Brancheninfo aktuell 51-12/2020

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150 150 Klaus Henning Glitza

Vorläufige  ZVSR-Zahlen: BellandVision bleibt Marktführer den Dualen Systemen

 

Das Duale System BellandVision konnte seine Marktführerschaft im allen Fraktionen (LVP, PPK, Glas) behaupten. Das geht aus  den aktuell veröffentlichten Aufstellung „Vorläufig zuzuordnende Marktanteile der Systeme für das erste Quartal 2021“ der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) hervor.   

Diese vorläufige Berechnung berücksichtigt zwar nur die Meldungen bis zum 5. Dezember,  doch rechnen Insider nicht damit, dass sich nach dem Ende der heißen Akquisitionsphase und aufgrund von eventuell zu niedrigen Mengenmeldungen noch zu nennenswerten Verschiebungen kommt. Aber auch die im nächsten Jahr herauskommende  finale Marktanteilsberechnung ist im Übrigen nur bedingt aussagefähig.. Branchenkenner gehen davon aus, dass die harten Zahlen erst bei den Nebenentgeltabrechnungen im 2. Quartal 2021 zum Vorschein kommen.

Wie auch immer, an der Marktführerschaft von BellandVision kann dennoch nach derzeitigem Stand kein Zweifel bestehen. Insider gehen von einem Marktanteil von „plus minus 20 Prozent“ aus.

Den vorläufigen Berechnungen zufolge  hat Eko-Punkt bei Papier, Pappe und Kartonagen (PPK) ebenfalls  die Nase vorn. PPK stellt allerdings die schwächste Verpackungsmittelfraktion dar und wird von LVP (allein zirka 70 Prozent) und Glas überflügelt. Außerdem lassen sich mit PPK die geringsten Gewinne einfahren.

Trotzdem liefert Eko-Punkt laut den vorläufigen ZSVR-Berechnungen Zahlen, die sich sehen lassen können. Ebenso mit beeindruckenden Zahlen startet  das erstmals bundesweit antretende  System PreZero Dual  in das das Neue Jahr. Deutlich abgeschlagen ist dagegen der einstige Branchenprimus Der Grüne Punkt- Duales System Deutschland  (DSD).

Der mutmaßliche Hauptgrund für den Abstieg des Grünen Punktes, der einst einen Marktanteil von 40 Prozent besaß: Die Nord- und Südketten von ALDI sind nach dem finalen Verbot der Fusion mit REMONDIS nicht -wie zunächst geplant- zu DSD, sondern zum Lünener Eigengewächs Eko-Punkt gewechselt. Der Verlust des einstigen Hauptkunden konnte nur zum Teil kompensiert werden.

Auch die ALBA-Tochter Interseroh leidet immens unter dem negativen ALDI-Effekt. Der mit einem knappest kalkulierten Preis gewonnene Discounter erwies sich nach nur einem Jahr im Bestand als Wanderstern, der  seine Bahnen von DSD über Interseroh bis hin zu Eko-Punkt zog. Laut vorläufiger ZSVR-Berechnung liegt Interseroh jetzt in allen Fraktionen im niedrigen einstelligen Bereich. Auch hier ist die Kompensation nicht gelungen.

Pikant: Schon als der Vertrag mit Interseroh verhandelt wurde, soll ALDI parallel mit REMONDIS in Kontakt gestanden haben. Zur Debatte stand der Plan B, falls die Fusion mit  REMONDIS scheitern sollte.  Denn im Gegensatz zu REMONDIS-Topmanagern hatte sich im Lünens mittleren Management schon im Vorfeld die Einschätzung verfestigt, aus der Elefantenhochzeit werde wohl nichts werden.  Es wurde gehandelt statt gehofft.

Aldis nicht unkluge Taktik: Erst die extrem günstigen Preise mitnehmen und dann, nach bundesweiter Zulassung, zu EKO-Punkt umswitchen.  Das dürfte auch REMONDIS mehr als recht gewesen sein.

Zentek ist gleichfalls entgegen den Erwartungen nicht so recht vorangekommen.  Offenbar ist es schwer, die vielen Gesellschafter unter einen Hut zu bringen. Reclay Dual konnte dagegen den Großkunden REWE halten und steht damit relativ gut da.

In der ZSVR-Statistik  spiegelt sich auch der erbitterte Konkurrenzkampf zwischen den  Handelsriesen wider. Für die nicht minder konkurrierenden Dualen Systeme bedeutet das, wer einen  der Giganten gewinnt oder halten kann, rutscht fast schon automatisch im Ranking nach oben.  So konnte BellandVision seine Spitzenstellung vor allem dadurch sichern, dass Großkunde Edeka, obwohl heftig umworben, bei der Stange blieb.  Aber auch die Masse macht es bei dem zum SUEZ-Konzern gehören Dualen System. 80 bis 100 Händler, darunter auch Drogerieketten und Versandhändler, lizenzieren nach EM-Information bei BellandVision.

Die handelsbasierten Systeme PreZero Dual und Eko.Punkt leben dagegen überwiegend von Großkunden. Also zum Teil von sich selbst.  Eko-Punkt konnte auf einem mehr als soliden Grundstock, nämlich ALDI Nord und Süd aufbauen und gewann als weiteren Riesen Amazon (was auch die großen PPK-Mengen erklärt) hinzu. PreZero, die Schwarz-Tochter, bei der naturgemäß die Mittöchter Kaufland und Lidl lizensieren, war in der glücklichen Lage,  den größten Schatz im eigenen Haus zu haben. Doch abgesehen von Amazon, der nicht als einfacher Kunde gilt, hat es außerhalb des eigenen Beritts für PreZero Dual und Eko-Punkt kaum nennenswerte Akquisitionen gegeben.

Daran haben auch die Kampagnen, die bei Lidl, Kaufland und ALDI laufen, nicht viel geändert. Das Ziel:  kooperierende Händler mit in die eigenen oder teils eigenen Systeme zu holen. Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass dies als vertrauensbildende Maßnahme gesehen wird.   Indessen soll die Resonanz nicht ganz so gigantisch gewesen sein.

Das könnte daran liegen, dass handelsbasierte Systeme aus Händlersicht gravierende Nachteile haben, die dem Wachstum enge Grenzen setzen. Kaum ein Zulieferer lasse sich ohne Not mit einem Dualen System ein, das einem seiner Kunden gehört, weiß ein ausgewiesener Branchenkenner. Zahlen, vor allem auf Mengen bezogen, würden dann offenkundig- und das will mancher Händler  aus guten Gründen für sich behalten. „Man müsste ja regelrecht die Hosen runterlassen“, sagt ein Insider.

Zudem ist zweifelhaft, ob eine Eigenlösung auf Dauer wirklich billiger ist und somit langfristig lebensfähig bleibt. „Solange zehn Duale Systeme am Markt sind, die im Wettbewerb stehen, wird man mit einer Ausschreibung preislich immer besser fahren“, bilanziert ein Branchenkenner.  Außerdem spielen nach seinen Worten  möglicherweise  Vorbehalte gegenüber Konzernen eine Rolle,  die nicht durch Preisreduzierungen, sondern für krasse Erhöhungen bekannt geworden sind.

Für die Kleineren unten den Dualen Systemen wird es zunehmend enger. Der einstige Marktführer DSD ist von der Spitze der Tabelle gerutscht. Stattdessen sind Schwergewichte wie REMONDIS, ALDI und die Schwarz Gruppe in den Ring gestiegen. Genau wie im Boxsport ist wenig Gnade für die Schwächeren zu erwarten. Die Umschichtung, wie sie in der Entsorgungswirtschaft mit höchst negativen Folgen  zu beobachten war, sie setzt sich bei den Dualen Systemen fort.

Die komplette vorläufige Marktanteilsberechnung:

https://www.verpackungsregister.org/fileadmin/files/Marktanteile/Marktanteile_vorlaeufig_zuzuordnende_Marktanteile_der_Systeme_fuer_das_erste_Quartal_2021.pdf

khg

 

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