Brancheninfo aktuell 21-01/2019

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Wertstoffe: Schwarz-Gruppe setzt auf Wachstumskurs /  Interseroh:  Re-USe statt ex und hopp bei Tonerkartuschen

 

Die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) setzt im Wertstoffmanagement „klar auf Wachstum“, Dies erklärte aktuell Gerd Chrzanowski, der als Vorsitzender der Schwarz Zentrale Dienste KG verantwortlich für dieses Geschäftsfeld ist.  Nach der Übernahme der Tönsmeier-Gruppe in 2018 bereitet die Schwarz Gruppe jetzt ihren nächsten Schritt im Entsorgungs- und Recyclinggeschäft vor.  

Wachstumschancen sieht Gerd Chrzanowski in verschiedenen Bereichen: „Wir wollen sowohl Partner der Kommunen sein als auch kleiner und mittelständischer Entsorgungsunternehmen. Ebenso werden wir Großkunden besondere Angebote machen.“ Zusätzliche Chancen sieht er durch die steigende Regulierung und die wachsende Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Recyclingmaterial. Auf der Digitalplattform PreZero.com können sich Kunden online in Sekundenschnelle Angebote zur Entsorgung erstellen lassen. Dazu arbeitet PreZero schon heute mit knapp 200 regionalen Entsorgungsunternehmen zusammen

Mit der neu gegründeten Vertriebsmarke PreZero wolle die Gruppe ihren Umsatz in den kommenden fünf Jahren um 50 Prozent auf 750 Millionen Euro steigern. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, erwirtschaftete der Entsorger im vergangenen Geschäftsjahr rund 500 Millionen Euro Umsatz und damit zu den Top Fünf in Deutschland. PreZero konzentriere sich auf die Entsorgung und Wiederverwertung von Wertstoffen wie Verpackungen, Papier und Pappe, Sperrmüll, Lebensmittel und Gewerbeabfällen.

Von der Politik fordert Gerd Chrzanowski bessere Rahmenbedingungen. Es müsse ein Anreizsystem für höhere Recyclatanteile in Verpackungen geschaffen und funktionierende Sammelsysteme in Europa installiert werden. Eine Plastiksteuer führe jedoch nicht zum Ziel, so Chrzanowski.

Erfahrung im Sammeln und Recyceln habe die Schwarz Gruppe nach seinen Worten schon seit dem Jahr 2009. Damals hätten die Neckarsulmer ein eigenständiges Unternehmen gegründet, das seitdem die Wertstoffe der beiden Handelsparten Lidl und Kaufland einsammelt und wiederverwertet. Inzwischen sei man weltweit in 30 Ländern operativ und beratend tätig.

Die Aktivitäten im Entsorgungsgeschäft passten gut zur Strategie der Schwarz Gruppe, über eigene Produktionskapazitäten für Lebensmittel und die beiden Handelssparten Lidl und Kaufland Wertstoffkreisläufe zu schließen. „Abfälle sind für uns Wertstoffe am falschen Ort“, macht laut Pressemitteilung Dietmar Böhm deutlich, der als Geschäftsführer für das operative Geschäft von PreZero verantwortlich ist. Damit sei die Schwarz Gruppe das einzige Handelsunternehmen in Deutschland, das den Wertstoffkreislauf aus einer Hand schließen kann.

Seit 2018 habe sich die Schwarz Gruppe dem Thema Plastik verschrieben. Mit „REset Plastic“ habe sie eine Strategie entwickelt, den Plastikverbrauch in allen Unternehmensbereichen zu reduzieren, Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Wertstoffströme zu schaffen und damit die Schließung von Kreisläufen zu ermöglichen. Die Schwarz Gruppe zählt mit über 400.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von knapp 100 Milliarden weltweit zu den größten Händlern und ist in 30 Ländern in Europa, USA und Australien präsent.

„Für die Zukunft planen wir Investitionen in neue Technologien und Sortierkapazitäten im dreistelligen Millionenbereich“, erklärt Dietmar Böhm weiter. Zudem arbeite man am Aufbau eines eigenen Dualen Systems bis 2021. Damit erhielte das Unternehmen die Möglichkeit, bundesweit Verpackungsmaterial zu lizenzieren. Ein Symbol für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz haben sich die Neckarsulmer bereits gesichert: Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft beraten die Experten seit Anfang 2019 den Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim bei der Implementierung eines ressourceneffizienten Wertstoffmanagements und unterstützen bei der Entsorgung.

SCG/rd

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Tonerkartuschen- ex und hopp oder Wiederverwendung? Diese Frage hat das zur Alba Group gehörende Entsorgungsunternehmen Interseroh mit einer nach Eigenangaben konsequenten ReUse-Strategie beantwortet.  

„Allein durch die Aufbereitung und Verwertung der von Interseroh gesammelten Tonerkartuschen konnten wir 2017 so viel klimaschädliche Treibhausgase einsparen, wie 3.530 Autos in Deutschland in einem Jahr ausstoßen“, betont Tom Reidick, Geschäftsführer der INTERSEROH Product Cycle GmbH in einer Pressemitteilung.  Das Potenzial sei riesig.

Nach Unternehmensangaben belegt eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, welchen konkreten Beitrag die professionelle Aufbereitung und Wiederverwendung gebrauchter Tonerkartuschen zum Klima- und Ressourcenschutz leistet. Ergebnis der von Interseroh in Auftrag gegebenen Untersuchung sei, dass die Wiederverwendung einer einzigen Kartusche gegenüber der Neuproduktion 4,49 Kilogramm Treibhausgasemissionen einspare. Außerdem würden pro Kartusche 9,39 Kilogramm Primärressourcen geschont. „Zum Vergleich: Die stoffliche Verwertung einer defekten Kartusche spart 0,41 Kilogramm Treibhausgasemissionen und 1,94 Kilogramm Ressourcen ein“, teilt dazu Interseroh mit.

„Unsere Untersuchung zeigt erneut, welchen unverzichtbaren Beitrag die Kreislaufführung von Produkten zum Klima- und Ressourcenschutz leistet“, betont Dr. Markus Hiebel, Abteilungsleiter Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement bei Fraunhofer UMSICHT. „Mehrfach genutzte Tonerkartuschen entlasten die Umwelt deutlich – und können am Ende ihres Produktlebenszyklus noch recycelt werden.“ Wo immer möglich, so die Empfehlung der Fraunhofer-Experten, sollte die professionelle Aufarbeitung und Wiederverwendung der stofflichen Verwertung vorgezogen werden.

Die INTERSEROH Product Cycle GmbH stellt nach Eigenangaben bereits seit vielen Jahren verschiedene Sammelsysteme für leere Druckerpatronen und Tonerkartuschen zur Verfügung. Allein im Jahr 2017 konnte sie insgesamt rund 1,4 Millionen gebrauchte Kartuschen zurücknehmen. Davon wurde die Hälfte wiederaufbereitet; die anderen 50 Prozent gingen aufgrund von Beschädigungen oder mangels Nachfrage ins meist stoffliche Recycling. Durch diese Verwertungspraxis wurden nach Berechnungen von Fraunhofer UMSICHT rund 6.300 Tonnen Treibhausgasemissionen und 13.100 Tonnen Primärressourcen eingespart.

Laut Interseroh-Pressemitteilung sollen nach dem Willen der Bundesregierung gebrauchte Tonerkartuschen künftig verstärkt wiederaufbereitet und neu befüllt werden; eine entsprechende Verordnung zur Behandlung von Elektroaltgeräten sei in Arbeit.

JA/rd

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