Brancheninfo aktuell 36-01/2020

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Rohstoffstrategie: Richtiger Ansatz, aber noch mehr möglich /  Bayerischer Umweltminister Thomas Glauber:  “Verfüll-Leitfaden auf dem Weg“

 

Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. sieht in der vor kurzem vorgelegten Rohstoffstrategie der Bundesregierung „richtige Ansätze“, mahnt aber zugleich eine weitere stärkere Förderung der Kreislaufwirtschaft an.

„Vergleicht man die Rohstoffstrategie von 2010 mit der aktuellen Vorlage, ist festzustellen, dass das Thema heute eine größere Bedeutung hat. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft muss jedoch bei allen Stoffströmen noch intensiver gefördert werden, damit Rohstoffe besser im Kreislauf gehalten werden können. Eine gute Entsorgungsstruktur ist zwar eine wichtige Voraussetzung, jedoch für sich genommen noch keine funktionierende Kreislaufwirtschaft“, erklärte BDE-Präsident Peter Kurth am vergangenen Montag in Berlin.

Der Verband sei überzeugt, dass die Recyclingfähigkeit von Produkten entscheidend für die Entwicklung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ist, die diesen Namen auch verdient. Zwingende Voraussetzung sei, dass bereits bei der Produktkonzeption nicht nur die gewünschten Produkteigenschaften, sondern auch die Schritte zur Aufbereitung und Verwertung des benutzten Materials mitgedacht werden müssen. Von der Produktgestaltung, insbesondere aber von der Auswahl und Kombination der verwendeten Materialien, hänge der spätere Recyclingerfolg ab, so Kurth weiter.

Die Rohstoffstrategie der Bundesregierung sollte aus Sicht des BDE auch beim Erreichen der Klimaziele eine stärkere Berücksichtigung finden. Voraussetzung für erfolgreichen Klimaschutz ist demnach eine Rohstoffwende, da der Einsatz von Recyclingrohstoffen in erheblichem Maße CO₂-Emissionen und auch den Energieverbrauch reduziert. Bei einem Einsatz von Aluminium-Rezyklaten werden beispielsweise bis zu 95 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart, die im Vergleich bei der Verwendung von Primärrohstoffen ausgestoßen werden. Kurth: „Die Bundesregierung hat mit der konsequenten Umsetzung ihrer Rohstoffstrategie die Chance, aktiven Klima- und Umweltschutz durch bessere Voraussetzungen für den Einsatz von Recyclingrohstoffen in der Produktion zu betreiben. Eine verpflichtende Mindesteinsatzquote wäre ein weiterer wichtiger Schritt für die Errichtung eines ökonomisch tragfähigen Rezyklatmarkts. Daran fehle es im bisherigen Klimapaket.“

Darüber hinaus ermuntert der BDE zu einer besseren Rohstoffversorgung durch Recyclingmaterialien, um Lieferabhängigkeiten zu reduzieren. So kommen derzeit mehr als 60 Prozent aller deutschen Rohstoffimporte aus Ländern, die von politischen und ökonomischen Risiken betroffen sind. Eine intensivere Förderung des Recyclings kann hier Abhilfe schaffen.

Kurth: „Es ist klar, dass nicht alle Primärrohstoffe substituiert werden können, allerdings benötigen wir eine effiziente Kreislaufführung, auch deshalb, um gegen Abhängigkeiten und Verknappungen gewappnet zu sein. Deutschland sollte die Möglichkeit nutzen, sein Rohstoffangebot durch die Förderung der Kreislaufwirtschaft zu erhöhen und somit ebenfalls die Rohstoffabhängigkeit aus Risikoländern zu reduzieren. Leider wird diese Möglichkeit bislang zu wenig erkannt.“

BSch/rd

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Zum bvse-Neujahrsempfang am 22. Januar hatte der bayerische Umweltminister und Festredner, Thorsten Glauber, vor allem für die Baustoffrecycler im Verband eine höchst erfreuliche Nachricht im Gepäck: Die Fortschreibung des Verfüll-Leitfadens wurde seinen Worten zufolge zwei Stunden zuvor auf den Weg gebracht.

Das Bayerische Umweltministerium, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, ist stolz auf seine Vorreiterrolle im Klimaschutz und in der Kreislaufwirtschaft. „In dieser Periode werden im bayerischen Klimaschutzpaket insgesamt eine Milliarde Euro für Projekte zur Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion zur Verfügung gestellt“, erklärte Umweltminister Thorsten Glauber. „Nicht zaudern, sondern handeln!“ laute nach seinen Worten  die Arbeitsdevise für nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

„Für die Kreislaufwirtschaft ist es wichtig, die richtigen Maßnahmen einzuleiten“, so der Minister. Der Fokus müsse darauf gesetzt werden, Rohstoffe möglichst ressourcenschonend einzusetzen. Die spätere Rückführung als Sekundärrohstoffe in den Kreislauf sei darüber hinaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Nachhaltiges Wirtschaften ist das Wirtschaften der Zukunft“, machte Glauber deutlich. In Bayern würde aus diesem Grund viel Geld für Forschungsprojekte als Zukunftsinvestition in die Hand genommen.

Als Architekt liege ihm insbesondere der Bereich des Baustoffrecyclings am Herzen, versicherte der bayerische Umweltminister weiter. „Ich halte es für nicht nachhaltig, wenn wir diese besten Rohstoffe nicht zurück in den Kreislauf bringen. Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, beste Rohstoffe zu haben, um sie am Ende zu deponieren“, erklärte Glauber.

„Wir müssen es schaffen, als Staat in unseren eigenen Bauprojekten den Nachhaltigkeitsgedanken nicht nur zu schreiben, sondern auch zu leben. Deshalb beabsichtigen wir diese Themen in Zukunft noch einmal stärker in die Umsetzung zu bringen“, kündigte der Minister an. Dass „sein“ Umweltministerium dabei auch pragmatische eigene „bayerische Wege“ gehe, enthüllte Thorsten Glauber den überraschten Gästen in einer späteren Fragerunde.

„Wir haben die von der Branche langersehnten und bis in den Dezember hinein heiß diskutierte Fortschreibung des Verfüll-Leitfadens vor zwei Stunden auf die Reise geschickt. Im Zuge der Mantelverordnung bin ich ein klarer Verfechter dafür, dass wir hier unseren bayerischen Weg weitergehen können. Dafür werden wir alles in die Waagschale werfen“, betonte Glauber. Der Verfüll-Leitfaden ist eine nur für Bayern gültige sogenannte „Ermessenslenkende Verwaltungsvorschrift“.

Die gute Atmosphäre und die sehr mittelstandsfreundliche Gesinnung bis in die Landespolitik hinein, seien immer wieder gute Gründe, das Jahresauftaktevent des bvse in Bayern zu begehen, erklärte der bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock. „Dem Mittelstand unserer Branche fehlt oft die Unterstützung – als wären wir ein Dauer-Selbstläufer. Dem ist aber nicht so. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen für die Kreislaufwirtschaft und vor allem politische Entscheidungen“, machte Rehbock deutlich. Die Bayerische Landesregierung sei hier oft ein sympathischer und engagierter Vorreiter. „Wenn anderswo nichts unternommen wird, wagt Bayern oftmals doch einen – in der Regel – mittelstandsfreundlichen Vorstoß“, lobte Verbandshauptgeschäftsführer Eric Rehbock die Aktivitäten des bayerischen Umweltministeriums.

„Für die Zukunft erhoffen wir uns von der Politik noch mehr Unterstützung dafür, weitere Kapazitäten für die Verarbeitung von Sekundärrohstoffen zu schaffen und neue Absatzwege zu ermöglichen“, erklärte die Vorsitzende des bvse-Landesverbandes Bayern, Christiane Neuhaus. Die Branche musste sich im Jahr 2019 mit einem Preisverfall für Rohstoffe beschäftigen, die die wenigsten in dieser Dimension erwartet hatten. Gemeinsames Ziel, auch im Interesse des Klimaschutzes, müsse es sein, dass Europa es schafft, die eigenen Kreisläufe zu schließen, hob die bvse-Landesvorsitzende hervor.

ZI/rd

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