Brancheninfo aktuell 24-12/2019

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150 150 Klaus Henning Glitza

Weserpark: Schließung eines Recyclinghofes in Bremen erregt Gemüter der betroffenen Bürger

 

Und da sage noch jemand, Entsorgung und Recycling seien Themen, die niemanden außerhalb der Fachwelt interessieren… Der beste Gegenbeweis ist die breite Unterstützungswelle von mehr als 1.100 Menschen (letzter bekannter Stand 1.155),  die sich im Zuge einer Online-Petition für den Erhalt des Recyclinghofes auf dem Parkplatz des Bremer Einkaufskaufzentrums Weserpark  oder eine ortsnahe Übergangslösung ausgesprochen haben.

Die Anlage ist seit September dieses Jahres geschlossen, weil starke Zweifel aufkamen, ob sie den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Ein Fachgutachten hat diese Zweifel in allen Punkten bestätigt.

„Die Bremische Bürgerschaft möge sich dafür einsetzen, dass die Recycling-Station am Weserpark für einen weiteren Betrieb ertüchtigt oder durch einen in der Nähe liegenden anderen Standort ersetzt wird“, heißt es in der Petition.  Die vorgesehene ersatzlose Schließung der Station würde die Bewohner der Stadtteile Osterholz, Mahndorf und Arbergen erheblich beeinträchtigen. Der Verweis auf die Stationen in Oberneuland oder Hemelingen führe nicht nur für die Anwohner zu deutlich längeren Anfahrtswegen, sondern würde auch die Kapazität dieser Stationen übersteigen. Schon jetzt gebe es an der Station Oberneuland erhebliche Zu- und Abfahrtsprobleme und gerade zu den Wochenenden erhebliche Staus.

„Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, beklagt Wolfgang Schäfer aus Osterholz, einer der Initiatoren der Online-Petition.  Die Anlage einfach dichtzumachen, ohne Beteiligung der Betroffenen oder einen „Runden Tisch“, so könne „man nicht mit Bürgern umgehen“.

Nach Angaben der Bremer Stadtreinigung  (DBS) musste die vom Vorbetreiber am 1. Juli 2018 übernommene Anlage  wegen sicherheitstechnischer Mängel geschlossen werden. Auch entspreche sie nicht dem bundesüblichen Standard.  „So wie er ist, kann der Recyclinghof nicht weiterbetrieben werden“, so DBS-Sprecherin Antje von Horn. Ein Fachgutachten habe „Defizite bei den Anforderungen an Pausen- und Sanitärräume aus der Arbeitsstättenverordnung und den Arbeitsstättenrichtlinien, bei der Einhaltung der Lastenhandhabungsverordnung bei der Bedienung des rückseitigen Tores, bei den Anforderungen an die Verkehrswege und die vorhandene Schrägrampe sowie bei den Anforderungen an technische und organisatorische Schutzmaßnahmen vor dem Hintergrund von Alleinarbeit“ offengelegt.  Die festgestellten Mängel ließen „sich leider vor allem aufgrund der sehr geringen und auf dem Grundstück nicht erweiterbaren Betriebsfläche der Station nicht unmittelbar beheben“, teilt die Bremer Stadtreinigung mit.

Außerdem seien bauliche Veränderungen zu teuer.  Die Investition  sei besser bei der Errichtung eines neuen, großzügiger gefassten  Standorts aufgehoben, so Pressesprecherin von Horn. Der Recyclinghof Weserpark sei der allerkleinste in Bremen, die Platzverhältnisse  gelten als sehr beengt.  Bereits am 27. November wurde  der Verwaltungsrat der Bremer Stadtreinigung über die beabsichtigte Schließung informiert. Vorsitzender des Gremiums ist Umwelt-Staatsrat Ronny Meyer.

Es sei an einen Neubau  auf einer rund 5.000 Quadratmeier große Flächen an anderer Stelle gedacht, macht Antje von Hoorn deutlich.  Ein alternatives Grundstück sei jedoch noch nicht gefunden worden. Eine Zwischenlösung für die Zeit zwischen Schließung und Neubau sei nur möglich, wenn das Weserpark-Management  ein zusätzliches Areal zur Verfügung stelle.

Rückendeckung bekommen die betroffenen Bürger  von der CDU-Beiratsfraktion Osterholz.   „Der Senat sollte ernst nehmen, was in der Petition gefordert wird und wie viele Menschen jetzt schon dahinter stehen!“ , so Jörn Krauskopf, stellvertretender Sprecher der CDU-Fraktion und Sprecher des Arbeits- und Wirtschaftsausschusses.

Monika Mehrtens, Centermanagerin des Weserparks, signalisierte laut Weser Kurier grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, sagte aber auch, dass die Stadtreinigung  „noch nicht mit konkreten Anfragen an das Centermanagement herangetreten“ sei.

Anfangserfolg der Bürgerpetition: Anfang Januar wollen sich Bürgervertreter, Kommunalpolitiker  und Repräsentanten der  Stadtreinigung zu einem  Gespräch zusammenfinden. Mit welchem Ergebnis, bleibt abzuwarten.

khg

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