Brancheninfo aktuell 03-05/2019

Brancheninfo aktuell 03-05/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

bvse sieht STEAG-Anteilsübernahme durch REMONDIS „sehr kritisch“

Elefantenhochzeit Nummer zwei?  Dem potenziellen Einstieg von REMONDIS beim fünfgrößten deutschen Stromerzeuger STEAG sieht der bvse- Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung mit großer Sorge und „sehr kritisch“ entgegen. Der Recycling- und Entsorgerverband befürchtet negative Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation im Müllverbrennungsmarkt.

Schließlich betreibe Remondis bisher schon zahlreiche Gemeinschaftsunternehmen und geschäftliche Verflechtungen mit jenen Städten, die über die KSBG Kommunale Beteiligungsgesellschaft GmbH & Co. KG, Essen (KSBG) Eigentümer der STEAG sind (zum Beispiel WBO Oberhausen, GMVA Duisburg Oberhausen, SBD Servicebetriebe Duisburg GmbH, EBE Essener Entsorgungsbetriebe, MVA Hagen und Hamm).

Laut bvse sei auch die STEAG selbst in der Entsorgungsbranche aktiv. Der Konzern betreibe im Großraum Berlin das Industriekraftwerk Rüdersdorf und die Thermische Abfallbehandlung Lauta, die vor allem Siedlungsabfälle als Brennstoff einsetzen.
Das Unternehmen bezeichne sich selber als Spezialist in der Erzeugung von Strom und Wärme auf Basis anspruchsvoller Brennstoffe und Technologien. Dieses Know-how wolle der Konzern künftig verstärkt im Bereich der Abfallverbrennung nutzen. Als Betreiber eigener Anlagen planet das Tochterunternehmen STEAG Waste to Energy deshalb, den Anteil erneuerbarer Energien in der Strom- und Wärmeproduktion im Konzern-Portfolio auszubauen.

REMONDIS wiederum verfüge bereits über eine Vielzahl von Müllverbrennungsanlagen, Beteiligungen oder Kontingentverträge in Müllverbrennungsanlagen oder Kraftwerken. „Der Bundesverband weist in diesem Zusammenhang auf die Aussagen von Professor Dr. Justus Haucap hin, dass REMONDIS „der zweitgrößte thermische Verwerter in Deutschland“ sei und „bundesweit eine marktbeherrschende Stellung in diesem Segment“ habe, „da das Unternehmen bei einer kapazitätsbezogenen Marktbetrachtung tatsächlich Zugriff auf rund 40 Prozent der für private Entsorgungsunternehmen zugänglichen Anlagenkapazitäten haben dürfte“, Außerdem sei REMONDIS „ auf dem Verbrennungsmarkt mit zahlreichen PPP-Beteiligungen kommunal vernetzt“, so Haucap in einem von bvse in Auftrag gegebenen Gutachten. Da die Kosten kommunaler Anlagen im Wesentlichen durch die Abfallgebührenzahler getragen würde, verfüge REMONDIS im Vergleich zu herrschenden Marktbedingungen über vergleichsweise günstige Verbrennungskapazitäten.

Hieraus ließe sich nach Darstellung des bvse ein erheblicher Wettbewerbsvorteil generieren. In der Entsorgungsbranche stelle alleine schon die Verfügungsgewalt über Verbrennungskapazitäten einen erheblichen Trumpf dar. Die Verbrennungskapazitäten sind deutschlandweit knapp und begehrt und die Verbrennungskosten steigen dementsprechend kontinuierlich.
Die sich dadurch ergebene Überlegenheit könnte durch REMONDIS ausgenutzt werden, um durch die Gestaltung der Verbrennungspreise Einfluss auf das Wettbewerbsgeschehen zu nehmen und Wettbewerber zu schädigen oder gar aus dem Markt zu drängen, befürchtet der bvse.

Eric Rehbock: „Wir sehen deshalb mit großer Sorge, wie hinter verschlossenen Türen über den Verkauf öffentlicher Beteiligungen verhandelt wird. Wegen der beträchtlichen Marktmacht von REMONDIS im Bereich der Müllverbrennungsanlagen stellt sich durchaus auch die Frage, ob REMONDIS kartellrechtlich überhaupt in der Lage ist, eine Beteiligung an der STEAG zu erwerben.”

JL/rd

Hinterlasse eine Antwort

Subscribe to our newsletter