Brancheninfo aktuell 29-07/2020

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150 150 Klaus Henning Glitza

Erneuter Brand im Zwischenlager in Bremerhaven / CDU und FDP fordern zeitnahe Verlegung 

 

Im Zwischenlager auf der Mülldeponie Grauer Wall in Bremerhaven ist am Donnerstagabend aus unbekannten Gründen auf einer Fläche von zirka 1.000 Quadratmeter Feuer ausgebrochen. Für die direkten Anwohner ist das inzwischen fast schon ein gewohntes Ereignis.

Es handelte sich um den zweiten Brand in kurzer Folge. Schon in der ersten Junihälfte war Hausmüll in Flammen aufgegangen. Allein zwischen 2012 und 2015 musste die Feuerwehr Bremerhaven nach Angaben der Bürgerinitiative “Keine Erweiterung Grauer Wall“ (BIKEG) sieben Mal anrücken. Im Zwischenlager werden Hausmüll und Gewerbeabfälle zwecks anschließender thermischer Behandlung in der Müllverbrennungsanlage Bremerhaven gelagert.

„Bereits auf der Anfahrt war eine starke Rauchentwicklung sichtbar. Dies führte auch zu zahlreichen Notrufen über die Notrufnummer der Feuerwehr 112“, heißt es im Einsatzbericht der Feuerwehr Bremerhaven. Eine direkte Personengefährdung habe aber nicht bestanden. Bei Messungen seien keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen festgestellt worden. Die Warnung der Bevölkerung konnte deshalb aufgehoben werden.

Aufgrund des schnellen und massiven Eingreifens der Feuerwehr wurde das Feuer rasch unter Kontrolle gebracht und gelöscht. Um 20:45 Uhr (Alarmauslösung 18.43 Uhr) konnte “Feuer aus” gemeldet und mit den Aufräumarbeiten begonnen werden. Einsatzende für alle 40 Kräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren Lehe und Weddewarden war um 23 Uhr.

Die Feuerwehr hebt hervor, dass der Betreiber der Anlage die Wehrleute während der gesamten Einsatzdauer unterstützt habe. Im Anschluss an die Löschmaßnahmen, ich habe der Betreiber eine Brandsicherheitswache eingesetzt und die Überwachung des betreffenden Bereichs sichergestellt. – Zur Brandursache liegen noch keine Informationen vor. Die Polizei ermittelt.

Zur Beunruhigung hat der erneute Brand bei den direkten Anwohnern, aber auch in Teilen der Politik geführt. Die örtliche CDU fordert von der Betreibergesellschaft Bremerhavener Entsorgungsgesellschaft (BEG) eine Verlegung des Hausmüll-Zwischenlagers. Weit weg vom nächsten Wohngebiet. „Die regelmäßigen Brände seien den Anwohnern nicht länger zuzumuten, sagt Thorsten Raschen, Fraktionsvorsitzender der Bremerhavener CDU, Niemand möchte „in seiner unmittelbaren Nachbarschaft eine solche Gefahrenquelle haben“. In Abwägung der „wirtschaftlichen Interessen der BEG gegenüber der Gefährdung der Gesundheit der ‚Parkbewohner‘ müsse hier „endlich eine Entscheidung für die Bürger fallen.“

Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Jens Grotelüschen, hat derweil auf den Koalitionsvertrag zu verwiesen, dem zufolge der Deponie so schnell wie möglich, spätestens 2030, geschlossen werden soll. „Es ist belastend, dass es schon wieder einen Großbrand mit erheblicher Rauchentwicklung auf dem Deponiegelände gegeben hat. Die BEG als Betreiber muss mehr tun, um diese Brände zu verhindern“, so der Liberale.

Unisono kritisieren CDU und FDP laut des Radio-Bremen-Formats „buten un binnen“, dass die Bevölkerung zu spät über den Brand informiert worden sei. Als eine schwarze Rauchsäule in die Höhe stieg, sei der nahe Park „zu dieser Zeit von vielen Sportlern und Spaziergängern besucht“ gewesen und „auf den Straßen spielten Kinder“. Doch erst in den Regionalnachrichten um 19:40 Uhr „wurde eine Warnmeldung herausgegeben, dass die Türen und Fenster geschlossen werden sollen“. Zu diesem Zeitpunkt sei die Rauchwolke aber bereits verschwunden gewesen.”, schildert CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Raschen die Situation, Dem schließt sich die FDP-Fraktion an. Die Warnhinweise seien deutlich zu spät gekommen.

Auch Sabine Harnisch vom Vorstand der Bürgerinitiative “Keine Erweiterung Grauer Wall“ (BIKEG) äußerte sich gegenüber  buten un binnen besorgt. Die Gefahr werde “systematisch verharmlost”, sagte sie.

Die Bremerhavener Entsorgungsgesellschaft mbH ist eine GmbH mit kommunaler Minderheitsbeteiligung. Die BEG, deren Fahrzeuge in typischer rot-weißer REMONDIS-Optik gehalten sind, gehört zu 25 1 Prozent der Stadt Bremerhaven und zu 74.9 Prozent einer Holding Entsorgung Bremerhaven GmbH. Hinter letzterer Gesellschaft stehen mit 95 Prozent die REMONDIS Kommunale Dienste Nord und die Nehlsen AG, Bremen (fünf Prozent).

khg

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