Brancheninfo aktuell 26-11/2018

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150 150 Klaus Henning Glitza

Tönsmeier gewinnt LVP-Auftrag / Landkreis Viersen und Wesel wollen kommunalisieren

 

Die Firma Tönsmeier hat den LVP-Entsorgungsauftrag im Stadtgebiet Drensteinfurt (Kreis Warendorf, NRW) zum 1. Januar 2019 gewonnen. Da die dazugehörigen Verträge erst vor kurzem unterschrieben wurden und somit in den verbleibenden wenigen Wochen eine eigene Infrastruktur nicht kurzfristig geschaffen werden kann, hat Tönsmeier die Firma Stenau Entsorgungs-Kreislaufwirtschaft GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Ahaus als Subunternehmer beauftragt. Stenau kennt das Gebiet Drensteinfurt, da dieses Unternehmen bereits in früheren Zeiten die LVP-Entsorgung innehatte und dabei eine gute Figur machte.

Wie der für Abfallentsorgung zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung Drensteinfurt, Hans-Ulrich Herding, auf EM-Anfrage mitteilt, ist der neue Entsorgungsauftrag allerdings mit einer Änderung verbunden. Die gelben Säcke werden nicht mehr -wie bisher- an einem Tag, dem Mittwoch, abgefahren, sondern an zwei Tagen (Mittwoch und Donnerstag). Stenau hat angemeldet, dass nicht genügend Fahrzeuge und Personal zur Verfügung stehen, um, die komplette LVL-Entsorgung an einem einzigen Tag vorzunehmen.

Zwei Abfuhrtage- zwei Abfuhrbezirke. Hans-Ulrich Herding hat in den zurückliegenden Tagen den Abfallplan um zwei Seiten erweitert. Die Grenze der Abfuhrbezirke ist die durch das Stadtgebiet verlaufende Bundesstraße. Allerdings befürchtet der Stadtbedienstete Herding, dass der neue Abfuhrturnus an zwei unterschiedlichen Tagen nicht von allen Bürgern gleich verstanden werde und es bei ihm Anrufe in der Art hagele, zu welchen Abfuhrbezirk gehören wir denn eigentlich.

Den LVP-Entsorgungsauftrag hatte bislang die Firma Borchers inne. Mit diesem Unternehmen war die Stadt sehr zufrieden, aber Tönsmeier hatte bei der Ausschreibung das günstigere Angebot eingereicht.

khg

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Die niederrheinischen Kreise Viersen und Wesel wollen die Bioabfall-Behandlung kommunalisieren und planen deshalb in Asdonkshof (Stadtgebiet Kamp-Lintfort) den Bau einer Vergärungs- und Kompostierungsanlage für 22 Millionen Euro. Wie die Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) berichtet, stößt das Projekt auf Kritik bei der REMONDIS-Tochter Reterra, die aktuell für die Biomüllentsorgung zuständig ist und somit den Auftrag.

„Hierdurch bindet sich der Kreis Viersen für die Dauer von 28 Jahren an den Kreis Wesel, entzieht für diesen Zeitraum die Leistung der Bioabfall-Behandlung dem Wettbewerb, setzt 15 Arbeitsplätze im Kreis Viersen aufs Spiel, belastet die Bürger des Kreises mit Mehrkosten von mindestens 25 Mio. Euro und die Umwelt durch zusätzliche Transporte von Viersen in den Kreis Wesel”, schrieb Reterra Geschäftsführerin Barbara Juncker laut ZfK in einem Offenen Brief an Landrat Andreas Coenen (CDU).

Am 13. Dezember sollen die Mitglieder der Kreistage Viersen und Wesel über den Bau abstimmen. Die Vorbereitungen laufen seit rund drei Jahren. Aus der Sitzungsvorlage geht hervor, dass der Preis für die Behandlung von 1000 Kilogramm Bioabfall bei 79,53 Euro netto liegen soll. Juncker bezweifelt, dass der in einer Sitzungsvorlage genannte Preis für die Bioabfall-Behandlung von 79.53 Euro netto pro Tonne auf zutreffenden Grundlagen beruhe. So seien die Kosten für den Umschlag in Viersen, als auch der Transport des Bioabfalls aus dem Kreis Viersen nach Asdonkshof vergessen worden. Es seien deshalb Gesamtkosten von mindestens 123,83 Euro netto je Tonne zu berücksichtigen. Reterra könne dagegen eine Tonne Bioabfall für 83 Euro netto behandeln. Aus der Differenz ergäben sich bei einer Menge von 35.000 Tonnen pro Jahr und einer Laufzeit von 28 Jahren finanzielle Mehrbelastungen für die Bürger von knapp 25 Millionen Euro,

Dem hält der Umweltdezernent des Kreises Viersen, Andreas Budde, entgegen, die geplante Anlage sei solide kalkuliert. „Selbstverständlich kommen zum Selbstkostenpreis von 79,53 Euro netto noch Kosten für Umschlag und Transport von etwa 20 Euro netto hinzu“, räumt er laut ZfK ein. Dies sei auch transparent gemacht worden. Bei einer Ausschreibung gäbe es aber „keine Garantie, dass wieder ein Angebot für 83 Euro netto gemacht wird.”

Dezernent Budde führt außerdem an, dass 2016 die Kosten für die Entsorgung durch die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) noch bei rund 120 Euro netto pro Tonne gelegen. „Daraus lässt sich schließen, dass die Entsorger alleine 2016 offensichtlich auf Kosten der Bürger 1,3 Mio. Euro ohne nennenswerte Mehrleistung zusätzlich eingenommen haben“, erklärt er laut ZfK.  Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sei der Entschluss gefallen, die Bioabfall-Entsorgung zu kommunalisieren.

Am 13. Dezember entscheiden die Kreistage von Viersen und Wesel, wie es weitergeht.

khg

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