Brancheninfo aktuell 06-11/2019

Brancheninfo aktuell 06-11/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

Neues Müllheizkraftwerk und Klärschlammverbrennung in Stapelfeld: Genehmigung noch in diesem Jahr?

 

Den Neubauten eines Müllheizkraftwerkes (MHKW) und einer Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage in Stapelfeld (östlich an Hamburg angrenzend, Schleswig-Holstein) hat die örtliche Gemeindevertretung  am vergangenen  Montag zugestimmt. Mit dieser so genannten Feststellung des gemeindlichen Einvernehmens  ist ein weiterer Schritt für die Bauvorhaben von EEW Energy from Waste GmbH mit Sitz in Helmstedt getan.

Zuvor hatte bereits der Landkreis Stormarn in nichtöffentlicher Sitzung für das Bauvorhaben ausgesprochen. Parallel dazu läuft seit 30. November 2018 ein Genehmigungsverfahren beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR), das dem Umweltministerium des norddeutschen Bundeslandes nachgeordnet ist. Liegen die Genehmigungen vor, will EEW nach Eigenangaben die beiden Anlagen 2022 in Betrieb nehmen. Mit der Genehmigung durch das LLUR wird noch in diesem Jahr, spätestens Anfang nächsten Jahres gerechnet.

Ursprünglich hatte die Gemeindevertretung am 2. September dieses Jahres das gemeindliche Einvernehmen nach § 36 BauGB zu den Bauvorhaben Müllheizkraftwerk (MHKW) und Mono-Klärschlammverbrennung (KVA) versagt. , da zu diesem Zeitpunkt “die Beeinträchtigung der gemeindlichen Belange nicht ausgeräumt” werden konnte.  Einstimmig war der neuerliche Beschluss der Gemeindevertretung wohl auch deshalb nicht. Fünf Gemeindevertreter stimmten bei vier Enthaltungen und einer Gegenstimme  mit Ja.  Drei Angehörige der Gemeindevertretung gaben überhaupt kein Votum ab, sie blieben krankheitsbedingt der Sitzung fern.

Das Müllheizkraftwerk soll nach EEW-Angaben  die 1979 eingeweihte Bestandsanlage ersetzen, über die der Fortschritt der MVA-Technologie weitestgehend hinweg gegangen ist. Zwar wurde 1997 ein Umbau realisiert,  dennoch gibt es laut EEW heute weitaus effizientere und ökologischere Verfahren, Strom und Fernwärme  zu erzeugen. Innovationen, die sich in Alt-Anlage nicht mehr umsetzen ließen. Die Verwertungskapazität der neuen Anlage soll mit der des Bestandsbaus vergleichbar sein.

Die bisher nicht vorhandene Klarschlamm-Monoverbrennungsanlage trägt laut EEW den veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Verwertung von Klärschlamm Rechnung. Anders als früher wird Klärschlamm nicht mehr als Dünger in der Landwirtschaft, sondern als krebserregende, mutagene und giftige Gefahrenquelle angesehen. Klärschlamm enthält Schwermetalle, Arzneimittelrückstände und synthetisch- organische Verbindungen wie Kunststoffe. Stoffe, die Pflanzgut und Grundwasser belasten.  Inhaltsstoff des Klärschlamms ist aber auch Phosphor, ein Nährstoff, der für Pflanzengesundheit und Pflanzenentwicklung unentbehrlich ist. Die Versorgung mit diesem so genannten Makronährstoff, der in Form des Phosphats nur 0.1 Prozent in der Erdkruste enthalten ist, basiert zu 90 Prozent auf Importen.  Die aus dem außereuropäischen Ausland eingeführten Phosphate erweisen sich zunehmend als mit Cadmium und Nuklearstoffen belastet. In der künftigen EEW-Anlage soll der Pflanzennährstoff in weitestgehend reiner Form zu 80 Prozent aus der Klärschlammasche zurückgewonnen werden

EEW plant, in der  Monoverbrennungsanlage jährlich 135000 Tonnen nassen Klärschlamms zu behandeln. Das ist etwa die Hälfte des in Schleswig-Holstein anfallenden Klärschlamms. Davon kommt aber nur ein Bruchteil in die Öfen. Denn der nasse Abfallstoff wird nach Unternehmensangaben zunächst  getrocknet. Dadurch reduziert sich die Masse der Rückstände aus der  Abwasserbehandlung auf 32.500 Tonnen Trockensubstanz, die dann der Verbrennung zugeführt werden.

Etlichen Bürger sind die Neubauten nicht geheuer. So der Initiative gegen den Neubau der Müllverbrennungsanlage, „Das bessere Müllkonzept“,  um deren Gründer Klaus Koch. Laut Lübecker Nachrichten hatte Koch darauf  hingewiesenen, dass 30 Jahre Müllverbrennung in Stapelfeld genug seien den Neubau einer Anlage an anderer Stelle als Alternative vorgeschlagen. Aber auch Bürger in den nahen Städten wie Ahrensburg und Hamburg äußerten Bedenken. Befürchtet wird insbesondere eine erhöhte  Dioxin- und Schadstoffbelastung sowie „Mülltourismus“ durch vermehrten Lkw-Verkehr.

Koch kritisierte laut Lübecker Nachrichten. Dass der über sein Veto-Recht die Klärschlammverbrennung  hätte ablehnen können“, kritisierte er. „Die Beratung der Kreispolitiker dazu habe nicht öffentlich stattgefunden, zudem erhalte der Kreis für seine Zustimmung 400 000 Euro“, so  der Aktivist laut Lübecker Nachrichten . 18 umliegende Gemeinden, die 1993 noch  die damals geplante Erweiterung der MVA verhindert hatten, seien diesmal gar nicht einbezogen worden, monierte Koch.

Die thermische Abfallbehandlungsanlage in Stapelfeld wurde 1979 von Hamburg und den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg in Betrieb genommen. Im Jahr 2003 wurde das Müllheizkraftwerk (MHKW) Stapelfeld in die heutige EEW Energy from Waste-Gruppe (Betreiber von insgesamt 18 Anlagen dieser Art in Deutschland und dem benachbarten Ausland) eingegliedert.  Verbrannt werden dort die Abfälle der Freien und Hansestadt Hamburg und des Südostens von Schleswig-Holstein. Geplant ist, in der neu gebauten Müllverbrennungsanlage ab 2022 zwischen 320000 und 350000 Tonnen Abfall aus privaten Haushalten und dem Gewerbe zu verbrennen.

khg

Hinterlasse eine Antwort

Subscribe to our newsletter