Chaos in den Tonnen: Eine wilde Mischung namens Restmüll

Chaos in den Tonnen: Eine wilde Mischung namens Restmüll

150 150 Klaus Henning Glitza

Alarmierendes Ergebnis einer aktuellen Analyse: Nur 32 Prozent sind tatsächlicher  Restmüll

 

Wenn es heißt, Deutschland sei Weltmeister des Mülltrennens, dann können damit nicht die Inhaltsstoffe der Restmülltonnen gemeint sein. Denn sage und schreibe lediglich 32 Prozent dessen, was in den schwarz-grauen Tonnen landet, ist dort am richtigen Platz.  Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von Siedlungsrestabfällen in Deutschland, die das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben hat.

Kurzgefasstes Fazit der Studie:  Zwar haben sich die deutschen Müllmengen in den zurückliegenden 35 Jahren fast halbiert, doch aller Aufklärungskampagnen zum Trotz herrscht Chaos in den dunkelfarbenen Tonnen- mit echtem Restmüll in der Minderheit. Statt namensgebender Reste, also Müll, der weder Wertstoff noch Bio oder Papier/Pappe/Kartonagen ist, sieht ein wildes Durcheinander der Entsorgung entgegen.

Der Spitzenreiter bei den Fremdstoffen: Bioabfälle. Mit durchschnittlich 39 Prozent machen Küchen-, Nahrungs- und Gartenabfälle & Co. den mit Abstand größten Negativposten aus. Ein Drittel aller Bioabfälle wird laut Analyse über den Hausmüll entsorgt. Das sei nicht nur ein Müllproblem, wie Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), deutlich macht: „Bioabfall ist für die Restmülltonne viel zu kostbar, denn er lässt sich vollständig recyceln und liefert den Grundstoff für Kompost und Biogas.”

Infografik zur Zusammensetzung des Hausmülls in Deutschland. Foto: BMU

Platz Nummer 2 in der Hitliste der Fremdstoffe nehmen die so genannten trockenen Wertstoffe mit einem Anteil von rund 27 Prozent ein. Dazu zählen zum Beispiel Altpapier, Altglas, Kunststoffe, Alttextilien, Holz, Kork und Elektroaltgeräte. Auch Problemabfälle kommen zu einem geringen Anteil von rund 0,5 Prozent vor. Dies sind schadstoffhaltige Abfälle wie Lösemittel, Energiesparlampen, belastete Bauabfälle sowie Altbatterien und -akkus. Besonders häufig wurden Batterien und Akkus gefunden, obwohl sie verpflichtend getrennt gesammelt werden müssen und bereits zu zahlreichen Bränden in Entsorgungsbetrieben und Müllfahrzeugen geführt.

Insgesamt fielen im Jahr 2018 in Deutschland 128 Kilogramm Restmüll pro Einwohner und Jahr an. Das ist ein Rückgang von rund 46 Prozent im Vergleich zu 1985 (239 Kilogramm Restmüll pro Einwohner und Jahr). Altpapier, Altglas, Metalle und Kunststoffen landen deutlich seltener in der Restmülltonne als damals, hier sind Rückgänge von bis zu 80 Prozent zu verzeichnen.

UBA-Präsident Messner sieht noch viel Luft nach oben. “Es fällt noch immer zu viel Restmüll an“, stellt er fest.  Die Abfallvermeidung hat nach seinen Worten die höchste Priorität in der Abfallhierarchie. „Mehr Mehrweg statt Einweg und klare Vorgaben für Einwegprodukte und -verpackungen, wie sie in der Einwegkunststoffrichtlinie vorgelegt werden, sind hier ein richtiger Weg“, sagt er.

Auch Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth betont, dass in puncto Reduzierung der Müllmengen noch weitaus mehr geht. Seine Zukunftsvision ist eine „echte Kreislaufwirtschaft, in der kaum noch Restmüll anfällt und die Rohstoffe wiederverwendet werden”. Der studierte Volkswirt, im Bundesumweltministerium seit Jürgen Trittins („DJ Dosenpfand“) Zeiten, weiß: „Die Umweltpolitik hat in den vergangenen Jahrzehnten bei der Abfallverwertung einiges bewegt, aber wir sind noch längst nicht am Ende dieses langen Weges. Es gibt noch viel zu tun.“

Ein wahres Wort, dem nichts hinzufügen wäre.

 

 

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