Brancheninfo aktuell 17-06/2020

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150 150 Klaus Henning Glitza

ZSVR-Beirat veröffentlicht Empfehlungen für eine bessere Sammelqualität in Gelben Tonnen

 

Ein bundesweites Phänomen: Gelbe Tonnen werden von den Verbrauchern oft genug mit Restmülltonnen “verwechselt“. Die bittere Folge: Mit Müll durchsetzte und kontaminierte Wertstoffe können oft nicht recycelt, sondern nur noch verbrannt werden. Ein ökologisches Desaster, dem der Beirat der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) jetzt einen Riegel vorschieben will.  Das Gremium hat eine Empfehlung veröffentlicht, mit deren Hilfe  bei einer Wertstoffsammlung mit der Tonne die Sammelqualität vor Ort deutlich verbessert werden soll.

Der Hintergrund:  Die seit einem Jahr geltenden höheren Recyclingquoten für Leichtverpackungsabfälle (LVP) aus privaten Haushalten bleiben illusorisch,  wenn die Wertstoffe nicht sauber getrennt  werden.  Die in vielen Städten und Gemeinden eingeführte Gelbe Tonne hat neben ihren zweifellosen Vorteilen betrüblicherweise auch einen äußerst negativen Nebeneffekt: Restmüll kann leichter unter die Wertstoffe gemischt werden, weil die festen Behälter im Gegensatz zu Gelben  Säcken blickdicht sind und auch schwere  „Mülllasten“ verkraften.

Wie die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) dazu mitteilt, lassen sich bundesweit in der Praxis der Erfassung von Leichtstoffverpackungen teils erhebliche Fehlbefüllungen mit gemischten Siedlungsabfällen feststellen. „Das hochwertige Recycling einer großen Masse von Verpackungswertstoffen gelingt nur, wenn diese möglichst sauber und gut sortierbar sind“, erläutert Gunda Rachut, Vorstand der ZSVR, die Voraussetzung für die Erfüllung der Recyclingquoten. Verpackungen, die mit Restmüll und Anhaftungen verschmutzt sind, können weder gut sortiert noch hochwertig recycelt werden.

Der Beirat hat nun eine Vorgehensweise empfohlen, die im Zusammenwirken von Systemen, Sammlern und Kommunen umgesetzt werden kann: Bei wiederholter Fehlbefüllung einer Gelben Tonne erfolgt ein Hinweis an den Abfallerzeuger/ Abfallbesitzer zur Nachsortierung bis zur nächsten Abfuhr. Wird der Aufforderung zur Nachsortierung nicht nachgekommen, wird die Kommune hierüber informiert und kann eine gebührenpflichtige Entsorgung als Beseitigungsabfall durchführen. Im Wiederholungsfall kann die Anfallstelle, der private Endverbraucher beziehungsweise die vergleichbare Anfallstelle, im Einvernehmen mit dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zeitweilig von der Verpackungsentsorgung durch die Gelbe Tonne ausgeschlossen werden.

„Die Gelben Tonnen enthalten in großstädtischen Gebieten oft zwischen 30 und 40 Prozent Restmüll“, weist Gunda Rachut  auf das Ausmaß der Kontaminierung hin. Auf dem Land  sei die Mülltrennung ihren Worten zufolge oft deutlich besser. „Die konsequente Qualitätssicherung vor Ort ist für die anspruchsvollen Ziele des Verpackungsgesetzes notwendig. Die Kampagne der dualen Systeme ‚Mülltrennung wirkt!‘ zahlt auch auf diese Ziele ein. Viele Maßnahmen greifen ineinander, um eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft zu etablieren“, sagt Gunda Rachut.

 

Zum Beirat

Um die Erreichung der hohen Recyclingquoten zu begleiten, hat der Gesetzgeber einen Beirat bei der ZSVR installiert. Dieser Beirat „Erfassung, Sortierung, Verwertung“ hat die Aufgabe, eigenverantwortlich Empfehlungen zur Verbesserung der Erfassung, Sortierung und Verwertung wertstoffhaltiger Abfälle zu erarbeiten. Darüber hinaus werden Fragen von besonderer Bedeutung für die Zusammenarbeit von Kommunen und Systemen (Paragraph 28 Absatz 5 VerpackG) erörtert. Der Beirat setzt sich paritätisch aus je vier Vertretern der öffentlichen sowie der privaten Abfallwirtschaft zusammen. Dazu gehören auch die Systembetreiber. Den Vorsitz des Beirats hatte bis Anfang 2020 Dr. Torsten Mertins vom Deutschen Landkreistag inne. Seitdem wird der Beirat von Thomas Pfaff von der Jakob Becker GmbH & Co. KG, Mehlingen, geleitet. Dieser Beirat hat im Frühjahr 2019 eine Unterarbeitsgruppe „Sammelqualität“ gegründet. Unter der Leitung von Dr. Holger Thärichen vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat die Unterarbeitsgruppe Maßnahmen identifiziert, um die Sammelqualität der Gelben Tonne durch Reduzierung der Fehlbefüllung zu verbessern.

 

Zur Zentralen Stelle Verpackungsregister

Die Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister hat ihren Sitz in Osnabrück. Stifter sind die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Handelsverband Deutschland (HDE), die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) sowie der Markenverband. Sie wird mit Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes am 1. Januar 2019 als beliehene Behörde für mehr Transparenz und Kontrolle beim Verpackungsrecycling sorgen. Dazu führt sie ein Register aller Produktverantwortlichen aus Industrie und Handel, gleicht Mengen von Herstellern und Systemen ab und sorgt damit für mehr Fairness und eine transparente Kostenteilung unter den Beteiligten. Vorstand der Stiftung ist die Juristin Gunda Rachut.

 

DrS/rd

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