Brancheninfo aktuell 44-11/2020

Brancheninfo aktuell 44-11/2020

Brancheninfo aktuell 44-11/2020 150 150 Klaus Henning Glitza

VKU und bvse zum Statusbericht der Deutschen Kreislaufwirtschaft 2020

 

Der VKU hebt die Potenziale der Kreislaufwirtschaft für den Klimaschutz hervor, während sich der bvse fragt ,was Recycling nütze, wenn die Recyclingprodukte nicht eingesetzt werden. In den Statements der beiden Verbände  zur  Veröffentlichung des „Statusberichts der deutschen Kreislaufwirtschaft“ wird indessen eine Übereinstimmung in Sachen Bioabfälle deutlich.

Der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp, hat den gestern veröffentlichten Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft als „eine ausgezeichnete Bestandsaufnahme der Branche“ bezeichnet, „der Fortschritte genauso aufzeigt wie die zukünftigen Handlungsfelder. Unter anderem mache der Bericht deutlich, wie wichtig es ist, die Klimaschutzpotenziale der Kreislaufwirtschaft mehr in den Fokus rücken.

Laut Hasenkamp sei das bisher Erreichte eindrucksvoll: „Die Emissionen im Sektor Abfallwirtschaft sind seit 1990 von 38 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (CO2eq) um 75 Prozent auf  Äquivalenten knapp zehn Millionen Tonnen CO2eq im Jahr 2018 gesunken. Wesentliche Ursache dafür ist die Schließung von Deponien für die Ablagerung unvorbehandelter Siedlungsabfälle im Jahr 2005 und ihre sukzessive Abdichtung gegen Methangasemissionen“. Dies sei dem Engagement der kommunalen Unternehmen zu verdanken. Der Blick in andere EU-Staaten zeige, dass noch zu viele Abfälle zu Lasten des Klimas ungenutzt deponiert. Erst bis 2030 solle diese Art der Umgang mit Abfällen beendet werden. „Das ist bedauerlich, denn die Beendigung der Deponierung ist eine vergleichsweise kostengünstige Form des Klimaschutzes“, konstatiert Hasencamp.

Der Vizepräsident: „Seit einigen Jahren beschleunigt sich ein Trend, der sich ebenfalls positiv auf die Klimabilanz der Branche auswirkt. Kommunale Abfallwirtschaftsbetriebe leisten oft in Kooperation mit anderen Unternehmen einen zunehmenden Beitrag zur dezentralen Energieerzeugung und -versorgung sowie zur Sektorenkopplung: Sie übernehmen die Versorgung von Industriestandorten mit Strom und Dampf, versorgen Bürgerinnen und Bürger mit Fernwärme, betanken Fahrzeuge mit aus Bioabfällen erzeugtem Biogas, wandeln Energie in speicherbaren Wasserstoff um oder nutzen Sonnen- und Windkraft auf abfallwirtschaftlich geprägten Flächen. Damit trägt die Fernwärmeversorgung aus der Abwärme der Abfallverbrennung konkret zum Kohleausstieg bei“.

Ein besonderes Augenmerk der kommunalen Entsorger liege auf den Bioabfällen, so Hasenkamp weiter. 2017 seien  mehr als zehn Millionen Tonnen unter Regie der kommunalen Abfallwirtschaft getrennt gesammelt worden-  etwa ein Drittel mehr als noch im Jahr 2005. Die Bioabfälle würden zu Biogas und Komposten verwertet. Die Kompostierung binde mehr als 30 Kilogramm CO2eq, insgesamt also rund 300.000 Tonnen pro Jahr.

„Die Potenziale der Bioabfallerfassung sind auch bei uns in Deutschland noch nicht vollständig genutzt“, stellt der VKU-Vizepräsident  fest. Zudem beeinträchtige der hohe Anteil an Plastiktüten aus sogenanntem „Bioplastik“ in der Biotonne die Qualität des erzeugten Komposts. Hasenkamp: „Die kommunalen Entsorger werben daher in zahlreichen Kampagnen dafür, Abfälle konsequent und sauber getrennt zu sammeln. Unsere Botschaft: ‚Wer seinen Müll sauber trennt, betreibt aktiven Klimaschutz!‘“

 ***

“Was nützt Recycling, wenn die Recyclingprodukte nicht eingesetzt werden?“. Diese brisante Frage  stellt Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, anlässlich der Veröffentlichung des “Statusbericht der Deutschen Kreislaufwirtschaft 2020” in den Raum.

Seinen Worten zufolge  fehle „nach wie vor der Wille, das Ruder herumzureißen“. Dabei wäre ein Kurswechsel machbar, denn allein Bund, Länder und Kommunen verfügten über ein direktes Beschaffungsvolumen von jährlich mehr als 122 Milliarden Euro. „Sie haben es in der Hand, der Kreislaufwirtschaft den entscheidenden Impuls zu geben und aus Worten endlich Taten werden zu lassen”, so Rehbock,

Der gestern veröffentlichte Statusbericht der Deutschen Kreislaufwirtschaft 2020, an dessen Erstellung sich der bvse mit 14 anderen Verbänden, Vereinen und Unternehmen beteiligt hat, gibt nach Einschätzung des Hauptgeschäftsführers einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit der deutschen Kreislaufwirtschaft. Mit einem Umsatz von rund 85 Milliarden Euro und über 310.000 Beschäftigten brauche sich die Recycling- und Entsorgungsbranche sicher nicht zu verstecken. “Gegenüber 2010 hat sich der Umsatz um satte 18  Prozent erhöht. Das zeigt, dass wir eine dynamische Zukunftsbranche und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland sind”, hebt Rehbock hervor.

Das zeige sich auch in der Innovationsfähigkeit der deutschen Kreislaufwirtschaft. “Bei der Anlagentechnik ist ‚Made in Germany‘ gefragt. Da sind wir Nummer 1 auf dem Weltmarkt”, so der bvse-Hauptgeschäftsführer. Dies sei aber kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, „denn die Konkurrenz ist hart und im internationalen Patentranking liegt Deutschland zwar mit der fünften Position im Spitzenfeld, aber eben nicht in Führung“.

Nach den Worten von Eric Rehbock muss die Kreislaufwirtschaft konsequent ausgebaut werden. Dazu müsse man verstehen, dass Kreislaufwirtschaft nicht beim Abfall anfange, sondern beim Produktdesign. Nur recyclingfähige Produkte können im Kreislauf geführt werden. Die Produkte wiederum sollten aus recyceltem Material hergestellt und von öffentlicher Hand, Gewerbe, Industrie und Privatkonsumenten nachgefragt werden.

“Von diesem Kreislauf sind wir aber leider noch ein ganzes Stück entfernt”, kritisiert der bvse-Hauptgeschäftsführer. Er fordert daher, dass die öffentliche Hand mit ihrem gewaltigen Nachfragepotenzial vorangeht. “Wenn das öffentliche Beschaffungsvolumen von mehr als 122 Milliarden Euro konsequent auf Nachhaltigkeit getrimmt wird, dann wären wir der Kreislaufwirtschaft in Deutschland einen großen Schritt näher!”

Zu einem richtigen Verständnis von Kreislaufwirtschaft gehöre aber auch zu erkennen, dass der weltweite Handel mit aus Abfällen gewonnenen Sekundärrohstoffen sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll ist. “Wir haben beispielsweise in Deutschland ein gut funktionierendes Erfassungssystem für alle wichtigen Sekundärrohstoffe, wie beispielsweise Fe- und NE-Metallschrotte oder auch Altpapier. Es wird dabei mehr gesammelt als in Deutschland oder der Europäischen Union wiedereingesetzt werden kann. Da ist es gut und richtig, dass diese Sekundärrohstoffe dorthin exportiert werden, wo sie benötigt werden.”

Genauso richtig sei es aber auch zu verhindern, dass Müll aus Deutschland an den heimischen Aufbereitungsanlagen vorbei irgendwo billig im Ausland verklappt wird. Das können die Bürgerinnen und Bürger zu Recht nicht nachvollziehen. Die Unternehmen der Branche erfassen die Abfälle und bereiten sie zu wertvollen Sekundärrohstoffen so auf, dass sie für die gewerbliche und industrielle Produktion genutzt werden können. Ohne die aktive Mithilfe der Menschen bei der getrennten Sammlung von Abfällen lässt sich aber keine Kreislaufwirtschaft realisieren.

Deswegen ist es so wichtig, dass beispielsweise im Zuge der anstehenden Novelle des Elektro-Gesetzes (ElektroG) die Erfassung von E-Schrott verbessert wird. Die bruchsichere und zerstörungsfreie Sammlung schadstoffenthaltender Elektronikaltgeräte ist dabei eine zwingende Voraussetzung, Schadstoffverschleppungen in den nachgelagerten Behandlungsprozessen sowie Brandrisiken zu vermeiden.

Eine ähnliche Problematik sieht der bvse auch im Bereich des Bioabfalls: Um qualitativ hochwertige Komposte und Gärprodukte zu erzeugen, müssten Bio- und Grüngut sortenrein erfasst werden. Denn die Erfassung sei der erste und entscheidende Schritt, die Wertschöpfungskette zu schließen. Der Bioabfall müsse bereits in der Abfalltonne möglichst frei von Fremdstoffen sein. Dazu sei eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit und die Kontrolle der Sortierung notwendig. Die technischen Möglichkeiten, über die Behandlung vorgegebene Qualitätsziele für Komposte zu erreichen, seien begrenzt.

“An einer möglichst sortenreinen Erfassung von Bioabfällen führt daher kein Weg vorbei”, macht bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock die wichtige Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger deutlich.

JL/DM/rd

 

 

 

 

 

 

Hinterlasse eine Antwort