Brancheninfo aktuell 03-04/2021

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150 150 Klaus Henning Glitza

Übernahmeschlacht: Finanzaufsicht verpasste SUEZ einen Dämpfer

 

Die französische Finanzmarktaufsicht hat SUEZ im Bemühen, sich gegen die Übernahme durch VEOLIA zur Wehr zu setzen,  einen empfindlichen Dämpfer verpasst.

Sowohl das vom SUEZ-Vorstand ausgehandelte und unterstützte Offerte des französisch-amerikanischen Investorenkonsortiums Ardian-GIP als auch die Stiftung nach niederländischem Recht verletzen die Regeln und Leitprinzipien für öffentliche Angebote und widersprächen dem Aktienrecht, teilt die Autorité des marchés financiers  (AMF) mit.

Erzrivale VEOLIA  hat die SUEZ-Führung inzwischen aufgefordert, die genannte Stiftung zu „deaktivieren“ und die Gelegenheit zu einem  vernünftigen Dialog zu ergreifen, der endlich -ein „positives Ergebnis der Situation“ herbeiführen solle.,

 Dieses „positive Ergebnis“ könnte laut VEOLIA so aussehen, dass formal ein Unternehmen namens SUEZ France beibehalten wird, jedoch die nationalen Vermögenswerte an den  Pariser Infrastrukturfonds Méridiam abgetreten werden sollen. Kritiker, die von einer informellen Querverbindung Méridiam-VEOLIA wissen wollen,   betrachten diesen Vorschlag als toxisch.

Die Taktik der SUEZ-Oberen, die französische Wassersparte des Konzerns in die genannte Stiftung zu überführen, ist ein altbekannter, aber wirksamer Trick. Durch diese Transaktion würde die Wassersparte für vier  Jahre unverkäuflich. Das wäre ein Desaster für den kaufwütigen Konkurrenten VEOLIA, denn nur wenn dieser die Sparte weiterverkaufen kann, nämlich erklärtermaßen an den Fonds Méridiam,  wäre die Gigafusion mit SUEZ kartellrechtlich genehmigungsfähig. Das hatten die VEOLIA-Manager bereits in Vorgesprächen mit der französischen Wettbewerbsbehörde abgeklärt.

Der SUEZ-Konzern wehrt sich nicht generell gegen eine Deaktivierung der Stiftung, aber nur unter seinen Bedingungen. Bereits  im Vorfeld wurde erklärt, SUEZ würde auf die Stiftung verzichten, wenn VEOLIA das  Kaufangebot auf 22,50 Euro pro Aktie (statt bisher 18  Euro) anhebt oder einen erheblichen Anteil an Vermögenswerten an das Ardian-GIP-Konsortium überträgt.

Das AMF hat diese Bedingungen gerügt. Sie seien zu restriktiv, erklärte die auch „Börsenpolizei“ genannte  Behörde.

khg

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