Der Kleinkrieg bei der Entsorgung Dortmund dauert an

Der Kleinkrieg bei der Entsorgung Dortmund dauert an

701 1024 Klaus Henning Glitza

Das kommunale Unternehmen kommt nicht zur Ruhe / “Stolpersteine” für die  Arbeitnehmervertreter?

 

Kleinkrieg bei der Entsorgung Dortmund GmbH (EDG). Nachdem die Gewerkschaft „komba“ bei den Betriebsratswahlen im März dieses Jahres eine Art von Erdrutschsieg erzielte, wird nach Aussagen von Insidern versucht, den Arbeitnehmervertretern das Leben so schwer wie möglich zu machen.

“Sie sollen zermürbt  werden“, so sagt  es einer der Mitarbeitenden. Und: „Das Imperium schlägt zurück“. In der Tat: Dem blanken Entsetzen, das nach dem komba-Erfolg in der Chefetage der EDG geherrscht haben soll, ist einer „Strategie der Spannung“ gewichen. Wie EDG-Mitarbeiter berichten,  werden die komba-Arbeitnehmervertreter von Teilen der Mitbestimmung ausgeschlossen. War es früher gang und gäbe, dass Betriebsratsmitglieder bei Bewerbungsgesprächen dabei waren, ist dies den aktuellen Vertretern versperrt.   Wer eingestellt wird,  welches Azubis einen Ausbildungsplatz bekommen- all dies spielt sich abseits der gewählten Arbeitnehmervertreter  ab. Vorbei die Zeiten, als ver.di-Betriebsräte oder auch der inzwischen entlassene, unter Korruptionsverdacht stehende Marzouk Chargui an der Bewerberauslese beteiligt waren.

Nicht im Beschaffungsausschuss dabei

Auch im Beschaffungsausschuss sind die komba-Gewerkschafter außen vor. Dabei ist es alles andere als unwichtig, wie die Männer und Frauen auf der EDG-Arbeitsebene zu Neuanschaffungen stehen. Sie müssen ja letztlich mit vielen der Gerätschaften und Arbeitsmittel umgehen und wären als erste betroffen, wenn es hier zu Fehlentscheidungen käme.

Auch sonst werden offensichtlich nach Kräften Stolpersteine gelegt. Wie Insider sagen, wurde eine Klausurtagung, die der komba-geführte Betriebsrat beantragte, von der Chefetage abgelehnt. Auch Wünschen nach Seminaren sei nicht stattgegeben worden. Der gute Ton, der zu ver.di-Zeiten das Verhältnis Arbeitgeber-Arbeitnehmervertretung prägte, scheint komplett abhandengekommen zu sein.

Verbundbetriebsrat aufgelöst

Aushang bei der DOGA. Repro: EM

Jüngster Vorfall, der in EDG-Kreisen als Affront betrachtet wird: der Verbundbetriebsrat ist aufgelöst worden. Dieses Gremium ist quasi ein Gesamtbetriebsrat aller, im der EDG Holding zusammengefassten Unternehmen. Als da bislang  waren;  EDG,  DOGA (Verwertung und Entsorgung gewerblicher Abfälle, Altlastensanierung, Baustoffrecycling)  WELGE (Transportlogistik), DOLOG (Logistik und Objektbau) sowie DOMIG (Baustoffrecycling)  und DOREG (Altpapierverwertung). Der Verbundbetriebsrat wurde ins Leben gerufen, weil viele Sachfragen nicht nur ein Unternehmen betreffen, sondern mehrere- Stichwort Synergie.

Herbe Folgen für Heiko Nickel

Für Heiko Nickel, den Vorsitzenden dieses zum 31. Juli eingestampften Gremiums, hat das herbe Folgen. Er verliert seine Freistellung. Dass er dadurch an seinen Arbeitsplatz zurückkehren muss, ist aber nicht das eigentliche Problem: Nickel hatte auf sein festes Abfallsammelfahrzeug angesichts der Freistellung verzichtet und hängt jetzt, salopp ausgedrückt, in der Luft.

Wurde Anzeige gestellt?

Auch die „Operation Gesamtbetriebsrat“ hat einen pikanten Hintergrund. Die Auflösung, so sagen es Insider, geht unter anderem auf den Betriebsratsvorsitzenden der DOGA, Matthias Latzkow,  zurück. Gegen ihn sollen komba-Betriebsräte eine Anzeige gestellt haben. Vorwurf soll  sein, dass Ehefrau Michaela   die Wahlurne für die Betriebsratswahl mit nach Hause genommen habe und die Abstimmung nicht geheim, sondern öffentlich stattgefunden habe. Sowohl Latzkow als auch seine Frau sind in die Spitze des DOGA-Betriebsrates gewählt worden.

Latzkow soll zu jenem halben Dutzend gehört haben, das im Vereinsheim der SG Phönix vor Jahren die Abwahl des damaligen Arbeitsdirektor Wolfgang Birk  verabredet haben soll. Zu diesem, von manchen  EDGlern „Putschisten“ genannten Kreis gehörte nach Insideranhaben  neben Birks Nachfolger, dem ehemaligen ver.di-Sekretär Bastian Prange, auch Marzouk Chargui, bekanntermaßen der der Korruption beschuldigt.

Was die EDG dazu sagt

Vonseiten des Unternehmens wird die Auflösung anders  begründet. Nach Verschmelzung mehrerer Verbundunternehmen mit der EDG blieben nur noch drei Unternehmen übrig. Das wäre zu wenig, um einen Verbund zu rechtfertigen.

Auch Matthias  Latzkow greift  zu anderen Argumenten.  Bislang sei im Verbundbetriebsrat jede Stimme gleich gewertet worden. Das habe sich seit der konstituierenden Sitzung diese Gremiums am 11. April geändert, Dadurch könne keine Entscheidung mehr für die DOGA beeinflusst werden.

Dem ist der amtierende Betriebsrat entgegengetreten. Auch vorher seien die Stimme nach der Anzahl der vertretenen Arbeitgeber gewertet worden. Danach habe es immer ein gewisses Stimmengewicht  des größeren Unternehmens im Verbund, der EDG, gegeben,

Was den komba-Betriebsratsmitgliedern besonders sauer aufstößt. An einem Mittwoch nahm der jetzige Arbeitsdirektor Prange an einer Sitzung des Gremiums teil, ohne auch nur ein Wort über die bevorstehende Auflösung des Verbundbetriebsrates verlauten zu lassen. Am Tag darauf wurde das Aus  in  einem Schreiben bekanntgegeben. Es trage die Unterschrift von Prange, so Insider.

Ob das ein  guter Stil ist, darüber lässt sich trefflich streiten.

Gerne hätte EM auch das Statement der EDG veröffentlicht. Doch das Unternehmen teilte auf Anfrage mit: “…wir geben zu betriebsinternen Vorgängen, dazu gehören auch Betriebsvereinbarungen, keine Auskunft”.

khg

Oberstes Bild: Informationsschreiben des Betriebsrates. Repro: EM

Beliebtheit bei der Geschäftsleitung ist keine vordringliche Aufgabe

 

Gewerkschafter, gerade auch die von ver.di, zitieren den alten Lehrsatz, dass es nicht die vordringliche Aufgabe eines Betriebsrates sei, bei der Geschäftsleitung beliebt zu sein. Es geht schließlich um zwei Interessenschwerpunkte, die nicht unbedingt harmonieren.

Auch wenn die Ziele divergieren, eines sollte gegeben sei: gegenseitiger Respekt. Wenn es zur Achtung der Arbeitnehmervertreter nicht reicht, sollten zumindest jene respektiert werden, die sie gewählt haben. Dies vor allem, wenn dies mit großer Mehrheit geschah,

Bei der EDG Dortmund geht es letztlich nicht um einen Kampf des Deutschen Gewerkschaftsbundes (ver.di) und den Deutschen Beamtenbund (komba), sondern um lokale Machtstrukturen, die  weder mit dem einen oder dem anderen zu tun haben. Strukturen, in denen sich offenbar viele Beschäftigte nicht wiederfanden.

Es geht um die Rechte der Arbeitnehmer- und genau diese empfanden nicht Wenige in den früheren Strukturen nicht übermäßig gut aufgehoben. Die Stimmen, die die komba einfuhr, sind  Mahnungen, dass sich etwas ändern muss. Darüber hinwegzugehen, indem man die Arbeitnehmervertreter regelrecht auflaufen lässt und sich augenscheinlich  stattdessen auf die Rückendeckung von Teilen der Dortmunder Politik verlässt, ist alles andere als ein Management vom Feinsten.

Gerade Personen, die  aus der Gewerkschaftsarbeit stammen, sollten sich ihrer Wurzeln erinnern.

K H Glitza

Hinterlasse eine Antwort