Brancheninfo aktuell 08-06/2019

Brancheninfo aktuell 08-06/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

Schweiz: Parallelen zu deutschem Verfahren? / Abfallmanager von Zentek / bvse-Altkunststofftag / Acht-Punkte-Papier des BDE

Zumindest entfernte Ähnlichkeit mit dem derzeitigen  Fusionskontrollverfahren DSD- /REMONDIS hat ein Kartellverfahren  in der Schweiz. Eine vertiefte wettbewerbsrechtliche Prüfung wurde jetzt im Nachbarland jetzt mit einer Freigabe abgeschlossen. Involviert ist unter anderem die RETHMANN-Tochter RHENUS,

Es geht um ein  Joint Venture von SBB Cargo, Hupac und RHENUS. Die drei Unternehmen planen mit Gateway Basel Nord (GBN) eine gemeinsame Umschlagsanlage für den kombinierten Verkehr im Raum Basel. GBN ist das  erste schweizerische Großterminal mit Gateway-Funktion, also eine Drehscheibe, die im voraussichtlich 2021 erfolgenden Endausbau  Straße, Schiene und  Rheinschifffahrt miteinander verbinden soll.

Die Freigabe ohne Einwände hat viele Mittelständler der Schweiz überrascht. Nachdem zunächst von Anhaltspunkten auf die Begründung und Vertiefung einer marktbeherrschenden Stellung die Rede war,  ist die Wettbewerbskommission (WEKO), eine mit dem Bundeskartellamt vergleichbare Bundesbehörde der Schweiz, umgeschwenkt. Ihre grundsätzlichen Bedenken hält die schweizerische Kartellbehörde zwar aufrecht, macht aber gewissermaßen eine Gegenrechnung auf. Das Joint Venture  „vermöge zwar den wirksamen Wettbewerb beim Umschlag von Containern, Wechselbehältern und Sattelaufliegern im Import- und Exportverkehr zu beseitigen“ (was namentlich den Umschlag auf der Schiene sowie den Umschlag vom Schiff auf die Schiene betreffe), verbessere aber im Gegenzug die Wettbewerbsverhältnisse im Gütertransport auf der Schiene, heißt es in der Begründung. Offenbar hat das Unternehmenstrio im Blick auf die Wettbewerbssituation Zugeständnisse gemacht.

Das Schienengüterverkehrsunternehmen SBB Cargo ist eine Tochter der Schweizerischen Bundesbahn (SBB), die Hupac SA ist ein Logistikunternehmen für kombinierten und intermodalen Verkehr auf der Schiene und RHENUS, die Logistiksparte des RETHMANN-Konzerns, ist auf Containertransport spezialisiert.

khg

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Der Kölner Entsorgungsdienstleister Zentek bietet einen kostenlosen Abfallmanager an, der der in die Online-Plattform empto integriert werden kann. Damit setzt das Unternehmen nach Eigenangaben  weiter auf die konsequente Digitalisierung der Branche.

 „Der neue Abfallmanager spart Zeit und Papier indem er die gesamte Beauftragung digitalisiert“, skizziert Geschäftsbereichsleiter Stephan Schnück die Vorteile der neuen Dienstleistung. Wer sein Tagesgeschäft mit dem Abfallmanager organisieren wolle, müsse nicht zwangsläufig auch alle Vereinbarungen mit den Entsorgungsunternehmen über empto abwickeln: „Das neue System kann nämlich auch externe Aufträge verwalten und ist deutschlandweit verfügbar“, so Schnück.

Das bedeute, dass jeder Gewerbetreibende seinen jetzigen Entsorger – der nicht bei empto registriert sein muss – und die jeweiligen Container samt der zugehörigen Fraktionen direkt über das Portal beauftragen kann. Im Anschluss werde dann eine Mail an den Entsorger geschickt und der Gewerbetreibende erhält eine Bestätigungsmail. Die Aufträge wickele der Abfallmanager auch deshalb so unkompliziert ab, weil die aufwendige Kommunikation per Telefon oder Fax entfällt: Zeit- und Verwaltungsaufwand würden mit dem digitalen Service erheblich sinken und unnötige Fehlfahrten vermieden, erläutert Schnück.

empto ist eine B2B-Plattform mit der die Entsorgung von aktuell 16 verschiedenen Abfallfraktionen samt Erfüllung der gesetzlichen Dokumentationspflicht kinderleicht werde: Der Gewerbetreibende beschreibt in kurzen Worten die Leistung, die er benötigt,  und erhält daraufhin Angebote von mehreren Entsorgern, aus denen er schließlich das passende auswählt.

Im Unterschied zu einem Online-Shop sind die potenziellen Geschäftspartner jeweils für beide Seiten sichtbar. Die Entsorger untereinander sehen sich jedoch gegenseitig nicht – somit seien laut Zentek  faire Preise gewährleistet.

Die Zentek Gruppe betreibt seit mehr als zehn Jahren ein Duales System und bietet seit 20 Jahren flächendeckende Entsorgungssysteme für bundesweit tätige Unternehmen. Gesellschafter der Gruppe sind zehn führende konzernunabhängige Entsorger in Deutschland. Der Kölner Dienstleister sieht sich als Innovationsführer der Branche.

ZE/rd/bem

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Die derzeit aktuelle heftige Kritik an der Verwendung von Kunststoffen stand im Fokus des 22. Internationalen Altkunststofftag, den der  böse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung mit seinem Fachverband Kunststoffrecycling am 4. und 5. Juni 2019 in Bad Neuenahr veranstaltete.

Bei den Forderungen und Entscheidungen der europäischen  und deutschen Politik  seien „durchaus richtige Wege beschritten worden, wie etwa die verabschiedete EU-Kunststoffstrategie, wonach ab 2030 alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig sein sollen”, erklärte Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling.   Manch andere Entscheidungen jedoch hätten eher Symbolcharakter und dienten mehr der politischen Gewissensberuhigung als der Lösung durchaus vorhandener Probleme, hieß es in Bad Neuenahr.

Einig waren sich die Teilnehmer des Altkunststofftages in der Beurteilung, dass weder Klima- noch andere Umweltprobleme dadurch zu lösen sind, dass der Einsatz von Kunststoffen diskreditiert wird. “Es wäre ein Irrsinn zu glauben, dass wir überhaupt ohne Kunststoffe in einer modernen und nachhaltigen Welt leben könnten und diesen Eindruck sollten wir auch nicht erwecken”, betonte Textor in einem Pressegespräch.

Mit der Kritik rund um das Thema Kunststoffe müsse man sich aber in großer Ernsthaftigkeit beschäftigen. Es sei völlig inakzeptabel, wenn Abfälle in Länder exportiert werden, die nicht in der Lage sind, diese Abfälle nach dem Stand der Technik zu verwerten und die so die Umwelt belasten. Textor: “Das bedeutet dann aber auch, dass wir in Deutschland und Europa unsere Hausaufgaben machen müssen und die erschöpfen sich nicht darin, Kunststoff-Strohhalme oder Plastiktüten zu verbieten.”

Ganz oben auf der To-do-Liste stehen für den bvse der Aufbau neuer Recyclingkapazitäten sowie die Modernisierung vorhandener Anlagen. Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können auch die notwendigen Investitionen in aufwendige und teure Anlagentechnik gestemmt werden, ergänzte bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock. “Unsere Unternehmen haben schon lange genug mit hohem Risiko Pionierarbeit geleistet, damit muss nun Schluss sein! Der Mittelstand muss und wird in die Zukunft investieren. Das muss aber Hand und Fuß haben. Einen existenziellen Blindflug können sich unsere Unternehmen nicht leisten”, erklärte Rehbock.

Deshalb sollte die europäische und deutsche Politik nicht nur Verbote aussprechen, sondern ihrem Gestaltungsauftrag gerecht werden und die Rahmenbedingungen für mehr Recycling und Nachhaltigkeit schaffen. Textor: “Wir benötigen mehr Recyclingkapazitäten und auf das Recycling angepasste Rahmenbedingungen. Deshalb plädiert der bvse ganz klar dafür, steuerliche Investitionsanreize für Recyclinganlagen zu setzen und europaweit neue und qualitativ anspruchsvolle Recyclingkapazitäten zu schaffen.”

bvse-Vizepräsident Herbert Snell wies noch auf einen anderen Aspekt in Bad Neuenahr hin. Das Kunststoffrecycling vermindert den Bedarf an Rohöl und zwar zweifach, einerseits durch Einsparen von Neukunststoffen und anderseits durch Einsparen von Energie. 1,88 Millionen Tonnen an Recyclaten ersetzen die gleich Menge an Neuware. Darüber hinaus ist die Energieeinsparung nicht zu vernachlässigen. Beim Kunststoffrecycling wird nur 33 bis 50 Prozent der Energie verbraucht, die bei der Herstellung von Neuware aufzubringen wäre. Und schließlich ist hier die CO2-Einsparung zu nennen. Die CO2-Einsparung durch das Kunststoffrecycling ist erheblich. Jede Tonne Recyclingkunststoff, die anstelle vergleichbarer Neuware zum Einsatz kommt, vermeidet spezifisch zwischen 1,45  und 3,22 Tonnen klimarelevante Treibhausgase in Form von CO2-Äquivalenten.

Für Herbert Snell ist daher klar, dass das Recycling von Kunststoffen einen beachtlichen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen und zur Ressourcenschonung leistet. Herbert Snell: “Wir sind daher dezidiert der Meinung, dass die Politik diese Klimaschutz-Stellschraube nutzen sollte. Darum sollten den Kunststoffverarbeitern, die statt Neuware Recyclate einsetzen, eine Vergütung für die damit erzielte CO2-Einsparung erhalten.” Gleichzeitig, so führte der bvse-Vizepräsident aus, würde damit eine zielgerichtete Förderung des Recyclateinsatzes einhergehen. “Als Finanzierungsmöglichkeit bietet sich unserer Meinung nach der EEG-Topf an, da er dem gleichen Zweck dient, nämlich der CO2-Einsparung”, erklärte Herbert Snell abschließend.

JL/rd

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Zeit zum Handeln – Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft“ ist der Titel einer Resolution, die der BDE- Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser– und Rohstoffwirtschaft e. V, während   seiner jüngsten Mitgliederversammlung in Berlin verabschiedet hat. In dem Acht-Punkte-Papier werden eine ambitionierte Kreislaufwirtschaftspolitik und ein stärkeres Engagement der Politik gefordert.

Das Problem sei augenfällig, teilt der BDE dazu mit.  Deutschland verbrauche Jahr für Jahr mehr natürliche Ressourcen als nachwachsen können. Trotz  einer eingespielten Kreislaufwirtschaft liege der Anteil an Recyclingrohstoffen in der industriellen Produktion bei lediglich 14 Prozent. Ohne eine stärker involvierte Kreislaufwirtschaft werde aber „der Kampf gegen den Klimawandel, die Energiewende und ein generationengerechter Umgang mit Rohstoffen nicht gelingen“.

Schwerpunkte der BDE-Forderungen an die Politik sind unter andere

  • Festlegung einer Mindesteinsatzquote von Recyclingrohstoffen (Recyklaten) in neuen Produkten (Minimal-Content-Regelung)
  • Einführung eines Recycling-Labels, damit die Verbraucher ihre Produkte beim Einkauf auch nach diesen Kriterien auswählen können.

In der Wissenschaft bestehe Einigkeit, dass in der Kreislaufwirtschaft erhebliche Potentiale stecken, erklärte BDE-Präsident Peter Kurth bei der Vorstellung der Resolution.

In der Wissenschaft besteht Einigkeit, dass in der Kreislaufwirtschaft erhebliche Potentiale stecken. Die Politik jedoch greife diese Chance nicht auf. „Aber nur mit klugen politischen Instrumenten können wir den Schatz der Kreislaufwirtschaft wirklich heben“, so der Präsident.

SCH/rd

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