Brancheninfo aktuell 17-11/2022

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150 150 Klaus Henning Glitza

bvse zum chemischen Recycling: „Greenwashing“ statt Durchbruch?

 

Ist der  von immer  mehr Unternehmenspartnerschaften aus dualen Systemen, Chemieunternehmen und Verpackungs- oder Lebensmittelkonzernen gemeldeten Durchbruch beim chemischen Recycling nichts anderes als „Greenwashing”? Diese Frage stellt Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverband Kunststoffrecycling, in den Raum.

Konkret wird dabei bemängelt, dass bei solchen Meldungen die Materialausbeute bei der chemischen Behandlung der Abfälle, meist Pyrolyse-Verfahren, nicht quantifiziert werde. Zudem würde auch nicht mitgeteilt, wie hoch der Anteil des Pyrolyseöls anschließend bei der Herstellung der neuen Verpackungen und Produkte überhaupt ist.

Der bvse mutmaßt, dass diese Angaben deshalb fehlten, weil  sie „das positiv gemalte Bild“ deutlich trübten. Der Pyrolyse-Prozess erfordere nicht nur einen äußerst hohen Energieaufwand, auch die  Prozessverluste seien enorm hoch sind. „Am Ende erhalte man zwar Pyrolyseöl, aus dem dann, wenn es denn tatsächlich dafür geeignet ist, in weiteren Verfahrensschritten und nur zu einem geringen Anteil auch Polyethylen und Polypropylen zurückgewonnen werden kann“, so Dr. Textor. Hier von einem Closed-Loop-Verfahren zu sprechen, sei „nichts anderes als Schönfärberei oder neudeutsch Greenwashing”.

Nach den weiteren Worten des Fachverbandsvorsitzenden werde auch nicht deutlich gemacht, „dass Sortierreste, Shredderleichtfraktionen oder Rejects aus dem Recycling für die chemische Aufbereitung im Grunde überhaupt nicht geeignet sind. Kunststoffe mit Sauerstoff, Stickstoff oder Chlor, wie PET, PA, PC, PVC und PU, seien für dieses Verfahren ebenfalls kein einsetzbares Input-Material. “Im Grunde bleiben nur die Polyolefine und genau die eignen sich hervorragend für das werkstoffliche Recycling”, erklärt Dr. Textor.

bvse-Experte Dr. habil. Thomas Probst moniert zudem, dass weder die Verfahrenskosten noch der Energieaufwand und schon gar nicht der CO2-Ausstoß des Pyrolyseverfahrens thematisiert werde. Probst: “Wir sind offen für neue Verfahren, aber es wäre jetzt wirklich einmal an der Zeit, dass die Fakten auf den Tisch kommen, damit objektiv geklärt werden kann, wo wir verfahrenstechnisch stehen und ob wir es hier wirklich mit einem ökologischen Projekt der Kreislaufwirtschaft zu tun haben.” “Solange das nicht geschieht”, ergänzt Dr. Dirk Textor.  “muss man davon ausgehen, dass es in erster Linie darum geht, die Bemühungen für effizientes Design for Recycling zu konterkarieren.”

BV/rd

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