Brancheninfo aktuell 23-10/2018

Brancheninfo aktuell 23-10/2018

150 150 Klaus Henning Glitza

 

Stadtwerke brauchen neuen Chef /Achtung: Sperrmüllbetrüger unterwegs / Gelber Sack: Richtig entsorgen / Haan: Gut eine Mio. Gewinn

 

Die Stadtwerke in Frankfurt (Oder) und die Frankfurter Dienstleistungsholding GmbH müssen die Führungspositionen neu besetzen. Jörg Neuhaus, Alleingeschäftsführer der beiden Gesellschaften, verlässt am 30. Juni 2019 vorzeitig „aus persönlichen Gründen“ die Unternehmen.

Aufsichtsratschef Wolfgang Neumann (Die Linke) bezeichnete laut Märkische Onlinezeitung (MOZ) die Gründe als „nachvollziehbar und zu akzeptieren“. Neuhaus habe die Stadtwerke auf Erfolgskurs gehalten und wichtige Investitionen angeschoben. Die Ausschreibung der Stelle sei bereits in die Wege geleitet.

Die Stadtwerke Frankfurt (Oder) gehören zu 51 Prozent der Frankfurter Dienstleistungsholding GmbH, zu 39 Prozent dem Verteilnetzbetreiber Edis und zu zehn Prozent der Oldenburger EWE Vertrieb.

moz/khg

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In Berlin, Chemnitz und anderen Orten in Deutschland treiben Sperrmüll-Betrüger ihr Unwesen.  Sie geben sich als reguläre Entsorger aus, aber dann verlangen sie hohe „Gebühren“, obwohl die Dienstleistung Sperrmüllabfuhr einmal im Jahr weitestgehend kostenlos ist. Dahinter stecken kriminelle Strukturen und Firmengeflechte, die alle Naslang ihren Namen ändern.

Allein in Berlin wurde in mehr als 100 Fällen Anzeige erstattet. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein. Es ist anzunehmen, dass Geschädigte die geforderten Wucherpreise bezahlten, jetzt aber stocksauer auf die „unverschämten Preisvorstellungen“ Ihres Entsorgers sind. Dabei hatte das reguläre Unternehmen mit der Sache absolut nichts zu tun.

Die Masche der Betrüger: Sie schalten bezahlte Google-Anzeigen, die bei der Internetsuche immer ganz oben stehen. Wer auf die Webauftritte dieser Unternehmen geht, findet häufig Seiten vor, die von regulären Seiten kaum zu unterscheiden. Farben, Aufmachung, Logos- alles bewusst auf Verwechslung angelegt.  Wer bei diesen „Dienstleistern“ anruft, bekommt einen günstigen Preis genannt. Am Telefon sind geschulte Call-Center-Agenten- und die wissen natürlich, wie man „seriös“ auftritt und das Gegenüber um den Finger wickelt.

So weit so „gut“, meint bis zu diesem Punkt so mancher Bürger. Aber dann folgt die kriminelle Kehrseite der Medaille.  Ist der Sperrmüll aber erst einmal mindestens zur Hälfte aus dem Haus geschleppt und aufgeladen, konfrontieren die Gangster die überwiegend älteren Geschädigten mit einer überhöhten Rechnung.  Begründet wird das oft mit angeblichem Sondermüll oder Mengenüberschreitungen.  In subtiler Art wird die Forderung dadurch bekräftigt, dass viele der Abholer wie Kraftathleten oder Preisboxer wirken und nicht selten in einschüchternd großen Scharen auftreten. „Emotionalen Druck“ nennt das Landeskriminalamt Berlin diese Art der versteckten Drohung.

„Nur Bares ist Wahres“ scheint die Devise der Betrüger zu sein. „Überweisen- das geht nicht, wir sind zur Barzahlung verpflichtet“, erzählen die Betrüger sinngemäß. Ansonsten werde wieder abgeladen- mitten auf den Gehweg.  Wer nicht genug Bargeld in der Tasche hatte, ist nach Angaben der Berliner Polizei in einzelnen Fällen bis zum Geldautomaten begleitet worden. Eine Rechnung gibt es selbstredend nicht.

Mit einem wahrhaften Mondpreis schoss einer dieser Täter, ein Bugra G., in der Bundeshauptstadt Berlin den Vogel ab. Er verlangte für die Entsorgung eines Klappsofas, einer Eckcouch und eines kleinen Tisches sage und schreibe 3.000 Euro.  Dafür und für etliche weitere Fälle wurde der bereits vorbestrafte Mann vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Bewährungsstrafe zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.  Der Tatvorwurf: Neunfacher Wucher in Tateinheit mit achtfachem Betrug und sechsfacher Erpressung. Außerdem wurden knapp 18.000 Euro des kriminellen „Gewinns“ eingezogen, Ansonsten aber verließ er mit zufriedenem Lächeln als freier Mann das Gericht, wie Beobachter berichten.

Voreilige Beobachter hatten angenommen, dass mit der Festnahme von Bugra R. das Thema Sperrmüllbetrug in Berlin erst einmal vom Tisch war. Eine kapitaler Trugschluss. Denn während der Mann in Untersuchungshaft saß, ging der Sperrmüllbetrug in Berlin munter weiter.  Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Verurteilte nichts weiter war als ein beliebig austauschbarer Frontmann einer kriminellen Struktur, die weiter existierte. Sie hatte einen Bauern verloren, nicht König oder Dame.

Das sah auch Amtsrichter Sascha Daue so. Laut B.Z. bedauerte er, „dass die Berliner Strafverfolgungsbehörden offensichtlich kapitulieren und diese Bande weiter so tätig ist (…) Wir verurteilen hier nur die Spitze des Eisberges, vielleicht zehn Prozent. Das spielt sich immer noch so ab in Berlin.“ Es gebe „eine Vielzahl von Tätern im Hintergrund“. Doch an die Hintermänner, die wirklichen Nutznießer des Betruges, kamen weder Polizei noch Staatsanwaltschaft heran. Die B.Z. textete; „Mit der Müll-Mafia ist es wie mit der Hydra: Schlage einen Kopf ab, zwei Köpfe wachsen nach“.

Auch in Chemnitz sind Sperrmüll-Betrüger unterwegs. Der Fall liegt in der sächsischen Metropole aber etwas anders. Die Gangster, die sich als Mitarbeiter des Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetriebes der Stadt Chemnitz (ASR) ausgeben, erscheinen zum just zu jenem Termin, der zuvor mit dem kommunalen Unternehmen ausgemacht worden war. Das kann kaum ein Zufall sein, so ein Ermittler zu EM.

Tag 24,de berichtet über den Fall des Ehepaars Gabriele und Hans-Jürgen Görner aus Reichenbrand, einem Ortsteil im Westen der Stadt Chemnitz.  Die Rentner wollten ein altes, bereits zerlegtes Kinderzimmer in den Sperrmüll geben.

Nachdem sie die offizielle ASR-Servicenummer angerufen hatten, erschienen Abholer, und zwar exakt zum gewählten Termin, Dem Ehepaar kam trotzdem alles recht spanisch vor. „Statt orange war der angebliche ASR-Mercedes grün”, so Tag24.  Und weiter: Als die Möbelteile verladen waren, „zeigte ein Arbeiter ein Schriftstück mit dem Hinweis ‚Barzahlung“ und kassierte 175 Euro“.

Das geschah nicht zum ersten Mal, so ASR-Sprecherin Beate Bodnár zu Tag24.de. Bereits drei Fälle dieser Art habe es im Raum Chemnitz gegeben. Wie die Gangster an die ASR-Auftragsdaten kamen, ist unklar. Die Polizei ermittelt. Und die ASR nimmt die Betrügereien zum Anlass, alle Mitarbeiter mit Hausausweisen auszustatten.

Wer nicht zum Opfer werden will, sollte immer direkt das zuständige Entsorgungsunternehmen kontaktieren.

Suchen Sie gezielt nach diesem Unternehmen und seien Sie vorsichtig bei Google-Anzeigen, die beim Suchbegriff Sperrmüll auf dem Bildschirm auftauchen.

Lassen Sie sich nicht von Ähnlichkeiten blenden, gucken Sie genau hin.

Ist es wirklich die Webseite Ihres Entsorgers?

Sind die ersten Ziffern der Telefonnummer mit der Einwahlnummer des regulären Entsorgungsunternehmens identisch? Bei der Berliner Stadtreinigung beginnen beispielsweise sämtliche Rufnummern mit der 7592.

Geben Sie sich nicht mit einem mündlich mitgeteilten Preis zufrieden, fordern Sie ein schriftliches Angebot an. Ein seriöses Unternehmen wird Ihnen diese Offerte schicken, während Sie von einem unseriösen Anbieter vermutlich nie wieder etwas hören werden.

Kommt Ihnen etwas verdächtig vor, rufen Sie Ihren regulären Entsorger an. Machen Sie dies aber zum Eigenschutz nie im Beisein der suspekten verdächtigen Abholer. Begeben Sie sich unter einem Vorwand in Ihre Wohnung/Ihr Haus und verschließen Sie die Tür.

hk

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Hinweise zum richtigen Umgang mit dem Gelben Sack beziehungsweise der Gelben Tonne gibt BellandVision GmbH, nach dem Marktführer DSD (Grüner Punkt) das zweitgrößte Duale System in Deutschland.

Die Zeit sei vorbei, „in der wir es uns leisten konnten, dass Ressourcen verloren gehen“, heißt es in einem Statement der in Pegnitz (Oberfranken) ansässigen Tochter des SUEZ-Konzerns.   „Jede Verpackung im Gelben Sack zählt Für Verpackungen im Restmüll gibt es kein zweites Leben“, wird betont.   Daher müsse es für jeden Haushalt bei Verpackungen heißen: „viel sammeln, gut sortieren“ und Wiederverwertbares nicht in den Restmüll werfen.

Doch was gehört eigentlich in den Gelben Sack/ beziehungsweise in die Gelbe Tonne?

Nach Angaben von BellandVision gingen Verbraucher davon aus, dass nur Verpackungen mit Kennzeichnungen, zum Beispiel dem Grünen Punkt, im Gelben Sack/der Gelben Tonne gesammelt werden müssen. Das sei aber „leider nur die halbe Wahrheit“. Denn richtig sei: Alle Verpackungen aus Kunststoff, Aluminium und Weißblech sowie sogenannte Verbunde (z.B. Getränkekartons) gehörten in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Landeten Verpackungen jedoch erstmal in der grauen Restmülltonne, würden sie verbrannt.

BellandVision: „Damit sind die darin enthaltenen Rohstoffe verloren und sie werden nie als Recyclat ein zweites Leben bekommen. Das immer noch verbreitete Missverständnis, dass nur Verpackungen mit einer Kennzeichnung in den Gelben Sack kommen, hat seinen Ursprung in historischen Zeiten, als nur ein duales System bestand und Verpackungen als Beteiligungsnachweis per Gesetz gekennzeichnet werden mussten. Diese Kennzeichnungspflicht ist aber bereits seit zehn Jahren entfallen.“

Heutzutage seien aufgedruckte Firmenlogos von dualen Systemen „nur noch“ Firmenlogos wie alle anderen auch. „Deshalb taugen sie nicht mehr als ausschließliches Erkennungszeichen zur richtigen Sammlung im Gelben Sack/der Gelben Tonne. Richtig ist: Alle Verpackungen gehören in den Gelben Sack/die Gelbe Tonne, auch ohne Kennzeichnung“, verdeutlicht BellandVision.

„Denn Ressourcenverschwendung und unnötigen CO2-Ausstoß können wir uns in Zeiten von Ressourcenknappheit und Klimawandel nicht mehr leisten. Zudem hat der Gesetzgeber im neuen Verpackungsgesetz die Recyclingquoten für Verpackungen ab 2019 drastisch erhöht und erstmals auch den Verbraucher gesetzlich verpflichtet, getrennt zu sammeln“, teilt das Unternehmen mit.

rd/bem

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Die Stadtwerke Haan haben einem Bericht der Rheinischen Post zufolge 2017 gut eine Million Euro Gewinn gemacht. Wie die Tageszeitung meldet, beschloss die Gesellschafterversammlung auf Empfehlung des Aufsichtsrates, den Jahresüberschuss komplett an die Stadt Haan (482.318 Euro) und die Innogy SE (vormals RWE, 520.683 Euro) auszuschütten. Innogy hält 25,1 Prozent der Anteile an den Stadtwerken Haan, die Stadt Haan 74,9 Prozent.

rp/bem

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