an denen  der Gründungspräsident des Wuppertal-Instituts und ehemalige Co-Präsident des Club of Rome, Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker die Zuhörer teilhaben ließ: Viele Klimaschonungstechniken brauchten Metalle und bei vielen sei Europa zu 100 Prozent von Importen abhängig. Dennoch lägen die Recyclingraten fast aller Hochtechnologie-Metalle unter einem Prozent.

Eine Zugabe der besonderen Art war der Vortrag von Sven Witthöft. Weil sich von Weizsäckers Zug leicht verspätet hatte, durfte der Jungunternehmer die Wartezeit nutzen, um sein Geschäftsmodell einer wiederverwendbaren Essens-Schüssel zu erläutern, mit der Kölner seit Kurzem ihren Mittagslunch aus verschiedenen Restaurants verpackungsfrei ins Büro oder nach Hause tragen können.

Die passenden Informationssysteme für eine Kreislaufwirtschaft  und die Rolle künstlicher Intelligenz bei der Beantwortung von Anliegen im Kundenservice waren die Themen von Thema von  Roman Zeiss vom Cologne Institut for Information Systems vor und Patrick Rattay vom Düsseldorfer KI-Startup Cognigy.  Wie sich Transaktionskosten senken lassen, indem man Kreisläufe digital schließt, zeigte Christian Schiller vom Hamburger Startup Cirplus auf.

Test innovativer Produkte

Zwei Neuerungen bei empto stellte anschließend  Geschäftsbereichsleiter Zentek digital Stephan Schnück vor. Bis Ende des kommenden Jahres solle der digitale Abfallassistent bundesweit verfügbar sein, erläuterte er. Außerdem biete der „empto Store“ den über 100 registrierten Entsorgungsunternehmen die Möglichkeit,  neue Produkte innovativer Startups kennenzulernen und bei Interesse mit wenigen Klicks zu testen. Der Store wird  nach Schnücks Worten voraussichtlich ab Sommer 2020 verfügbar sein und zum Start Produkte aus den Bereichen Asset-Tracking, Disposition, Auftragsmanagement, Reklamationsmanagement sowie intuitive Bestell-Apps für Entsorger umfassen.

“empto talk”  wird fortgesetzt

Mit einem regen Austausch ging der informative Tag zu Ende. Nicht ohne Ankündigung, dass die Veranstaltungsreihe „empto talk“ fortgesetzt wird. Die veranstaltende Zentek-Gruppe betreibt seit mehr als zehn Jahren ein Duales System und bietet seit über 20 Jahren flächendeckende Entsorgungssysteme für bundesweit tätige Unternehmen. Nach Eigengaben sieht sich der  Kölner Dienstleister als „Innovationsführer der Branche, der bei seinen Kunden mit praxisorientierter Digitalisierung punktet“.

LK/rd

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