Brancheninfo aktuell 12-02/2020

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150 150 Klaus Henning Glitza

Kreislaufwirtschaft: Insgesamt positive Stimmung mit Abstrichen prägt das Ergebnis der BDE-Umfrage

 

Eine insgesamt positive Stimmung trotz zunehmender Herausforderungen im operativen Geschäft und eine „stabile 4 für die Politik“. Das ist die Quintessenz einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen der Kreislaufwirtschaft, die der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser-, und Rohstoffwirtschaft e.V. jetzt veröffentlicht hat.  

Bei dieser Umfrage zur Stimmung in der Kreislaufwirtschaft  zu Beginn dieses Jahres konnten sich die teilnehmenden Unternehmen zu insgesamt sechs Themenbereichen äußern:  Konjunktur,  Arbeitsplätze, Wettbewerb, operatives Geschäft, Verstaatlichung und öffentliche Ausschreibungen sowie Politik und Rechtsrahmen.  EM gibt die in einer Pressemitteilung erfolgte Zusammenfassungen des BDE im geringfügig redaktionell bearbeiteten Wortlaut wieder.

Konjunktur: Überwiegend erfreulich bewerteten 66 Prozent der befragten Unternehmen ihre geschäftliche Entwicklung. So konnten sie ihre Umsätze im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr erhöhen. Bei 18 Prozent stagnierten die Einnahmen und noch bei 16 Prozent gingen sie sogar zurück. Die Auftragsentwicklung verbesserte sich noch bei 54 Prozent der Firmen. Für 33 Prozent der befragten Unternehmen blieb die Auftragslage gleich, während sie bei 13 Prozent der Unternehmen im Vergleich zu 2018 abnahm.

Durchwachsen stellt sich die Prognose der befragten Unternehmen für 2020 dar. Demnach rechnen nur noch 50 Prozent der Befragten mit einer Verbesserung. 37 Prozent erwarten keine Veränderung und 13 Prozent gehen sogar von einer Verschlechterung aus.

Besondere Sorge bereitet die Entwicklung der Recyclingrohstoffmärkte. Für 88 Prozent ist sie ein aktuelles Thema im Unternehmensalltag.

Arbeitsplätze: Im vergangenen Jahr wurden in 57 Prozent der Unternehmen neue Arbeitsplätze geschaffen. In 16 Prozent dieser Unternehmen fiel die Belegschaftserweiterung stark aus. In 36 Prozent der Unternehmen veränderte sich die Mitarbeiterzahl nicht und elf Prozent mussten Arbeitsplätze abbauen.

Für 2020 planen 53 Prozent der Unternehmen Neueinstellungen. Bei 36 Prozent dürfte nach aktueller Einschätzung die Mitarbeiterzahl stagnieren. Elf Prozent der Unternehmen rechnen mit einem, wenn auch geringen, Abbau von Stellen.

Relevant für die Unternehmen ist weiterhin das Thema Fachkräfte: Für 94 Prozent ist es aktuell, darunter bei 55 Prozent sogar hochaktuell. Einen spezifischen Mangel an Berufskraftfahrern sehen 79 Prozent der Befragten.

Wettbewerb: Der intensive Wettbewerb in der Kreislaufwirtschaft spiegelt sich in den Antworten wider: Als gering schätzt ihn ein Prozent der Befragten ein. Ein Drittel bewertet den Wettbewerbsdruck als durchschnittlich, der überwiegende Teil mit 51 Prozent aber als hoch und für 15 Prozent ist er in einen Verdrängungswettbewerb übergegangen.

Dementsprechend aktuell ist das Thema in den Unternehmen. Nur für fünf Prozent spielt das Thema Wettbewerb keine Rolle.

Als stärkste Wettbewerber um Marktanteile wurden dabei zu 17 Prozent staatliche Unternehmen wahrgenommen.

Operatives Geschäft: Operativ werden insbesondere zunehmende Absteuerungsprobleme genannt, die die Unternehmen beschäftigen. Diese betreffen inzwischen fast alle Abfallströme. Die Unternehmen erwarten nicht, dass diese Herausforderungen im laufenden Jahr geringer werden.

Verstaatlichung und öffentliche Ausschreibungen: Die laut BDE zu beobachtende „Verstaatlichung und damit der Entzug ganzer Marktanteile aus dem Wettbewerb“ ist in 69 Prozent der befragten Unternehmen ein aktuelles Thema. Dementsprechend ist die Entwicklung bei der Anzahl öffentlicher Ausschreibungen: Nur in 16 Prozent der Fälle haben diese zugenommen. Für 70 Prozent verharrt sie unverändert auf dem Niveau der Vorjahre. Zurück gingen sie sogar für 14 Prozent.

Besonders kritisch wird dabei die Ausgestaltung von öffentlichen Ausschreibungen gesehen: 77 Prozent bewerten diese schlicht als praxisfremd. Dabei drängt sich der Eindruck auf, dass Ausschreibungen so gestaltet werden, dass eine Angebotsabgabe möglichst erschwert bis unmöglich wird. Hierbei wird insbesondere das Übertragen selbst verschuldensunabhängiger Risiken und unvorhergesehener Änderungen in der Laufzeit durch gesetzliche Änderungen auf den Auftragnehmer genannt. Ebenso wird das Verfahren als zu bürokratisch, unflexibel, nicht nachvollziehbar und komplex beschrieben. Der daraus resultierende Bearbeitungsaufwand verhindert für die Kommunen preisgünstige und Effiziente Lösungen und benachteiligt dabei nicht zuletzt gerade kleine und mittelständische Unternehmen.

Politik und Rechtsrahmen: Sollte die Branche die Politik bewerten, würde in diesem Jahr erneut ein stabile 4 als Schulnote auf dem Zeugnis stehen. Kritisch ist weiterhin der uneinheitliche Vollzug der bestehenden rechtlichen Regelungen. Flexibilität wird den politisch Handelnden dabei durchaus zugebilligt: Schnell und unberechenbar mit hoher verwaltungsrechtlicher, aber wenig abfallwirtschaftlicher Kompetenz den Rechtsrahmen zu verändern und damit ein Höchstmaß an Unsicherheit zu erzeugen. Für 75 Prozent der Unternehmen ist daher die Investitionsunsicherheit ein aktuelles Thema im unternehmerischen Alltag und der Bürokratieaufwand für 82 Prozent.

„Die jährliche Befragung der Unternehmen liefert ein eindrucksvolles Spiegelbild der wirtschaftlichen Realität der Kreislaufwirtschaft in Deutschland“, erklärte BDE-Präsident Peter Kurth zur Branchenumfrage. Sie zeige „ uns zwar immer wieder neue Problemfelder auf, jedoch ist auch festzustellen, dass sich Fehlentwicklungen verfestigen“. Gerade in Fragen des Vollzugs müsse es endlich einheitliche Regelungen geben, damit Klarheit für die Unternehmen besteht. Ebenso seien für eine positive Branchenentwicklung verbindliche Vereinbarungen beim Rezyklatabsatz unerlässlich. Kurth: „Die Kreislaufwirtschaft ist eine Wachstumsbranche, deren Potential beileibe noch nicht gehoben ist. Dies wird erst der Fall sein, wenn Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden, die ihr langfristiges wirtschaftliches Engagement nicht hemmen, sondern fördern.“

BSch/rd

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