Brancheninfo aktuell 54-09/2020

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Brancheninfo aktuell 54-09/2020 150 150 Klaus Henning Glitza

Brandereignisse und Versicherungsschutz:  Informationen von zwei Spezialversicherern

 

Zweifellos: die Preise für Industrieversicherungen ziehen an und es erscheint zunehmend schwierig, für feuergefährdete Betriebe Versicherungsschutz zu bekommen. Das gilt in besonderem Maße für Entsorgungs- und Recyclingbetriebe, die in weit überdurchschnittlicher Art von Brandereignissen betroffen sind. Die Anzahl der Versicherer, die überhaupt noch bereit sind, diese Risiken abzusichern, ist dramatisch gesunken, wie gerade erst auch der bvse konstatierte. Um in dieser Situation eine bescheidene Hilfestellung zu geben, gibt EM zwei Statements von Spezialversicherungen wieder.

Keine Branche hat so viele große Feuerschäden zu beklagen wie die Recycler. Mit dieser Feststellung gehen Dietmar und Nico Hübener von der Hübener Versicherungs AG, Hamburg, auf die zahlreichen Brandereignisse zu Lasten der Recycling- und Entsorgungsunternehmen ein.  Alleine in Deutschland wurden in den zurückliegenden zehn Jahren 1.400 Schäden gemeldet.

Bei den Recyclern kämen verschiedene Themen zusammen, die zu einer hohen Schadenlast führen, erläutern die Vorstände Dietmar und Nico Hübener. „Hohe Brandlasten, Störstoffe wie Batterien, organische Anhaftungen und der hohe Innovationsdruck, der dazu führt, dass die eingesetzten Anlagen zwar häufig aus erprobten Teilkomponenten bestehen, das Zusammenwirken der einzelnen Elemente aber eher einem Prototypenbetrieb entspricht. „Die Vielzahl der möglichen Stoffe und die unterschiedlichen Prozesse führten dazu, dass kein Recycler einem anderen gleiche. Und auch in Bezug auf die Einstellung zum Brandschutz gebe es „sehr unterschiedliche Ausprägungen“. Außerdem differierten die im Risiko stehenden Werte stark zwischen wenigen Hunderttausend und vielen Millionen.

Insofern seien Recycler – anders als beispielsweise Hebammen oder Frauenärzte – keine homogene Gruppe, die über einen Rahmenvertrag mit Annahmezwang für den Versicherer versicherbar ist. „Möchte man einem solchen Betrieb Versicherungsschutz gewähren, ist eine individuelle Betrachtung jedes einzelnen Betriebs erforderlich. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Versicherer in Zeiten von Digitalisierung, Skaleneffekten und kontinuierlichen Gewinnerwartungen der Investoren auf dieses volatile Geschäft verzichten“, skizzieren die beiden Vorstände die derzeitige Situation.

Bei den Recyclern kommen verschiedene Themen zusammen, die zu einer hohen Schadenlast führen. Hohe Brandlasten, Störstoffe wie Batterien, organische Anhaftungen und der hohe Innovationsdruck, der dazu führt, dass die eingesetzten Anlagen zwar häufig aus erprobten Teilkomponenten bestehen, das Zusammenwirken der einzelnen Elemente aber eher einem Prototypenbetrieb entspricht. Die Vielzahl der möglichen Stoffe und die unterschiedlichen Prozesse führen dazu, dass kein Recycler einem anderen gleicht. Und auch in Bezug auf die Einstellung zum Brandschutz gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen. Außerdem differieren die im Risiko stehenden Werte stark zwischen wenigen Hunderttausend und vielen Millionen.

Als Spezialversicherer gehe die Hübener Versicherung einen anderen Weg, macht das Unternehmen deutlich. Ein hoher Grad digitaler Verarbeitung und homogene Prozesse führe dazu, „dass sich die Mitarbeiter bei Hübener den größten Teil ihrer Arbeitszeit tatsächlich mit Kunden und ihrem Risiko auseinandersetzen können.“. So entstehe für jede Betriebsstätte „ein individuelles Risikoprofil, an dessen Ende der individuelle Preis steht“. Starre Voraussetzungen im Sinne eines Annahmekatalogs gebe es nicht.  Die individuelle Situation fließe in die Prämie und die Produktausgestaltung ein. Guter organisatorischer Brandschutz, auf den Betrieb abgestimmter technischer Brandschutz und bauliche Maßnahmen wirkten prämienreduzierend.

Gleichwohl seien die heutigen Prämien „meistens deutlich höher als in der Vergangenheit“, so Dietmar und Nico Hübener weiter. Mit dem Wissen, dass Versicherer in der Vergangenheit beim Kampf um Marktanteile häufig nur Prämien verlangten, die rund 30 Prozent des tatsächlichen Schadenbedarfs decken, werde schnell klar, dass die heutigen Prämien unausweichlich sind.

Auf die Relevanz einer Löschmittel-Police weist Georg van Waasen, Geschäftsführer der VMF Assekuranz-Concept GmbH (Unternehmen der Dr. Hörtkorn Gruppe), Steinfurt, hin. Nach seinen Worten sei eine solche Ergänzung und Deckungserweiterung von Feuerverträgen für jedes Entsorgungsunternehmen unbedingt vonnöten.  Hintergrund dieser Risikoabsicherung sei nach VMF-Angaben,  dass es in der Schadenregulierung immer wieder zu Diskussionen mit den Versicherern und den zuständigen Behörden in Bezug auf  die Kostenzuweisung für zum Einsatz gelangten Sonderlöschmittel und die Zwischenlagerung sowie Entsorgung des kontaminierten Löschwassers komme.   Durch die Änderung der Landes-Feuerwehr- und Hilfegesetze können die Behörden seit einigen Jahren Kostenbescheide gegen Gewerbe- und Industrieunternehmen erlassen und somit die Kosten für Sonderlöschmittel vom Unternehmer zurückverlangen.

Mit der Löschmittel-Police sei eine Lösung zur Kostenübernahme aus einem öffentlichen Abgabenbescheid nach einem Brandschaden geschaffen worden, so Georg van Waasen.  Die versicherte Summe stehe im Schadenfall „als Erstrisikoposition in voller Höhe zur Verfügung, um den Kostenbescheid zu übernehmen und die Unternehmensbilanz nicht zusätzlich zu belasten“.

H/V/rd

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