Brancheninfo aktuell 48-01/2021

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Brancheninfo aktuell 48-01/2021 150 150 Klaus Henning Glitza

Kritik an Mantelverordnung:  Ein Hemmschuh für das Recycling?

 

Die vom Bundesrat verabschiedete Fassung der Mantelverordnung „hemmt Recycling, aber auch die sonstige stoffliche Verwertung und führt zu einem erheblichen Anstieg der Deponierung von wertvollen Bauabfällen“. Dies erklärten aktuell die Hauptgeschäftsführer des Deutschen Abbruchverbands, Andreas Pocha, des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung, Eric Rehbock, des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, und des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa.

„Wir stehen zu unserer Verantwortung, zukünftig mehr mineralische Bau- und Abbruchabfälle, insbesondere aus der größten Fraktion Boden und Steine, zu recyceln und hochwertig im Stoffkreislauf zu behalten. Aber man muss uns auch lassen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung zur umfangreich überarbeitetem Mantelverordnung.

Wenn die vom Bundesrat beschlossene Fassung der Mantelverordnung unverändert in Kraft trete, würden mehr mineralische Bauabfälle als bisher auf die Deponien wandern, wird ausgeführt.

Deponieraum sei aber regional knapp und die Entsorgung daher teuer. „Das ist ökonomisch sowie ökologisch der falsche Weg. Entsorgungs- und Baukosten zahlt zwar der Auftraggeber, sie sind aber mit den Anforderungen, zum Beispiel  bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nicht zu vereinbaren. Ökologisch betrachtet sind Transporte von Bodenaushub quer durch Deutschland ohnehin ein Wahnsinn“, erklärt Felix Pakleppa.

Dieter Babiel ergänzt: „Die Mantelverordnung erschwert nicht nur mit ihren primär auf Boden- und Grundwasserschutz ausgerichteten Regelungen die Verwertung mineralischer Abfälle. Viele komplizierte Regelungen und bürokratische Anforderungen werden im praktischen Baugeschehen im Ergebnis zu weniger Verwertung, mehr Deponierung und damit höheren Entsorgungskosten führen. Und das bei einer Verordnung, die die Planung, den Bau und die Unterhaltung nahezu jeder Straßenbaumaßnahme betreffen wird.“

Mineralische Ersatzbaustoffe, die einer strengen Qualitätskontrolle unterliegen, müssen darüber hinaus aus dem Abfallregime entlassen werden. „Recyclingbaustoffe dürfen nicht länger als Abfall gelten, sondern als das, was sie sind: Wertvolle Ressourcen und moderne, hoch innovative Baumaterialien“, erklärt Eric Rehbock.

„Würde die Mantelverordnung in der jetzigen Fassung beschlossen sind weitreichende Vollzugsprobleme bei Bauherren, Abfallerzeugern und Anlagenbetreibern vorprogrammiert; und es müssten deutlich mehr der wertvollen Bau- und Abbruchabfälle auf die Deponie, anstatt sie in der Kreislaufwirtschaft zu halten“, so die Schlussfolgerung von Andreas Pocha.

„Wir unterstützen ausdrücklich eine bundeseinheitliche Verordnung, die nicht auf reinen Absichtserklärungen zu mehr Ressourcenschutz beruht, sondern die Weichen sehr deutlich in Richtung einer Stärkung des Baustoffrecyclings stellt. Diese Konsequenz lässt der Bundesratsbeschluss leider vermissen. Wir legen der Bundesregierung daher nahe, unsere berechtigten Bedenken bei der Beratung zur Mantelverordnung zu berücksichtigen“, appellieren die  vier Verbände an die Bundesregierung.

Da über 80  Prozent der von der Mantelverordnung geregelten mineralischen Abfälle stammen originär aus dem Bau- und Abbruchbereich stammen, ist die Bau- und Abbruchwirtschaft von der Mantelverordnung weitaus stärker als andere Branchen betroffen.

JL/rd

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