Brancheninfo aktuell 21-02/2020

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150 150 Klaus Henning Glitza

Rückschlag für PreZero Dual: Bundesweiter Betrieb in Frage gestellt

 

Rückschlag für die PreZero Dual GmbH. Gut sechs Wochen nach dem Start ist der bundesweite Systembetrieb deutlich in Frage gestellt.

Wie EUWID berichtet, hätte aus Sicht der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) das zur Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) gehörende Duale System den bundesweiten  Betrieb am Jahresanfang gar nicht aufnehmen dürfen, da es noch nicht in allen  Bundesländern genehmigt ist. Wie von EM bereits gemeldet, werden in den genehmigungsmäßig  vakanten Ländern die Aufgaben derzeit von Noventiz wahrgenommen.

Aus Sicht von PreZero Dual handelt es sich dabei um eine Übergangslösung, die bis zum Jahr 2021 gelten sollte. Das sei so auch mit der ZVSR abgesprochen gewesen, ist zu hören.  Das auch „Bypass-Lösung“ genannte Modell, in der Startphase mithilfe von Kooperationspartnern die Genehmigungslücken zu stopfen, sei durchaus nicht neu und sei auch von anderen Systemen so gehandhabt worden, wendet PreZero Dual ein.

2021, das  von PreZero verschiedentlich als „eigentlicher Starttermin“ genannt wurde,  wollte das auch „Schwarzer Punkt“ genannte System nach ursprünglichen Planungen die Genehmigungen aller 16 Bundesländer in der Tasche haben und offiziell flächendeckend loslegen.

So geht es nicht, verfügte die ZVSR nach einem augenscheinlichen Sinneswandel. Laut EUWID beruft sich die Zentrale Stelle auf die “Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt”. Tenor:  Bundesweit aktive Hersteller und so genannte Inverkehrbringer (wie der Handel), dürfen ihre Produkte nur bei einem System lizenzieren, das gleichfalls -ohne Bypass-Lösung- bundesweit genehmigt und in sämtlichen Bundesländern operativ aktiv ist.

Nach EM-Informationen ist das Bypass-Modell bei anderen Systembetreibern auf heftige Kritik gestoßen. Es hat zu diesem Thema Gespräche mit der ZVSR gegeben. Die Kritik der Dualen bezog sich dabei auch auf einen anderen Aspekt. Es wurde die Gefahr gesehen, dass sich ein neues Geschäftsmodell etablieren könnte,  bei dem unter Umgehung eigener, bekanntermaßen  extrem aufwändiger Genehmigungsverfahren und organisatorischer Aufbauarbeit neue duale Systeme ohne die übliche „Ochsentour“ quasi aus dem Boden gestampft werden könnten. Wohlgemerkt: Das hat PreZero Dual zwar so nicht vorgehabt, aber es hätte Trittbrettfahrer geben können.

Setzt sich die ZVSR- durch, dürfte PreZero  Dual selbst in den genehmigten Bundesländern nur dann Verpackungen, sammeln und verwerten, wenn diese dort ausschließlich regional begrenzt vertrieben werden. Schon geringfügige regionale Abweichungen  und Überschneidungen wären von der  Genehmigung nicht mehr abgedeckt. Bundesweit aufgestellte  Handelsunternehmen, zu denen auch Lidl und Kaufland gehören, wären folglich außen vor.

In der sonst von Gelassenheit geprägten Führungsetage der Schwarz-Gruppe hat die ZSVR-Entscheidung zu erheblicher Irritation und Unverständnis geführt. Offenbar hat der „Sinneswandel“ selbst Topmanager überrascht.  Die Pläne für den bundesweiten Aufbau von PreZero Dual  würden jedoch konsequent und ohne Einschränkungen fortgesetzt, ist zu vernehmen.

khg

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