Brancheninfo aktuell 29-12/2019

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150 150 Klaus Henning Glitza

 Duale Systeme: Tiefgreifende Veränderungen im nächsten Jahr?

 

Welche tiefgreifenden Veränderungen wird es voraussichtlich  in 2020 bei den dualen Systemen geben? Was passiert mit dem Grünen Punkt (DSD)? Werden andere Systeme möglicherweise den Eigentümer wechseln? Der Versuch einer Bestandsaufnahme.

Neu auf dem Markt wird sich wie bereits berichtet  die jüngst gegründete Recycling Dual GmbH bewegen. Bei diesem weiteren dualen System hält die Smurfit Kappa Recycling GmbH mit 51 Prozent die Mehrheit der Gesellschaftsanteile.  Das entspricht einem Kapital von 612.000 Euro. Mit jeweils 24,5 Prozent (Äquivalent 294.000 Euro) sind Michael Walter Mevissen, Jahrgang 1956, und Herrmann Josef Gerken, Jahrgang 1955, dabei.  Beide in Tönisvorst (Niederrhein) lebenden Männer sind erfahrene Abfall- und Recyclingexperten. Der Sitz der Recycling Dual GmbH ist -ebenso wie der Sitz der Smurfit Kappa Recycling GmbH- Mönchengladbach.

Die Recycling Dual GmbH, die voraussichtlich 2021 an den Start gehen wird, ist nach PreZero Dual, dem System der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), der zweite Vorstoß für eigene duale Systeme von Industrie und Handel. Nach EM-Informationen ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass weitere Rücknahmesysteme dieser Art folgen.

Nach den misslichen Erfahrungen von PreZero Dual und offenbar auch des neuen Systems des Recycling Kontors (wegen langwieriger Genehmigungsverfahren ist in 2020 kein bundesweit flächendeckender Bundesstart möglich)  rücken auch wieder bereits operativ  aktive Systeme in den Fokus. Nach EM-Informationen ist mindestens eines der bestehenden dualen Systeme verkaufsbereit. Es handelt sich dabei aber nicht um ein größeres Unternehmen, wie vereinzelt kolportiert wurde, sondern um eines der kleineren ohne Konzernanbindung.

Mit Spannung wird derweil in der Branche verfolgt, wie es mit der zunächst abgesagten Elefantenhochzeit von REMONDIS und dem Dualen System Deutschland (DSD) weitergeht. Wie berichtet, steht Anfang Februar 2020 der Verhandlungstermin beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf  an. REMONDIS hat bekanntermaßen das OLG nach der Fusionsuntersagung des Bundeskartellamtes angerufen. Insider sprechen davon, dass bei DSD insgeheim an einem „Plan B“ gearbeitet wird.

Mit einem OLG-Beschluss wäre der Rechtsweg im Übrigen noch nicht ausgeschöpft. Für beide Seiten ist die Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof eine Option. Aus REMONDIS-nahen Kreisen ist bekannt geworden, dass der Lünener Entsorgungsriese „auf jeden Fall alle zu Gebote stehenden Möglichkeiten nutzen wird“. Wichtiger als DSD wird aber offenbar im Augenblick die Übernahme des Energiekonzerns STEAG angesehen.

Der Grund: STEAG ist oberste Chefsache von Ludger Rethmann, während es sich bei der  DSD-Übernahme vor allem ein Projekt des Topmanagers Max Arnold Köttgen handelte, Und: Anders als die „Operation STEAG“ war und ist die Elefantenhochzeit im Hause REMONDIS heftig umstritten. Interne Kritiker, die zum Teil quasi aufs Abstellkreis geschoben wurden, erheben- wenn auch leise und ehrfürchtig- wieder ihre Stimme.

khg

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