Brancheninfo aktuell 14-09/2018

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150 150 Klaus Henning Glitza

Ermittlungsverfahren Schlei- kein Ende in Sicht / REMONDIS Maintenance & Services erwirbt die Reym B.V.

 

In der Umweltstrafsache Schlei befänden sich die Ermittlungen auf der Zielgeraden, hieß es bereits Ende Februar dieses Jahres. Doch bis dato ist das staatanwaltliche Verfahren noch nicht zum Abschluss gekommen. Es ist noch nicht einmal ein Ende in Sicht.

Erst kürzlich sei noch ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, wie die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt von der Staatsanwaltschaft Flensburg auf EM-Anfrage mitteilte. Nach Aussagen der Behördenleiterin könne sich das Verfahren noch gut zwei Monate hinziehen. Gutachten, das weiß man, brauchen nach der Devise „Gut Ding will Weile haben“ ihre Zeit. Insider gehen eher davon aus, dass mit dem Verfahrensende frühestens im Dezember zu rechnen ist- wenn es gut läuft.

Wie mehrfach berichtet, waren die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen Anfang  2018 aufgenommen worden. Nachdem es .bereits  2016 und 2017 einzelne Hinweise auf die Verschmutzung der Schlei durch  Plastikpartikel gab, waren die 2018-er Funde so unübersehbar, dass sie nicht mehr-wie vorher- bagatellisiert und  weggeredet werden konnten. Die Plastikpartikel befanden sich im Gärsubstrat, das die zum RETHMANN-Konzern gehörende ReFood GmbH & Co. KG angeliefert hatte, und waren durch das Klärwerk der Stadtwerke Schleswig in die Schlei gelangt.

Identisch geblieben ist der so genannte Beschuldigtenstatus. Neben dem Geschäftsführer der Stadtwerke, Wolfgang Schoofs, wird gegen drei Manager des Lebensmittelrecyclers ReFood GmbH & Co. KG ermittelt. Somit haben sich nach derzeitigen Verfahrensstand keine Gründe ergeben, einen oder mehrere der Beschuldigten aus der strafrechtlichen Verantwortung zu entlassen.

Aussage gegen Aussage, so steht es bei der Frage, ob die Stadtwerke, ReFood oder beide Schuld oder Mitschuld tragen. Die Stadtwerke machen geltend, dass ihnen Gärsubstrat „in gewohnter Qualität“ zugesichert worden wäre. „Gewohnte Qualität“, darunter wurde ein plastikfreies Substrat verstanden, wie es der Vorbesitzer der ReFood-Niederlassung in Ahrenshöft anscheinend vorher geliefert hatte. Der frühere Betriebsinhaber hatte offenbar die Plastikverpackungen vorher händisch entfernen lassen, während ReFood die Umhüllungen aus Gründen eines ökonomisch optimierten Produktionsprozesses an den abgelaufenen Lebensmitteln belässt. Das Plastik wird dann nach dem Zerkleinern maschinell entfernt, was allerdings längst nicht so gründlich ist wie ein händisches Verfahren. Gärsubstrat, das plastikfrei ist, gibt es bei ReFood gar nicht.

Der Lebensrecycler vertritt derweil den Standpunkt, die Stadtwerke hätten von den Plastikanteilen gewusst. Somit wäre es an den Schleswigern gewesen. die die Partikel in eigener Verantwortung  zu entfernen.

Nicht bekannt ist, ob auch gegen Aufsichtsbehörden ermittelt wird. Wie bereits berichtet, hatte das schleswig-holsteinische Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in der Umweltaffäre keine allzu rühmliche Rolle gespielt. Denn zwischen den Angaben, die ReFood auf den Lieferscheinen machte, und den Analyseergebnissen eines unabhängigen Labors klafften große Differenzen. Doch im LLUR fiel das niemanden auf. Nach Insiderinformationen sollen die Laborergebnisse nach kurzer Sichtprüfung ohne detaillierten Check einfach abgeheftet worden sein.

Robert Habeck, der zum Zeitpunktpunkt der Umweltkatastrophe an der Schlei in Schleswig-Holstein Umweltminister und damit quasi oberster Dienstherr des LLUR war, hatte damals das Schreddern von in Plastik verpackten Lebensmitteln gefordert. Es sei unverantwortlich, Plastik erst unterzumengen und dann zu hoffen, dass es wieder entfernt würde. Seit Habeck einer der Bundesvorsitzenden der Grünen mit Ambitionen auf das Kanzleramt ist, hat er sich allerdings zu diesem Thema nicht mehr geäußert.  Bei einer EM-Interviewanfrage verwies die Pressestelle der Grünen auf den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller, der diese Forderung im Gegensatz zu seinem grünen Ex-Kollegen nach wie vor öffentlich erhebt und sich auch im EM-Interview positionierte.

Die Umweltkatastrophe von der Schlei, sie wirft nicht nur auf Teile der Behörden kein allzu gutes Licht.

khg

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Die Einkaufstour geht weiter: Rückwirkend zum 1. April 2019 hat  den niederländischen Industriedienstleister Reym B.V. zu 100 Prozent übernommen. Der Kaufvertrag ist am 9. September unterzeichnet worden. Die Akquisition steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.

Nach Eigenangaben  nutzt REMONDIS Maintenance & Services mit der Übernahme die Chance, „das eigene umfangreiche Leistungsspektrum im Bereich Industriedienstleistungen zukunftsorientiert zu ergänzen und weiter abzurunden“. Zusätzlich würden durch den Erwerb die bereits bestehenden Aktivitäten in den Niederlanden auf eine breitere regionale Basis gestellt. „Synergieeffekte werden insbesondere aus der Zusammenarbeit von Reym mit der zur REMONDIS Maintenance & Services gehörenden BUCHEN-Gruppe erwartet. BUCHEN zählt zu den führenden Industrieservice-Unternehmen in Europa und bietet vielfältige Spezialdienstleistungen zur Reinigung und Instandhaltung von Industrieanlagen und Anlagenteilen“, ist einer Pressemitteilung zu entnehmen.

Die Reym B.V. mit Hauptsitz in Amersfoort ist nach REMONDIS-Angaben auf den Bereich Industriereinigung spezialisiert und einer der größten Anbieter im niederländischen Markt. Ein operativer Schwerpunkt des Unternehmens seien Industrie- und Umweltdienste für die Öl und Gas fördernde Industrie, die sowohl onshore als auch offshore erbracht werden. Neben der eigentlichen Industriereinigung leiste Reym auch das komplette Abfallmanagement bis hin zu Behandlung und Recycling angefallener Stoffströme. Weitere wesentliche Kundengruppen von Reym seien die Schwerindustrie sowie Unternehmen aus der Petrochemie und Lebensmittelproduktion. Reym sei mit einer Vielzahl an Niederlassungen in drei niederländischen Regionen präsent und beschäftigt mehr als 700 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr habe das Unternehmen einen Umsatz von 129 Millionen Euro erzielt.

Bisher, teilt REMONDIS weiter mit, sei Reym Teil der auf Abfälle fokussierten Hazardous-Waste-Sparte der britischen Renewi plc, Milton Keynes, Großbritannien gewesen. Renewi hätte Ende 2018 die Veräußerung von Reym beschlossen, um sich in den Benelux-Ländern stärker auf das eigene Kerngeschäft konzentrieren zu können.

 

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