Die Furcht vor der Elefantenhochzeit

Die Furcht vor der Elefantenhochzeit

150 150 Klaus Henning Glitza

Wie ein Unternehmer über die Übernahme von DSD durch REMONDIS denkt

 

Er ist kein Mensch der auch nur im Entferntesten ängstlich wirkt.  Der Mann mit der kräftigen Statur ist Chef eines mittelständischen Entsorgungsunternehmens, dem alle in seiner Firma und in seinem Wohnort mit großem Respekt begegnen. Dass er Weitblick und Courage besitzt, hat er bei vielen unternehmerischen Entscheidungen unter Beweis gestellt. Jeder, der ihn kennt, weiß, wenn so einer wie er besorgt ist, dann ist wirklich etwas im Busche. „Falls REMONDIS bei DSD zum Zuge kommt, wird nichts mehr sein wie vorher“, betont er gegenüber EM. Und man merkt ihm an, dass er dabei an wenig rosige Zukunft denkt.

 „Wenn das so über die Bühne geht, ist der schon jetzt lahmende Wettbewerb in der Branche endgültig tot“, macht der Mittelständler deutlich. Seinen Namen möchte er nicht genannt sehen, denn „Gott verzeiht, der Konzern nicht“. Bei einem Zusammenschluss des größten deutschen Entsorgers REMONDIS und des Marktführers DSD hätten die kleinen und mittleren Unternehmen ohnehin nur eine Zukunft als „Subs“ der Großen. Oder müssten ein Nischendasein führen-  jenseits der Rosinen, die sich die Riesen herauspicken. „Da wäre es für einen der Kleineren tödlich, es sich mit einem künftigen Taktgeber zu verderben“, macht der Mittelständler deutlich.

Gelb und voller Wertstoffe. Für viele kleine und mittlere Entsorger gehört das Handling dieser Säcke zum Tagesgeschäft. Viele Unternehmer fragen sich: Wie wird es weitergehen, wenn DSD geschluckt wird? Foto: Moni Sertel/pixelio.de

Schon seit Jahren sei der Markt einer Konzentrationswelle ausgesetzt, die ihresgleichen suche, macht der Firmenchef deutlich. Es sei eine Situation wie im Einzelhandel. Die Ketten expandierten, während Tante Emma schon längst Geschichte sei. Der Preis dafür: Versorgungsmängel in der Fläche und oft auch galoppierende Preise. So gehe es auch in der Entsorgungsbranche zu. Die ganz Kleinen könnten sich kaum noch halten. „Wo die Elefanten tanzen, müssen die Mäuse weichen“, so formuliert es der Mittelständler. Vielen kleineren Unternehmen breche der Generationenwechsel das Genick. Eventuelle Nachfolger in der Firmenführung sagten ihren Eltern klipp und klar: Da gehe ich lieber irgendwo arbeiten als mich diesem Druck auszusetzen. Gerade habe er erlebt, dass ein Unternehmerkollege seinem Sohn, der das Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen hatte, eindringlich abriet, in die elterliche Firma einzusteigen. „Suche Dir irgendwo anderes eine gute Stelle. Als Dein Vater muss ich Dir das einfach so klipp und klar sagen“, habe er angemerkt. Mit Tränen in den Augen, wie sich versteht. Schlimmer könne eine Bankrotterklärung nicht ausfallen. Drastischer könne die Vernichtung einer Existenz nicht in Worte gefasst werden.

Unternehmen, die Profit abwerfen oder aus anderen Gründe von strategischer Bedeutung seien, würden dagegen „planmäßig aufgekauft“. Viele davon standen vor der Übernahme mit REMONDIS in enger Geschäftsverbindung, beobachtete der Mittelständler. Der Konzern habe dadurch zumindest theoretisch die Möglichkeit, für ihn günstige Voraussetzungen für den Verkauf zu schaffen.

Den Glauben an eine wirklich soziale Marktwirtschaft hat der Mittelständler ein Stück weit verloren. „Schon seit Jahren erleben wir einen Verdrängungswettbewerb, der aber -abgesehen von den Betroffenen- kaum jemand zu interessieren scheint. Soziale Marktwirtschaft aber könne nur dann funktionieren, wenn die Vielfalt der Unternehmen erhalten bleibe und Großunternehmen nicht erlaubt werde, sich auf Kosten der Anderen krakenhaft auszubreiten. Doch die „große Politik und zuständige Behörden“ blieben von diversen Vorstößen, Hinweisen und Beschwerden der Mittelständler unbeeindruckt. „Wir fühlen uns nicht wahrgenommen und alleingelassen“, beklagt der Entsorgungsunternehmer.

So wie der zitierte Unternehmer denken viele in der Entsorgungsbranche. Die Angst vor dem., was kommen könnte, geht um. Es ist mehr als die Furcht vor einer verschärften Konkurrenzsituation und härteren Wettbewerbsbedingungen, es ist nackte Existenzangst. „Schon jetzt haben wir kaum noch Wettbewerb. Wie soll das erst werden, wenn REMONDIS und DSD zusammengehen“, fragt ein Branchenkenner. Dann werde es zappenduster in Deutschland, befürchtet er.

Einige Mittelständler haben die Hände in den Schoß gelegt. „Was sollen wir Kleinen da machen“, fragt ein Entsorger. Zeichen der Resignation- ein Stück weit verständlich. Doch andererseits fürchtet der Konzern kaum etwas mehr, als dass sich die kleinen und mittelständischen Mitbewerber verbünden. Oder dass die Kommunen und kommunalen Unternehmen mehr als verbalen Druck gegen den Mega-Deal machen.

„Die Schlacht ist noch nicht geschlagen“, so sieht es ein Branchenkenner.

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