Brancheninfo aktuell 50-10/2020

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150 150 Klaus Henning Glitza

Schwerer Rückschlag: Großer Kunde ALDI weg, geht Interseroh jetzt die Luft aus?

 

Schwerer Rückschlag für Interseroh, das Duale System unter dem Dach der ALBA Group. Der wichtigste Kunde ALDI ist von der Fahne gegangen und lässt künftig beim REMONDIS-System EKO.PUNKT,  hervorgegangen aus dem aufgekauften RK Recycling Kontor GmbH Co. & KG,  lizensieren. Insider stellen jetzt die Frage: Geht Interseroh die Luft aus?

Es hatte die ALBA-Tochter viel Mühe gekostet, den Discounter 2019  an Land zu ziehen, so ein Branchenkenner. ALDI war bekanntermaßen vorher der größte Kunde des Grünen Punktes-Duales System Deutschland (DSD). Der Wechsel erfolgte zu einer Zeit, als sich REMONDIS -jedenfalls nach außen hin-  sicher zeigte, DSD trotz der massiven Bedenken des Bundeskartellamtes in den Megakonzern zu integrieren. Doch aus REMONDIS-nahen Kreisen ist zu erfahren, dass sich in Lünen, dem westfälischen  Hauptsitz von REMONDIS, längst Skepsis bezüglich des Gelingens der Elefantenhochzeit breitgemacht hatte. Wollte man der potenziellen „Braut“ , wenn man sie schon nicht zum Traualtar führen konnte, den ALDI-Bonus nicht gönnen? Und gleichzeitig das konkurrierende Unternehmen Interseroh schwächen, das an dem Auftrag- wenn überhaupt-  nicht viel verdient haben soll.

Nach EM-Informationen wird der Discounterriese ALDI  aber nicht nur als Kunde des REMONDIS-Systems auftreten, Vielmehr sollen die Giganten einen Schulterschluss planen. ALDI werde sich an dem neuen Dualen System aktiv beteiligen, um ein Gegengewicht zur Schwarz-Gruppe und deren Dualen System PreZero zu schaffen, ist von gut informierter Seite zu erfahren,  Eine Elefantenhochzeit der anderen Art. Und noch größer als die eigentliche zwischen REMONDIS und DSD.

ALDI und Lidl- ein Kampf der Giganten, Zwischen den beiden Discountern tobt schon seit Jahrzehnten eine gnadenlose Schlacht um Marktanteile und die Spitzenposition. Ein  Konkurrenzkampf, der in der jüngsten  Zeit noch kräftig an militanter Dynamik zugelegt hat. Insider hatten schon länger vermutet, dass ALDI nach der Gründung von PreZero mit einem eigenen System nachzieht. Jetzt schein es so weit zu sein- mit Schützenhilfe aus Lünen.,

Die Topmanager von ALDI und REMONDIS hatten schon geraume Zeit vertrauliche Gespräche geführt, berichten Insider. „Man versteht sich gut und surft auf einer Welle“, so ein Informant in REMONDIS-Nähe. Über das Wetter gesprochen haben sie vermutlich nicht ausschließlich.  Die Ausschreibung war bei einem solchen guten Einvernehmen möglicherweise eine Farce. Es heißt, dass man im Hause REMONDIS schon vor der Submission zuversichtlich gewesen sein soll, man habe ALDI „im Sack“.

Bei den ALDI-REMONDIS, Gipfeltreffen sollen sich die Lünener insbesondere missbilligend  über die chinesischen Anteile an dem Interseroh-Mutterkonzern ALBA geäußert haben. Bei REMONDIS schätzt man den wachsenden Einfluss des Reichs der Mitte nicht übermäßig. Der oberste Chef Ludger Rethmann hatte sich jüngst überaus positiv zu einer von VEOLIA geplanten Fusion VEOLIA mit SUEZ positioniert. Ein dadurch entstehender Weltmarktführer sei aus seiner Sicht  ein Gegengewicht zum zunehmenden Streben  der Volksrepublik China nach weltwirtschaftlicher Bedeutung. Rethmann verwies dabei insbesondere auf EEW Energy from Waste GmbH (EEW), das seit 2016 vollständig im Besitz der Beijing Enterprises Holdings Limited.   „China ist böse“, soll kurzgefasst das Credo  sein.

Für INTERSEROH könnte es jetzt nach Einschätzung von Branchenkennern schwierig werden. Der chinesische Investor  des Unternehmens gilt nicht eben als Paradebespiel für wirtschaftlichen Erfolg. So blieb er im Bemühen, selbst Investoren zu finden, bislang erfolglos.

Das alles in einer Phase eines empfindlichen Kundenverlustes zu bewältigen, wird nicht einfach sein.

khg

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