Brancheninfo aktuell 09-05/2020

Brancheninfo aktuell 09-05/2020

Brancheninfo aktuell 09-05/2020 150 150 Klaus Henning Glitza

Handgranate im Schrott / SRH Alleineigentümerin der MVR / Kunststoffrecycling brechen die Märkte weg / MVA: Gelber Rauch

 

Schockerlebnis in Elstertrebnitz (südwestlich von Leipzig, Sachsen). Bei einer Schrottanlieferung an einer Fachfirma wurde in dem Material am Montagmorgen eine Handgranate entdeckt.

Der Unternehmensverantwortliche  ließ sofort die weiteren Arbeiten einstellen und verständigte die Polizei. Die Beamten alarmierten ihrerseits den Kampfmittelbeseitigungsdienst, der nach kurzer Untersuchung Entwarnung geben konnte. Es handelte sich um eine nach Angaben der Polizeidirektion Leipzig um eine unbrauchbar gemachte Übungshandgranate der Bundeswehr, die sich von der scharfen Version nur durch wenige Merkmale unterschiedet. Wie das Kampfmittel in den Schrott gelangte, ist bislang ungeklärt.

khg

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Nun ist es offiziell: Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) ist alleinige Eigentümerin der Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm (MVR). „Sämtliche Gremienvorbehalte sind ausgeräumt und die hundertprozentige Anteilsübernahme abgeschlossen“, teilt Johann Gerner-Beuerle von der SRH-Medien & Öffentlichkeitsarbeit mit.

Der Erwerb der Müllverwertungsanlage ist für die Stadtreinigung Hamburg ein wegweisender Meilenstein. „Die vollständige Anteilsübernahme bedeutet für die Hamburgerinnen und Hamburger eine noch höhere Entsorgungssicherheit“, so das Statement von SRH-Geschäftsführer Prof. Dr. Rüdiger Siechau. „Zudem ist es uns nun möglich, eine durchweg hohe Entsorgungsqualität zu gewährleisten und den Müll nahtlos einer sinnvollen Verwendung, wie der Erzeugung von klimafreundlicher Energie und Fernwärme zuzuführen.“

In Hamburg liegt diese Art der Strom- und Wärmeerzeugung somit komplett in der Hand der SRH, die auch vollständige Eigentümerin der Müllverwertungsanlage Borsigstraße (MVB) ist. Künftig wird zudem das Zentrum für Ressourcen und Energie, das am Stellinger Moor entstehen soll, die klimafreundliche Fernwärmeversorgung entscheidend ergänzen.

Auch Hamburgs Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan begrüßt den Kauf der MVR: „Die Komplettübernahme der Anteile ist energiepolitisch ein sinnvoller Schritt. Im Verbund mit der Müllverwertung Borsigstraße (MVB) und dem in Stellingen geplanten Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) wird die thermische Verwertung von Hausabfällen zu sehr wirtschaftlichen Kosten gewährleistet. Darüber hinaus erzeugen die drei Anlagen bei der Verbrennung Wärme, die wesentlich zur klimafreundlichen Fernwärmeversorgung der Haushalte und des Gewerbes in Hamburg beiträgt. Mit der MVR in komplett städtischer Hand können wir gezielter und unabhängiger den Energiepark Hafen steuern und planen, der das alte Kohlekraftwerk in Wedel klimafreundlich ersetzen wird.“

Bereits seit 1995 ist die SRH an der MVR beteiligt und steigerte ihre Gesellschafteranteile zuletzt im Jahr 2014 auf 45 Prozent. Die verbliebenen Anteile erwarb sie nun vom Energiekonzern Vattenfall. Die Vereinbarung gilt rückwirkend zum 1 Januar 2020.

Mit dem Erwerb der MVR begrüßt der SRH-Konzern rund 100 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

JGB/rd

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„Die Situation für das Kunststoffrecycling ist extrem kritisch“, so fasst Herbert Snell, Vizepräsident des bvse-Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung, die gegenwärtige Entwicklung auf den Märkten zusammen.

Nach bvse-Angaben ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie die Nachfrage der Industrie weltweit im freien Fall. Dies werde nicht nur am Beispiel des niedrigen Ölpreise deutlich, auch die Preise für Kunststoffrohstoffe (Neuware) sind auf einem Niveau, wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Der Preisvorteil der Recyclingware gegenüber der Primärware falle weg und kehre sich teilweise sogar ins Gegenteil.

Gleichzeitig, so der bvse weiter, sei die Produktion der kunststoffverarbeitenden Industrie, die Rezyklate einsetzt, vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien, aber beispielsweise auch im Nahen Osten oder in Südamerika zurückgegangen und teilweise sogar ganz zum Erliegen gekommen. Schon jetzt sei spürbar, dass die Industrie deutlich weniger Rezyklate einsetzt. Den Kunststoffrecyclern brächen wichtige Märkte weg.

Der bvse: „So sind Rezyklate zwar in bestimmten Bereichen, wie in der Verpackungsindustrie, bisher noch gut nachgefragt. Doch der Absatz im Automobilbau ist beispielsweise extrem schwach und der Absatz von Recyclingprodukten im Tiefbau ist ebenfalls rückläufig“. Der Export von Rezyklaten in das Ausland werde auch durch die Beschränkungen beim Grenzübertritt stark behindert. Die Recycler registrierten zudem, dass auch aus Ländern, in denen über Jahre stabile Absatzmärkte aufgebaut wurden, Stornierungen eingehen. Auch die Exportlogistik könne nur mit erheblichen Behinderungen oder Verzögerungen in Gang gehalten werden.

Dazu Herbert Snell: „Die Kombination von Preisverfall für Neuware, Nachfragerückgang und Logistikschwierigkeiten belasten die Recyclingunternehmen erheblich. Wir sehen enorme Probleme auf die Branche zukommen, weil wir es mit einem weltweiten Krisenszenario zu tun haben, das sich in den nächsten Wochen und Monaten sogar noch dann verstärken könnte, wenn die Corona-bedingten Einschränkungen schrittweise aufgehoben werden. Bis die Weltwirtschaft wieder anspringt und die Lieferketten national, europäisch und international wieder reibungslos funktionieren, werden viele Monate ins Land gehen.“

Der bvse spricht sich daher dezidiert dafür aus, frühzeitig konjunkturstützende Maßnahmen vorzubereiten, die ganz gezielt das Recycling stärken sowie den Um- und Ausbau der Kreislaufwirtschaft in Deutschland und Europa forcieren. Corona darf nicht als Entschuldigung dafür genommen werden, die Bemühungen für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft schleifen zu lassen. Es müsse vielmehr darum gehen, sich mit zukunftsgerichteten Weichenstellungen schnell und nachhaltig aus der Krise heraus zu kämpfen. Jetzt sei beispielsweise der ideale Zeitpunkt, so bvse-Vizepräsident Herbert Snell, um Anreize für den Einsatz von Rezyklaten zu setzen und das öffentliche Beschaffungswesen konsequent darauf zu trimmen, endlich auf breiter Front Recyclingprodukte einzukaufen.

ZI/rd

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Gelb gefärbter Rauch ist am gestrigen Dienstag aus der Regionalen Sondermüllverbrennungsanlage Basel ausgetreten.

Wie telebasel unter Berufung auf Basler Umwelt-Departement und die Betriebsleitung berichtet, wird als Ursache eine erhöht stickstoffbelastete Abfallcharge angenommen, deren Stickoxidemissionen aus dem Verbrennungsprozess trotz leistungsfähiger Filter nur ungenügend vermindert werden konnten. Es seien jedoch nur geringe Mengen an Stickoxiden in die Luft abgegeben worden, weshalb eine Umweltgefährdung ausgeschlossen werden könne.

Betrieben wird die kurz RSMVA genannte Anlage von der Veolia Industry Building – Switzerland.

nic

 

 

 

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