Denkwürdige Szene in Neumünster

Denkwürdige Szene in Neumünster

150 150 Klaus Henning Glitza

Spitzen der Stadtwerke und der MBA Neumünster machen Werbung für Kooperation mit REMONDIS

 

Neumünster, Wochenmarkt, am vergangenen Freitag. Eine denkwürdige Szene.  Drei Herren im legeren Casual  Look stehen am einem Infostand. Eine Bürgerinitiative, die da auf sich aufmerksam macht? Oder eine neue politische Partei, die in den Wahlkampf eingestiegen ist? Weit gefehlt. Die Herren sind Führungskräfte der Stadtwerke Neumünster (SWN) und deren PPP-Gesellschaft MBA Neumünster GmbH.

Ihre Hauptbotschaft: „REMONDIS ist keine Heuschrecke“, sondern „ein starker Partner“, den man nur allzu gern  mit im Boot hätte. Als Hauptbootsmann, während man selbst als  Kapitän der Chef auf der Kommandobrücke bleiben wolle.

Werbung für eine stärkere Kooperation mit REMONDIS: (von links) Tim Mütze, Michael Böddeker und Reenhard Gerdes, Foto: Gunda Meyer

Hintergrund des Wochenmarkt-Auftritts von Tim Mütze (Geschäftsführer MBA Neumünster GmbH),  Michael Böddeker (Geschäftsführer SWN) und Reenhard Gerdes (Prokurist SWN) ist das Stadtwerke-Vorhaben, die Wärmesparte in die MBA Neumünster auszugliedern und gleichzeitig den derzeit bei 26,3 Prozent liegenden REMONDIS-Anteil auf 49 Prozent zu erhöhen.

Gegen die Teilprivatisierung der Wärmesparte kämpft die  Klima-Initiative Neumünster an. Ein Bürgerentscheid ist in Vorbereitung: “Wir haben schon über 2000 der nötigen 4000 Stimmen (…)“, zitiert Gunda Meyer vom Holsteinischen Courier Jochen Rathjen von der Initiative. Seine Bedenken und die seiner Mitstreiter sind nach EM-Informationen darauf gerichtet, dass die Müllverbrennung quasi zementiert werde und im Gegensatz zu den Klimazielen der Stadt stehe. Überdies stünden Arbeitsplätze in Gefahr.   Das sieht auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di so, die sich deshalb der Initiative angeschlossen hat.

Genau wegen dieser Aktivitäten und Argumente  werden SWN und MNA jetzt ihrerseits aktiv. „Es ist das gute Recht der Klima-Initiative, ein Bürger[1]begehren zu starten, aber sie sollte beim Werben von Unterschriften nicht falsche Informationen streuen“, zitiert die  Redakteurin des Holsteinischen Couriers, Gunda Mayer, SWN-Geschäftsführer Michael Böddeker. Damit schlage er in dieselbe Kerbe wie der Betriebsrat der Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA), der einem Offenen Brief bereits von „Falschbehauptungen“ der Bürgerinitiative gesprochen hatte, berichtet die Journalistin.

Trotz der Ausgliederung der Wärmesparte „bleiben wir Hauptanteilseigner und zentrale Entscheidungen werden nicht ohne unseren Aufsichtsrat und die Ratsversammlung gefällt“, gibt Gunda Meyer die Erläuterungen von Geschäftsführer Böddeker wieder. Es gebe „sogar eine Klausel in dem Vertrag, dass nötigenfalls das Kraftwerk aus der SWN-Wärme-Gesellschaft wieder ausgegliedert werden kann und komplett zurück an uns geht“.

Für die SWN sind Ausgliederung und Erhöhung der privaten Anteile ein Rechenexempel. RMONDIS bringe „einen knapp zweistelligen Millionenbetrag als Eigenkapital mit in die Gesellschaft“, gleichzeitig würden rund 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten für das Kraftwerk“, wird Böddeker im Holsteinischen Courier zitiert.

Auch für die MBA Neumünster GmbH geht es um harte Zahlen.  Mit REMONDIS-Rückenwind könne das Kraftwerk gut ausgelastet werden. „Der Müll aus Neumünster allein reicht nicht, der macht nur 15 Prozent von dem aus, was wir brauchen. Es wird ein Viertel des Restabfalls im Land bei uns verwertet“, zitiert Gunda Meyer den MBA-Geschäftsführer. Durch den Partner Remondis würde dies gewährleistet.

Und: „‘Steigt Remondis mit ein, gibt es eine Arbeitsplatzgarantie für die Mitarbeiter im Kraftwerk über zehn Jahre, für die MBA-Mitarbeiter über fünf Jahre‘, betont Tim Mütze (…,), der in der neuen Gesellschaft den Hut aufhaben soll.

Auch Ralph Müller-Beck, Leiter kommunales Vertriebsmanagement bei Remondis, hebt laut Holsteinischen Courier die ausschließlich positiven Seiten hervor. „Wir wollen den SWN helfen, die finanziellen Herausforderungen im Kraftwerk zu meistern und zusätzlich eine neue Sortieranlage für Gewerbemüll in Wittorferfeld bauen, die wir dann gemeinsam betreiben und den Ausstieg aus der Kohleverbrennung meistern“, so seine Aussage, Die neue Sortieranlage biete für Remondis den Vorteil, den Gewerbemüll nicht zum Aufbereiten nach Mecklenburg-Vorpommern bringen zu müssen. „In mehr als 70 deutschen Städten haben wir erfolgreiche Beteiligungen mit Kommunen, zum Teil in sehr ähnlichen Modellen wie das in Neumünster geplante“, so Müller-Beck laut Holsteinischem Courier.

Ein Arbeitnehmer, der sich an EM wandte, ist übrigens ähnlicher Meinung wie Stadtwerke-Chef Böddeker, wenn auch in anderem Sinne. „Ein Heuschrecke ist REMONDIS nicht“, sagt er. Denn diese Insekten hörten auf zu fressen, wenn sie satt sind.

 

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