Brancheninfo 36-06/2020

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Brancheninfo 36-06/2020 150 150 Klaus Henning Glitza

Überraschender Strategiewechsel bei der DB Cargo: Recyclingwirtschaft hört die Botschaft gerne

 

Die Botschaft, dass DB Cargo einen Strategiewechsel plant, hört die Recyclingindustrie gerne, wie der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung mitteilt. Schließlich würde rund ein Drittel Schrott-Handelsmengen per Bahn an die Abnehmer transportiert. Die Schrottwirtschaft sei deshalb dringend auf einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr angewiesen.

Der bvse bezieht sich bei seinem Statement auf die Ankündigung der DB Vorständin Sigrid Nikutta, die defizitären DB Cargo wolle auf Wachstumskurs gehen und Neueinstellungen vornehmen.  Statt -wie in der Vergangenheit- die Kosteneffizienz in den Vordergrund stand, solle nunmehr investiert werden.

Das wäre ein entscheidender Kurswechsel. Das bisherige Engagement der DB Cargo war in der jedoch eher auf Kritik der Recyclingbranche und hier insbesondere in der Stahl- und Metallrecyclingunternehmen auf Kritik gestoßen. “Wir müssen große Tonnagen schnell und sicher transportieren und dafür sind verfügbare Güterwagen und funktionierende Gleisanschlüsse eine wichtige Voraussetzung. An beiden Elementen mangelt es und dieser Mangel wird von der DB Cargo seit Jahren nur noch mehr schlecht als recht verwaltet”, erklärt dazu bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock.

Genau an diesen offensichtlichen Schwachpunkten will Sigrid Nikutta ansetzen. Die Vorständin kündigte an, dass die DB Cargo gerade im Geschäft mit Einzelwagen wachsen wolle. Auf dieses Angebot sind insbesondere mittelständische Firmen angewiesen sind, die nicht über ein so großes Mengenaufkommen verfügen, um Ganzzüge bestücken zu können.

Sigrid Nikutta sieht hier sogar Potenzial für eine Verfünffachung des Angebotes. Die 2.500 Verladestellen der DB Cargo müssten dafür jedoch besser ausgelastet werden. Fehlende Gleisanschlüsse will die DB-Vorständin dadurch ausgleichen, dass die DB-Cargo Lkw-Abholungen anbietet, um die Frachtmengen dann auf Rangierbahnhöfen zusammenzuführen und auf die Schiene zu bringen. Mit einer Angebotsausweitung und “deutlich engerer Taktung” hofft die DB Cargo so verlorene Marktanteile zurückzugewinnen und für die Zukunft auch wieder die Gewinnschwelle zu erreichen, so die DB-Pressestelle gegenüber bvse.de.

Dieser Strategiewechsel hat nach bvse-Angaben durchaus für Überraschung in der Recyclingbranche gesorgt, denn die DB Cargo hat es dem Mittelstand bisher nicht einfach gemacht, betont bvse-Logistik-Expertin Birgit Guschall-Jaik. “Wenn nun Strukturen und Kundenkommunikation verbessert werden sollen, ist das ein wichtiger Schritt. Allerdings wird es mit Auslastungsoptimierungen nicht getan sein”, so Birgit Guschall-Jaik. Sie weist darauf hin, dass es schwerfallen dürfte, ohne dringend notwendige Investitionen in Infrastruktur und neue Güterwagen altes Terrain zurückzugewinnen.

Die bvse-Expertin warnt auch vor einem Verdrängungswettbewerb zu Lasten der privaten Bahngesellschaften. “Wir brauchen die DB Cargo und die privaten Bahngesellschaften. Es muss vielmehr darum gehen, den Recycling-Unternehmen gute Bedingungen für die Nutzung der Schienengüterverkehre zu bieten und so den Marktanteil für den Schienenverkehr gegenüber dem Gütertransport auf der Straße deutlich zu steigern.”

ZI

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