Das war doch was- wie steht es eigentlich um den geplanten Verkauf von DSD?

Das war doch was- wie steht es eigentlich um den geplanten Verkauf von DSD?

150 150 Klaus Henning Glitza

Das Duale System in Deutschland sollte bis Mitte des Jahres an den Mann gebracht werden- aber noch ist nichts passiert

 

Bis „spätestens Mitte des Jahres“  sollte nach Planungen der Finanzinvestoren H.I.G. Capital und Bluebay der Verkauf des Dualen Systems Deutschland (DSD), besser bekannt als „Der Grüne Punkt“, über die Bühne gegangen sein. Doch dieser Termin ist bereits deutlich überschritten, ohne dass etwas Entscheidendes passiert zu sein scheint.

Um die Verkaufsaktivitäten ist es sehr ruhig geworden. Überschlugen sich vorher die Medienmeldungen,  herrscht jetzt das große Schweigen im Blätterwald. Ein Grund für EM. DAS ENTSORGUNGSMAGAZIN, einmal den aktuellen Stand zu betrachten.

Der gelbe Sack und die gelbe Tonne stehen für das zweite Entsorgungssystem in Deutschland, das duale System. DSD ist der Marktführer unter den mittlerweile zehn konkurrierenden Systemen. Foto: segovax/pixelio.de

Ein Selbstläufer war das nicht, denn generell gilt die Devise: Alle sagen nichts. Sowohl von H.I.G. Capital in London als auch von Bluebay (Regionalbüro in Hamburg) ist -wie zu erwarten ist-  kein Sterbenswörtchen zu erfahren. Auch DSD und der REMONDIS-Konzern  (der zumindest zeitweise als Bieter ins Spiel kam) halten sich extrem bedeckt.  Nach Informationen von EM. DAS ENTSORGUNGSMAGAZIN laufen aber nach wie vor über Lincoln International in Frankfurt am Main, nach Eigenangaben ein „internationales und unabhängiges Midcap M&A Beratungshaus“ mit Hauptsitz in den USA, nach wie vor Verkaufsverhandlungen.

Wie zu erfahren ist, seien Private-Equity-Fonds, hinter denen private Investoren und Banken stehen, nach wie vor stark interessiert. Deutsche Beteiligungsobjekte sind weltweit hochbeliebt. Der deutsche Private-Equity-Markt gilt als der bedeutsamste in ganz Europa. Zusätzlichen Schub an Beteiligungskapital beschert der Brexit, das Ausscheiden Großbritanniens aus der europäischen Union.

Die Private-Equity-Fonds würden aber von den Verkäufern, H.I.G. Capital (25 %), Bluebay (55 %) und DSD-Management (20 %), bislang auf Distanz gehalten, weiß ein Insider. Möglicherweise auf Betreiben des Managements, das mit 20 Prozent an DSD beteiligt ist, sollen langfristige Investoren bevorzugt werden sollen. Nach zweimaligem Verkauf an Finanzinvestoren wünscht man sich in der DSD-Chefetage offenbar weniger Anpassungsdruck durch fondsübliche hohe Renditeerwartungen und einen längeren Zeithorizont für die Unternehmensentwicklung. „Wir wollen keine Ehe auf Zeit, sondern einen sicheren Hafen“, so ist es aus DSD-Kreisen zu hören.

Unzweifelhaft gehört DSD unter den inzwischen zehn Anbietern von Dualen Systemen zu den eher zukunftssicheren Unternehmen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die neue Verpackungsverordnung den Marktwert von DSD enorm gesteigert. Der Grund: Parallelsysteme wie Eigenrücknahme und Branchenlösungen werden qua Gesetz erschwert oder sogar unmöglich gemacht. Und wichtiger noch: es fallen künftig auch für diese Ersatzlösungen Lizenzgebühren an. Man spricht von mindestens 100 Millionen Euro mehr, die die Wirtschaft und letzten Endes der Endverbraucher zu berappen hat.

Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass dies nicht sämtliche der derzeit zehn Dualen Systeme überleben werden.  Der Markt ist eh nicht groß genug für die Vielzahl der Anbieter. Eric Rehbock, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Sekundärrohstoffe und Entsorger (bvse), rechnet mit dem Aus für drei bis vier der Dualen Systeme. Davon könnte vor allem DSD profitieren. Jeder Mitbewerber, der vom Markt geht, bedeutet einen Wertzuwachs für den einstigen Monopolisten und heutigen Marktführer.

Trotz dieser rosigen Zukunftsaussichten herrscht bei den großen Entsorgungsunternehmen eine gewisse Skepsis Es wird befürchtet, dass es bei der Übernahme wegen des derzeitigen Marktanteils von etwa 38 Prozent zu kartellrechtlichen Problemen kommen könnte. Etliche zuckten daraufhin zurück, nicht aber REMONDIS. Die Konzernvertreter aus Lünen haben solche Bedenken nicht abhalten können, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. „Wenn wir etwas angehen, können Sie davon ausgehen, dass das auch zu Ende gedacht ist“, betont ein Manager.

Für das Großunternehmen gab es -wie bereits berichtet- bisher nur einen Hinderungsgrund, den Preis. Aber der könnte sich relativieren, wenn DSD von der neuen Marktlage profitiert. Deshalb ist es keinesfalls ausgeschlossen, dass sich der Konzern aus Lünen noch nicht endgültig aus dem Bieterrennen verabschiedet hat. „Ich persönlich glaube nicht, dass REMONDIS das Thema DSD zu den Akten gelegt haben“, sagt ein Analyst.

Was den Kaufpreis angeht, gibt es von Anbieterseite es wenig Spielraum. Die genannten Equity Fonds, die die Mehrheitsanteile halten, sind praktisch gezwungen, mit Gewinn zu verkaufen. Andernfalls leidet ihr Ruf bei den Anlegern in erheblichem Maße. Bevor imageschädliche Verluste eingefahren werden, dürfte es folglich die Option sein, DSD noch eine gewisse Zeit zu halten und auf einen günstigeren Zeitpunkt zu warten. Getreu der Devise: Wenn ein Kaufobjekt schon zu lange ergebnislos auf dem Markt ist, lässt man gerne erst einmal Gras über die Sache wachsen, und wartet, bis sich die öffentliche Aufgeregtheit gelegt hat. Um dann nochmals an den Start zu gehen.

Fest steht hingegen, dass das Management auch unter neuen Eigentumsverhältnissen im Boot bleiben will. Die 20-prozentigen Kapitalanteile der Führungsriege werden potenziellen Käufern deshalb erst gar nicht mit angeboten. Sie sollen in Managerhand bleiben, um einen gewissen Grad an Mitbestimmung abzusichern.

Der Erwerb von DSD verspricht ein hohes Renommee. „Die sind nach wie vor der Rolls Royce unter den dualen Systemen“, kommentiert ein Insider. Ohne Zweifel: Ein „Rolls Royce“ verkauft sich nicht von heute auf morgen. Gut Ding will eben Weile haben. Ein uraltes Sprichwort, aber unverändert aktuell.

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