Brancheninfo aktuell 28-04/2021

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150 150 Klaus Henning Glitza

DGAW schreibt an Ministerium:  Sind  einige Maßnahmen gegen die Plastikflut „pseudowirksam“?

 

Als „pseudowirksam“ hat die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW)  einige Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs von Einweggetränkebechern und To-Go-Lebensmittelbehältnissen aus Kunststoff in einem Brief an das Bundesumweltministerium (BMU) bezeichnet.

Anlass des vom DGAW-Vorstandssprecher  Dr. Alexander Gosten und Geschäftsführerin Isabelle Henkel unterzeichneten Schreibens ist ein  Bericht des Ministeriums  an die Europäische Kommission über die in Deutschland getroffenen oben genannten Maßnahmen.

Wörtlich wird  ausgeführt: „Wir unterstellen, dass die Maßnahmen eine deutliche Trendumkehr und eine messbare quantitative Minderung der Einwegkunststoffartikel herbeiführen sollen.  Bisher haben allerdings weder die gesetzlichen Grundlagen und Programme noch die diversen Kampagnen, Initiativen, 5-Punkte-Pläne oder Förderprojekte, die es seit Jahren in diesem Bereich gibt, für eine Reduktion an Verpackungsabfällen oder einer Erhöhung der Mehrwegquote gesorgt. Im Gegenteil: Die Verpackungsabfälle sind 2018 erneut auf einen neuen Rekord gestiegen und die Mehrwegquote sinkt kontinuierlich. Laut des aktuellen Berichts aus dem Jahr 2019 des Umweltbundeamtes beträgt der Mehrweganteil nach den neuen Berechnungsregeln des Verpackungsgesetzes nur 41,1 Prozent. Ziel sind jedoch 70 Prozent.“

Mit der EU-Kunststoffstrategie, dem Verbot von bestimmten Einwegkunststoffartikeln, dem Green Deal und dem Aktionsplan Kreislaufwirtschaft versuche die EU nun, der tatsächlichen Entwicklung gegenzusteuern, führten die DGAW-Spitzen weiter an. So sollen laut  Einwegkunststoffverbotsverordnung durch Verbote rund 9.500 Tonnen EPS und marginale Mengen an Kunststoffen für Bestecke, Rührstäbchen, Wattestäbchen et cetera weniger in den Verkehr gebracht werden. Das Ziel, Unternehmen zu umweltfreundlichen Mehrweglösungen zu animieren, stehe jedoch aus DGAW-Sicht infrage.

Denn aktuell würden „viele Einwegkunststoffprodukte durch faserbasierte Verbunde substituiert, die noch schlechter beziehungsweise gar nicht recycelbar sind“. Dem Kunden vermittelten  diese auf Papier- oder Pflanzenbasis (Palmblätter, Bambus, et cetera) hergestellten Verbunde jedoch „den Eindruck der Umweltfreundlichkeit und Recyclingfähigkeit, vielleicht sogar der biologischen Abbaubarkeit“, geben Dr. Alexander Gosten und Isabelle Henkel zu bedenken.

In Anbetracht einer Menge von rund zwölf Millionen Tonnen Kunststoff, die laut des Conversio-Stoffstrombilds Kunststoffe 2019 allein in Deutschland verbraucht wurden und von denen 3,22 Millionen Tonnen auf Verpackungen entfielen, handele es sich „um einen lächerlich geringen Effekt, der reiner Populismus ist und nicht den Ansprüchen einer wirklichen Kreislaufwirtschaft genügen kann“, wird in dem Schreiben das Bundesumweltministerium hervorgehoben.

„Effektiver wäre deshalb die verstärkte Förderung von Mehrwegsystemen und-lösungen, die die Letztvertreiber in die Rücknahmepflicht nehmen“, betonen der Vorstandssprecher und die Geschäftsführerin weiter. In diesem Zusammenhang wären nach Einschätzung der DGAW Poollösungen für Mehrweg-Getränke- und Lebensmittelbehälter und erhöhte Lizenzentgelte für Einweg-Kunststoffbehälter besonders zu fördern und in der gesamten EU kurzfristig das Deponieverbot für Kunststoffe umzusetzen. Die extrem langen Ausnahmegenehmigungen seien ein wesentliches Problem der europäischen Umweltpolitik, .

Sofern der Kunststoff energieeffizient verbrannt wird, wird Kohle und Importgas subsituiert, „was ökologisch in jeder Beziehung vorteilhafter ist als eine pseudowirksame Maßnahme gegen Wattestäbchen und Einwegbecher“, so der Schlusssatz des Schreibens an das BMU.

SwS/rd

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